Zürich

Solidarität beim Opernhaus, mehr Polizei in Zürich und Winterthur

Mehrere Hundert Menschen gedachten am Sonntag in Zürich der Pariser Terroropfer. Die Sicherheitsdirektion erhöhte derweil die Polizeipräsenz an neuralgischen Punkten.

Die Anteilnahme war gross bei der Zürcher Solidaritätskundgebung vom Sonntag. Einzelne warnten vor mehr Überwachung.

Die Anteilnahme war gross bei der Zürcher Solidaritätskundgebung vom Sonntag. Einzelne warnten vor mehr Überwachung. Bild: Keystone

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Sie legten Blumen, Briefe und Kerzen nieder und trauerten so gemeinsam um die Toten von Paris. Hunderte Menschen haben am Sonntagmittag vor dem Zürcher Opernhaus an einer Gedenkfeier für die Opfer des Terrors in Frankreich teilgenommen. Zum Gedenkanlass aufgerufen hatte am Samstag via Facebook San­drine Zinsli, eine in Zürich lebende gebürtige Pariserin. «Wir hier sind Schweizer und Franzosen, aber heute geht es nicht um die Nationalität, sondern um Freiheit», sagte Zinsli in ihrer kurzen Ansprache. Insbesondere gehe es um Meinungsfreiheit, um die Freiheit, Konzerte zu besuchen oder einander zu treffen.

Ein anderer Teilnehmer betonte in einer Rede, er habe zwar Angst, aber er lasse sich nicht terrorisieren. Nach seinem Votum begannen einige die «Marseil­laise, die französische Nationalhymne, zu singen. Ein berührender Moment, der vielen die Tränen in die Augen trieb.

Unter den Teilnehmenden war auch Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, sagte sie ge­gen­über verschiedenen Medien. Es gehe nicht nur um die Angriffe in Paris, sondern um grundlegende Werte.

Polizei patrouilliert mit Maschinenpistolen

Am späteren Sonntagnachmittag lud die kantonale Sicherheits­direktion zu einer Medienkonferenz in den Zürcher Hauptbahnhof. Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) verkündete eine gute Nachricht in schwierigen Zeiten: Bisher sei kein Bezug von den ­Pariser Gräueltaten zum Kanton Zürich festgestellt worden, sagte der Regierungsrat.

Gemäss Fehr wird weiterhin «alles Menschenmögliche» un­ternommen, um die Sicherheit der Bevölkerung im Kanton Zürich zu gewährleisten. Am besten wahrnehmbar seien die erhöhte Polizeipräsenz an neuralgischen Punkten. Dazu gehören beispielsweise der Hauptbahnhof Zürich, der Bahnhof Winterthur sowie der Flughafen. Bilder des Hauptbahnhofs Zürich zeigten teils mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizistinnen und Polizisten.

Gemäss Fehr ist seit dem späten Freitagabend der Einsatzstab der Kantonspolizei tätig. Dieser garantiere bei Bedarf eine schnelle und wirkungsvolle Reaktion. Er stehe mit dem Bund und mit Polizeikorps aus anderen Kantonen sowie aus den Städten Winterthur und Zürich in regem Austausch und werde im Einsatz bleiben, solange es die Si­tua­tion ­erfordere.

Über «unsichtbare» Aktivitäten wollten Fehr sowie Bruno Keller, Chef der Sicherheitspolizei der Kantonspolizei Zürich, und Franz Bättig, Chef Regionalpolizei, aus polizeitaktischen Gründen nichts sagen. Gemäss Bättig wurden die Kontrollen in Asylunterkünften im Kanton ­Zürich bereits seit längerem verstärkt.

Wegen der Pariser Anschläge wurde laut dem «Tages-Anzeiger» auch bei der Stadtzürcher Polizei eine Sondersitzung abgehalten. Man habe das Personal zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen, sagte Sprecher Marco Cortesi ­ge­gen­über der Zeitung. Ob mehr Polizisten als üblich im Einsatz sind, sagte er nicht.

Betroffene Rockband sagt Auftritt in Zürich ab

Die kalifornische Rockband Eagles of Death Metal hat derweil ihre Europa-Tournee abgebrochen und deshalb auch ihren ­geplanten Auftritt in Zürich vom 18. November abgesagt. Bei dem Angriff im Pariser Club Bataclan, wo die Band am vergangenen Freitag auftrat, wurden mindestens 89 Menschen getötet und viele weitere verletzt. (Der Landbote)

Erstellt: 16.11.2015, 09:02 Uhr

Terroristen-«Scherze» und ein gelöschter Twitter-Account

Der umstrittene Satiriker An­dreas Thiel ist seit längerem als Islamkritiker bekannt. Während seiner Auftrit-te steht er unter diskretem Polizeischutz. Auf die Terroranschläge von Paris reagierte Thiel rasch, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Am Samstagabend habe Thiel einen Auftritt im Zürcher Hechtplatz-Theater mit folgender Frage an die Zuschauer begonnen: «Gibt es Terroristen im Publikum?» Er bitte allenfalls anwesende Terroristen, so Thiel weiter, ihre Waffen an der Garderobe abzugeben. Oder wenigstens «nicht auf den Techniker, sondern auf die Bühne zu schiessen», weil sich dort am wenigsten Menschen befänden und die Verletzungsgefahr dadurch klein sei. Im Ton vergriff sich am Samstag auch der Stadtzürcher SVP-Präsident Roger Liebi. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Liebi am frühen Morgen nach den Anschlägen: «Schlimm, dass man zugelassen hat, dass sich die islamistische Brut in unserer Gesellschaft ausbreiten konnte. Wer warnte, wurde verunglimpft!» Laut dem «Tages-Anzeiger» löschte Liebi kurz dar­auf nicht nur den entsprechenden Eintrag, sondern gleich den ganzen Twitter-Account. Dies, nachdem es innert kurzer Zeit auf Twitter und Facebook Kritik an der Aussage und auch am Zeitpunkt des abgesetzten Tweets hagelte. Ge­gen­über der Zeitung räumte Liebi ein, er habe die Kurznachricht «in einem Moment grosser Wut, Erregung und persönlicher Betroffenheit» geschrieben. Dennoch verteidigte er das Geschriebene. «Ich stehe zu meiner Äusserung, aber ich kann sie in den zwei Sätzen, die auf Twitter Platz haben, nicht differenzieren», sagte Liebi. Er mache einen Unterschied zwischen dem Islam und den erwähnten Islamisten.

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