Regierungsrat

Sie holt Sieg um Sieg an der Urne

Carmen Walker Späh (FDP) hat in ihrer ersten Legislatur alle Abstimmungen gewonnen. Unter der 61-jährigen Volkswirtschaftsdirektorin kommen Projekte voran, die zuvor blockiert waren.

Carmen Walker Späh lässt sich in ihrem Büro am Neumühlequai.

Carmen Walker Späh lässt sich in ihrem Büro am Neumühlequai.

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Der Zürcher Wirtschaftsmotor brummt. Die Arbeitslosenzahlen sind in den letzten vier Jahren von 3,5 auf 2,5 Prozent gesunken. Das ist in erster Linie ein Anzeichen dafür, dass die Unternehmen vieles richtig machen. Aber auch dafür, dass der Kanton für gute Rahmenbedingungen sorgt.

Entsprechend zieht Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) selber eine positive Bilanz. «Ich hatte eine erfolgreiche Legislatur und alle Abstimmungen gewonnen», hält sie fest. Das Volk sagte 2015 und 2018 Ja zur Limmattalbahn und 2017 Ja zum Gegenvorschlag zur Anti-Stau-Initiative. Auch lehnte das Volk die Lohndumping-Initiative und die vom Kantonsrat beschlossene und vom Regierungsrat bekämpfte stärkere Kürzung des kantonalen Verkehrsfonds ab.

«Ich nehme die Wahlen nicht auf die leichte Schulter, man muss jedes Mal aufs Neue kämpfen.»Carmen Walker Späh

Dass sie den Anti-Stau-Gegenvorschlag auch dann noch unterstützte, als die Verkehrskommission diesen zum Wohlgefallen der SVP abgeändert hatte, brachte ihr auch Kritik ein. Sie lasse sich zu stark reinreden, heisst es dann. «Aber pflegeleicht bin ich nicht», sagt Walker Späh, «das hat man bei der Abstimmung zum Verkehrsfonds gesehen.» Damals gewann sie an der Urne gegen die Bürgerlichen.

Im Kreuzfeuer der Kritik landete sie mit dem Flughafen-Dossier, an dem man sich nur die Finger verbrennen kann, und mit dem Schiffsfünfliber. Walker Späh riss das Ruder noch rechtzeitig herum, ehe eine Initiative dagegen zur Abstimmung kam. Und schaffte ihn kurzerhand wieder ab.

«Ich will blockierte Verkehrsprojekte anpacken und voranbringen», sagt Walker Späh. Und meint auch den Rosengartentunnel, zu dem der Kantonsrat diese Woche die erste Lesung abschloss. Oder die Umfahrung Eglisau, wo ein Brücken-Wettbewerb stattfinden soll, wie die Volkswirtschaftsdirektion eben bekannt gab. Und 2018 wurde das Umfahrungsprojekt Grüningen genauer vorgestellt, Calatrava-Brücke inklusive.

Fürs Foto nach einem Gegenstand gefragt, der für sie den Kanton Zürich repräsentiert, nimmt sie eine Zürcher S-Bahn in Modellgrösse in die Hand. Sie hat sich in ihrer Direktion erkundigt, bis sie einen Mitarbeiter fand, der eine solche besitzt. «Dieser Zug ist Zürich. Unsere S-Bahn prägt unseren Kanton und ist weltweite Spitze. Alle Gemeinden stehen dahinter. Als Präsidentin des Verkehrsrats bin ich auch persönlich stolz darauf.»

Doch gerade weil die Zürcher S-Bahn so spitze ist, muss in Bern lobbyiert werden, um neue Mittel dafür zu erhalten, damit das Herz des Schweizer Eisenbahnsystems nicht zu dessen Schwachpunkt wird. Der Ausbau Stadelhofen ist gut aufgegleist. Für weitere Zürcher Notwendigkeiten, wie etwa den S-Bahnhof Dietikon Silbern im grössten Limmattaler Wirtschaftsgebiet, muss Walker Späh weiterkämpfen. «Das Tempo bei wichtigen Infrastrukturprojekten möchte ich noch verbessern», sagt sie. Man müsse solche Projekte schneller zur politischen Reife bringen. «Dafür braucht es Mut, anzupacken. Den habe ich.»

Einmal im Jahr sammelt sie Pilze

Doch genug zum Verkehr. Er macht letztlich nur eine Hälfte von Walker Spähs Arbeit aus. Die andere besteht zum Beispiel in der Betreuung von Firmen, bestehenden wie auch neuen.

Das geht von der Unternehmensentlastungsstelle im Amt für Wirtschaft und Arbeit über das Marketing von Zürich Tourismus in San Francisco und Netzwerk-Kontakte mit China, Indien und Südkorea bis hin zu regelmässigen Firmenbesuchen. Besonders stolz ist Walker Späh darauf, dass sich auch die Blockchain-Wirtschaft in Zürich breitmacht und dass der Innovationspark – sie ist dort Stiftungsratspräsidentin – immer konkreter wird.

Die Umzonung des 90 Fussballfelder grossen Areals beim Militärflugplatz Dübendorf in der kommunalen Abstimmung: Es war ein weiterer Sieg an der Urne für Walker Späh. «Um auf einer Brache ein solches Projekt anzugehen, braucht man schon etwas Pioniergeist. Es ist eine grosse Chance, von der die nächste und übernächste Generation stark profitieren wird», sagt sie.

Beim Video will sie nicht mitmachen

Wie stark beschäftigen sie die Wahlen, wo sie doch hauptsächlich Erfolge auszuweisen hat? «Ich nehme die Wahlen nicht auf die leichte Schulter, man muss jedes Mal aufs Neue kämpfen», sagt Walker Späh.

Beim Video-Interview mit persönlichen Fragen, das zu unserer Porträt-Serie gehört, will Walker Späh nicht mitmachen. «Ich bin keine Schauspielerin», meint sie. Lieber stellt sie die Politik ins Zentrum. Auch über die Frauenfrage will die ehemalige Präsidentin der FDP-Frauen nicht viele Worte verlieren. «Am liebsten ist mir, wenn über die Frage nach Mann und Frau nicht mehr diskutiert werden muss. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn Natalie Rickli gewählt wird.»

Zum Schluss fragen wir die 61-jährige Baujuristin, ob sie eigentlich noch zum Pilzsammeln, ihrem Hobby, kommt. Einmal im Jahr nehme sie sich die Zeit dafür, antwortet sie. «In Graubünden, da kann ich ganz inkognito mit dem Korb durch den Wald laufen, ohne dass ich verwundert angeguckt werde», sagt sie und strahlt. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 16.02.2019, 10:10 Uhr

Lob und Kritik

«Schon als sie noch im Kantonsrat war, arbeitete ich gerne mit ihr zusammen. Sie packt an und bringt neue Impulse, zum Beispiel beim Rosengarten oder der Umfahrung Eglisau. Sie ist eine zuverlässige Macherin und hat ein offenes Ohr für die Anliegen der Unternehmen.»

Josef Wiederkehr
CVP-Kantonsrat




«Carmen Walker Späh ist eine traditionelle bürgerliche Verkehrspolitikerin. Sie hat keine Idee, wie dem Klimawandel zu begegnen ist. Statt den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr stärker zu fördern, geht sie bereitwillig auf die Bedürfnisse der Autofahrer ein.»

Esther Guyer
Grünen-Kantonsrätin

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