Schiffszuschlag

Zuschlag tut weh – ZVV hält aber daran fest

Die Passagierfrequenz auf dem Zürichsee hat wegen des Schiffszuschlags um 30 Prozent abgenommen. Die Gastronomie hat einen Verlust geschrieben. Dennoch will der ZVV am Zuschlag festhalten.

Seit dem 11. Dezember 2016 gilt auf dem Zürichsee der Schiffszuschlag von fünf Franken pro Tag.

Seit dem 11. Dezember 2016 gilt auf dem Zürichsee der Schiffszuschlag von fünf Franken pro Tag. Bild: Archiv Manuela Matt

(mst)

(Erstellt: 06.02.2018, 11:21 Uhr)

Umfrage

Mehreinnahmen in Millionenhöhe stehen verärgerten Kunden und tiefen Passagierzahlen gegenüber: Rechtfertigt der wirtschaftliche Erfolg den Schiffsfünfliber?





Die Zahlen

Was der Schiffsfünfliber auslöst

Der Tageszuschlag von 5 Franken für Kursschifffahrten auf Zürichsee und Limmat hat seine Wirkung nicht verfehlt. Für den Zürcher Regierungsrat sowie den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) sind das gute Nachrichten, wenn man sich auf das Finanzielle beschränkt. Tatsächlich hat der Schiffsfünfliber 2,36 Millionen Franken Mehreinnahmen generiert. Das sind zwar nicht ganz die erhofften 3 Millionen aber «wir sind auf Kurs», wie es Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) zusammenfasste.

Die Abrechnung in Zahlen

Mit dem Schiffszuschlag nahm der ZVV 3,533 Millionen Franken mehr ein. Von dieser Summe abzuziehen sind die mit den 30 Prozent weniger Fahrgästen verlorenen Einnahmen für Schiffsbillette. Diese Einbusse beträgt laut ZVV-Kalkulation 618 000 Franken. Auch die Bundessubventionen von 290 000 Franken entfallen, weil das Bundesamt für Verkehr keine Zuschläge für öffentliche Verkehrsmittel akzeptiert.
Dazu kommen Mehrausgaben von 167 000 Franken für zusätzlichen Personalaufwand und 100 000 Franken weniger Pachtzins für die Gastronomie. Unter dem Strich ergibt das eine positive Bilanz von 2,358 Millionen Franken.

Noch offene Rechnungen

Nicht berücksichtigt sind in diesem Ergebnis ein einmaliger freiwilliger Beitrag von 167 000 Franken für die Neuausrichtung und Umstrukturierung der Bordgastronomie. Ebenfalls noch nicht verbucht sind in den 2,358 Millionen 100 000 Franken weniger Pachtzins von der Zürichsee Gastro AG.

Am meisten die Bilanz schmälern wird aber der Anteil am Bundestopf, den die Generalabonnements füllen. Da diese Beiträge aus einem Vierjahresdurchschnitt berechnet werden, kommt das Minus erst 2022 zum Tragen. Dann allerdings happig: Der GA-Beitrag könnte um bis zu 400 000 Franken schwinden. Sollte dieser Worstcase eintreffen, würde der Schiffszuschlag weniger als 2 Millionen Franken Nettogewinn einbringen.

Rundfahrten stark betroffen

Die definitive Kehrseite des Schiffsfünflibers ist die mehr als eine halbe Million weniger Fahrgäste. 2017 brachen die Frequenzen gegenüber 2016 um 30 Prozent ein: Von 1 664 295 auf 1 135 198 Passagiere. Dabei war 2016 schon das schlechteste Jahr seit 2010.

Obschon die Limmatboote mit einem Minus von 42 Prozent den grössten Aderlass erlitten, wirken sich die Einbussen bei den Rundfahrten wirtschaftlich am stärksten aus. Gemäss ZVV-Direktor Franz Kagerbauer verlor die grosse Rundfahrt am Zürichsee 35 Prozent Fahrgäste, die kleine Rundfahrt im unteren Seebecken 21 Prozent.

Weniger Tourismusfahrten

Daraus lässt sich ableiten, dass die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) mit dem Aufpreis vor allem im Tourismussektor Abstriche machen musste. Das bekam auch der Pachtbetrieb der Zürichsee Gastro AG zu spüren, der enorme Einbussen erlitt. Aber auch der Querkurs Wädenswil-Stäfa/Männedorf verlor 27 Prozent Passagiere. Ganz anders hingegen sieht es bei der zweiten Personenfähre am Zürichsee aus. Der Uferpendler zwischen Thalwil-Erlenbach/Küsnacht legte um 1 Prozent zu.

Ein Blick auf die einzelnen Monate zeigt, dass kein einziger ungeschoren davonkam. Das Minus bewegt sich zwischen 13 Prozent (Februar) bis 43 Prozent (September). Vor allem die unerwartet eingebrochenen Frequenzen in den vom Wetter sogar begünstigten Hochsommermonaten Juli (-34 Prozent) und August (-36 Prozent) drückten auf die Bilanz.

ZVV-Direktor Kagerbauer bemerkte, dass 2017 offenbar besonders häufig die Besitzer von Generalabonnements den Zürichsee links liegen liessen. Dafür tröstet ihn eine andere Erkenntnis: «Wer nicht auf den See ging, war anderswo ebenfalls mit dem ZVV unterwegs.» Anders gesagt: Wie im Verbund zerronnen so im Verbund gewonnen.

Schulklassen befreit

Eine Klientel wurde jedoch über Gebühr vergraut. Die ZSG verzeichneten um 20 Prozent weniger Schulreisen an Bord. Hier hat der ZVV gemäss Kagerbauers Diagnose «Kinderkrankheiten des Zuschlags ausmerzen» eine erste Korrektur vorgenommen. Ab sofort müssen Schulklassen aus dem Kanton Zürich bei Fahrten mit der ZSG keinen Schiffsfünfliber mehr berappen.

Christian Dietz-Saluz

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