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Stadt Zürich will Sozialhilfebezüger für Arbeitsmarkt fit machen

20 Prozent der Menschen in der Sozialhilfe in der Stadt Zürich könnten zwar arbeiten, haben aber keinen Job. Das Sozialdepartement will gezielt in deren Aus- und Weiterbildung investieren und sie so für den Arbeitsmarkt fit machen.

«Wir haben ein gesellschaftliches Problem», sagte der Stadtzürcher Sozialvorsteher Raphael Golta (SP).
«Wir haben ein gesellschaftliches Problem», sagte der Stadtzürcher Sozialvorsteher Raphael Golta (SP).
Keystone

Die Fallzahlen in der Sozialhilfe steigen stetig. Ein Grossteil davon sind schlecht ausgebildete Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keinen Platz mehr finden. «Wir haben ein gesellschaftliches Problem», sagte der Stadtzürcher Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) am Dienstag vor den Medien, «eine zu schlechte Qualifikation dieser Menschen».

Von den rund 20'000 Personen, die in der Stadt Zürich Sozialhilfe beziehen, sind etwa 30 Prozent eigentlich in der Lage zu arbeiten. Viele von ihnen sind schlecht oder gar nicht ausgebildet. «Auf sie wollen wir den Fokus setzen», sagte Golta. Gut 10 Prozent unter ihnen arbeiten zwar bereits, verdienen aber zu wenig Geld, um zu leben.

Menschen gezielt ausbilden

Konkret geht es darum, die Chancen dieser Geringqualifizierten auf dem ersten Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern. «Wir wollen diese Menschen besser ausbilden, damit sie länger im Arbeitsmarkt bleiben können», sagte der Sozialvorsteher. Ansonsten würden die Bemühungen der Sozialhilfe Gefahr laufen, ein Nullsummenspiel zu werden.

Ziel ist die Abkehr vom Drehtüreffekt «Sozialhilfe-Arbeitsmarkt». Golta lancierte deshalb den «Fokus Arbeitsmarkt 2025». Unter diesem Dach sollen alle Massnahmen zur Arbeitsmarktintegration gebündelt und die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand intensiviert werden.

«Um zu wissen, welche Qualifikationen gefragt sind, müssen wir am Puls des Arbeitsmarktes sein und über den Tellerrand der Sozialhilfe schauen», sagte Golta. Der Sozialvorsteher sprach denn auch von einem «Paradigmenwechsel», welcher mehr auf Eigenverantwortung bei den Sozialhilfebeziehenden setzt als auf Druck.

Heute wird von den rund 30 Prozent arbeitsfähiger Sozialhilfebezüger verlangt, dass sie so rasch wie möglich eine Arbeit finden. Bei ungenügender Motivation und Mitarbeit werden Sanktionen - etwa finanzielle Kürzungen - angedroht oder durchgesetzt. Künftig setzt das Sozialdepartement mehr auf Freiwilligkeit.

Motivieren statt verpflichten

«Wer nah am ersten Arbeitsmarkt dran ist und eine hohe Motivation zeigt, soll gezielter gefördert, begleitet und qualifiziert werden», sagte Mirjam Schlup, Direktorin der Sozialen Dienste. Anhand ihrer Chancen für eine Stelle und Motivation werden die in Frage kommenden Personen in verschiedene Zielgruppen eingeteilt.

«Wir wollen genau hinschauen: Was bringen die Leute mit, wie gross ist ihre Motivation, was braucht es für eine erfolgreiche Arbeitsintegration», sagte Schlup. Je nach Zielgruppe sind Kurse in Grundkompetenzen, Fachkurse oder aber auch eine Laufbahnberatung sowie ein Job-Coaching mögliche Angebote.

«Qualifikation ist nur mit Eigenmotivation möglich» zeigte sich Golta überzeugt. Sanktionen würden die vorhandene Motivation oft beeinträchtigen. So setzt das Sozialdepartement auch bei jenen Menschen auf Freiwilligkeit, die kaum Chancen auf eine Stelle haben. «Es geht darum, Druck wegzunehmen, ohne diese Leute aufzugeben.»

Weiterhin sanktioniert werden jene Sozialhilfebeziehende, die zwar gute Chancen für den ersten Arbeitsmarkt aufweisen, aber keine Motivation zeigen, eine Stelle anzutreten. «Und auch jene, die wir künftig nicht mehr bestrafen, behalten wir im Blick», betonte Golta.

Rund 70 Prozent der Sozialhilfebeziehenden kommen für eine Arbeitsintegration allerdings gar nicht in Frage. Sie sind entweder gesundheitlich beeinträchtigt, betreuen Kinder unter einem Jahr oder warten auf die Leistungen anderer Sozialversicherungen wie AHV oder IV. Rund 20 Prozent sind zudem Kinder unter 16 Jahren.

(SDA)

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