Wetter

«Solche Sturmphasen gehören zu unserem Klima»

Schwere Sturmböen rüttelten in dieser Woche an drei Tagen in Folge an den Fensterläden. Eine vergleichbare Sturmserie gab es letztmals 2004.

Windgepeitschtes Land: In dieser Woche waren solche Szenen wie hier am Zürichsee fast täglich zu beobachten.

Windgepeitschtes Land: In dieser Woche waren solche Szenen wie hier am Zürichsee fast täglich zu beobachten. Bild: Michael Trost

Noch einmal liessen am Freitagmorgen kräftige Windböen die Baumwipfel tanzen. Noch einmal rüttelte es an den Fensterläden. Und noch einmal wurden den Passanten in der Region die Regenschirme aus den Händen gerissen.

Es waren die letzten Ausläufer des Sturmtiefs «Friederike». Dieses hatte am Donnerstag und in der Nacht auf Freitag vor allem Deutschland schwer in Mitleidenschaft gezogen. Hierzulande waren die Böen – zum Glück – nicht so stark. Grössere Schäden oder gar Todesopfer waren im Gegensatz zum nördlichen Nachbarland nicht zu beklagen.

Damit ging eine mehrtägige Sturmperiode zu Ende. Seit Dienstag heulte der Wind nahezu ohne Unterbruch. Vor allem in exponierten und leicht erhöhten Lagen gab es im Grossraum Zürich täglich schwere Sturmböen mit mehr als 100 km/h. Das zeigen stellvertretend für alle vergleichbaren Höhenlagen in der Region die Messwerte an der auf 556 Meter gelegenen Wetterstation in Zürich-Fluntern (siehe Grafik). In den tieferen Lagen – zum Beispiel am Zürichsee, in der Stadt Winterthur oder im Zürcher Unterland – waren die Windspitzen dagegen etwas tiefer.

Die Grafik zeigt: Bereits in leicht erhöhten Lagen wie am Zürichberg (Messstation Fluntern) wurden von Dienstag bis Donnerstag Böen über 100 km/h gemessen.

Etwas schwächer waren die Sturmwinde diese Woche in den tiefsten Lagen. Das zeigt das Böendiagramm von Wädenswil.

Es stellt sich die Frage: Sind solche Sturmperioden für unsere Breitengrade aussergewöhnlich? Oder gar ein Zeichen für den Klimawandel?

Es geht noch viel heftiger

Stephan Bader, Klimatologe von Meteoschweiz verneint: «Solche Sturmphasen gehören zu unserem Klima dazu». Eine vergleichbar hartnäckige Sturmlage gab es gemäss seiner Auswertung letztmals im Januar 2004.

Und es geht noch viel heftiger: Ende Dezember 1999 stürmte es beispielsweise gleich an vier Tagen in Folge ohne Unterbruch – wobei der denkwürdige Orkan «Lothar» am 26. Dezember den Höhepunkt bildete.

Sogar noch intensiver war die Sturmphase vom 26. Februar bis 1. März 1990. Es waren die Tage, in denen das Orkantief Vivian (am 27. Februar) verbreitet schwere Schäden in den Schweizer Wäldern anrichtete. Und im Januar 1995 gab es sogar eine Sturmlage, die volle sechs Tage andauerte.

Ein Gruss von der «atmosphärischen Autobahn»

Diesen Dienstag und Mittwoch hiess der Sturm «Evi», am Donnerstag dann «Friederike». Verantwortlich für die Stürme diese Woche war aber – genauso übrigens wie in den vergleichbaren Ereignissen der Vergangenheit – ein und dieselbe Wetterlage, nämlich eine kräftige westliche Höhenströmung über dem Nordatlantik. In diese «atmosphärische Autobahn» eingebettet zogen in schneller Abfolge Sturmfelder und Randtiefs über Mitteleuropa und die Schweiz hinweg. Diese brachten nicht nur Wind, sondern je nach herangeführter Luftmasse auch viel Regen und Schnee.

Fazit: Die zurückliegende Wetterlage war spektakulär – aber nicht aussergewöhnlich. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich erneut eine solche Sturmserie über unseren Köpfen einstellen werde, sagt Klimatologe Bader.

Text und Grafiken: Martin Steinegger (zsz.ch)

Erstellt: 19.01.2018, 15:00 Uhr

Artikel zum Thema

Sturm bleibt zahmer als «Burglind»

Wetter Mit Böen um 90 km/h ist ein Wintersturm am Dienstag über die Region gezogen. Damit war der Sturm deutlich schwächer als «Burglind». Bis Donnerstag bleibt es stürmisch. Mehr...

Wetterdienste warnen vor mehrtägiger Sturmlage

Wetter In den Wäldern werden immer noch die Schäden beseitigt, die Sturm «Burglind» angerichtet hat – da steht bereits die nächste Sturmlage vor der Tür. Diese dauert mehrere Tage. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!