Zürichsee

Roger Federer droht eine Einsprache

Gegen die Altlastensanierung, die Roger Federer auf seinem Grundstück plant, regt sich Widerstand. Der Verein Rives Publiques und eine lokale Politikerin wollen einen öffentlichen Trampelpfad.

Aufkommender Gegenwind: Dem bis Montag aufgelegten Baugesuch Roger Federers droht eine Einsprache.

Aufkommender Gegenwind: Dem bis Montag aufgelegten Baugesuch Roger Federers droht eine Einsprache. Bild: Fabio Wyss

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Einwandfrei verlief das Auftaktspiel Roger Federers am Australian Open – er gewann gestern klar in drei Sätzen. Nicht ganz ohne Einwände schreitet sein Bauvorhaben in der Kempratner Bucht voran. Der Verein Rives Publiques erhebt Einsprache gegen die geplante Altlastensanierung. Die per Mail versandte Einsprache geht nicht nur an den Stadtrat von Rapperswil-Jona, sondern auch an die Kantonsregierung, das Bundesamt für Umwelt und diverse Naturschutzorganisationen.

Trampelpfad von Gesetzes wegen

Victor von Wartburg, Präsident der Einsprecherpartei, sagt auf Anfrage: «Wir wollen am Ufer des Zürichsees entlang einen zwei Meter breiten Trampelpfad.» Denn per se sei es gesetzeswidrig, dass es keinen durchgehenden öffentlichen Seeweg gebe.

«Wir wollen am Ufer des Zürichsees entlang einen zwei Meter breiten Trampelpfad.»Victor von Wartburg, Präsident der Einsprecherpartei

Von Wartburg beruft sich auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2001: Aus diesem geht hervor, dass öffentliche Gewässer und ihr Bett – also die direkte Uferzone – eine unzertrennliche Einheit bilden. Also sei die Uferzone genauso öffentlich wie der See. Rund drei unterschiedliche Geometer hätten ihm diese Gesetzeslage bestätigt. Rives Publiques hat diese Forderung bereits im Sommer gestellt. Zürichsee Landschaftsschutz wies sie damals ab. Auch heute gibt Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, dem Begehren wenig Kredit.

Gemäss von Wartburg geht es bei der Einsprache nicht nur um Federer, sondern den ganzen Kanton St.Gallen. «Die St.Galler Behörden sind beispielhaft schlecht, wenn es um Sachen wie Grundbucheinträge geht.»

Im November wurden in der Kempratener Bucht die Kanalisationsarbeiten vorgenommen und eine Meteorwasserleitung fertiggestellt. Foto: Markus Timo Rüegg

«Fragwürdige Dekontaminierung»

Handelt es sich bei der Einsprache bloss um einen Vorwand, um politische Forderungen durchzuboxen? Fakt ist: Laut seinem bis Montag öffentlich einsehbaren Baugesuch will Federer sein Grundstück von Ziegel- und Mauerabfällen der ehemaligen Ziegelei befreien. In der Einsprache bezeichnet Rives Publiques diese Dekontaminierung als fragwürdig. Tatsächlich wird im Baugesuch das Risiko, das von diesem Bauschutt für die Umwelt ausgeht, als gering bis inexistent beurteilt. Dahingegen werden Glas- und Metallstücke im Wasser als problematisch für Mensch und Tier bewertet.

Der bei der Stadtverwaltung für Baubewilligungen zuständige Andri Pfister hält das geplante Vorhaben für eine «gute Sache», meint aber auch: «Der Normalbürger würde diese Sanierung wohl nicht vornehmen.» Rives Publiques führt gegen das Bauvorhaben egoistische Ansprüche Federers wie die «ungehinderte Sicht auf den See und einen privaten Hafen» ins Feld.

Auch für einen von dieser Zeitung angefragten Experten existieren Fragezeichen. Gemäss dem Experten, der anonym bleiben möchte, ist es bei Bauvorhaben üblich, vorab Erdproben zu nehmen. «Dass man die Altlastensanierung nicht zusammen mit der Hauptbewilligung einreichte, erscheint in diesem Zusammenhang speziell.»

Der Volkswille setzt sich durch

Dennoch ist fraglich, ob in der Rosenstadt – mit ihren grosszügig ausgestatteten Fusswegen – die Forderung Gehör findet. Von Wartburg meint, der vollumfängliche Zugang für die Öffentlichkeit sei breit abgestützt in der Bevölkerung. Er erwähnt Umfragen aus der Waadt, bei der drei Viertel der Befragten einem Seeweg zustimmten. Ob in der Romandie oder am Zürichsee – eines bleibt gemäss von Wartburg gleich: «Es braucht viel Zeit und Geld. Die Demokratie wird den Volkswillen aber früher oder später regeln.»

Zuerst gilt es aber, eine formale Hürde zu überspringen: Die Einsprache wurde – Stand Montag – noch nicht gültig eingereicht, sondern nur auf elektronischem Weg. Von Wartburg meinte auf Anfrage, er werde das noch nachholen. Unterzeichnen werde auch Silvia Kündig, 15 Jahre lang Kantonsrätin für die Grünen und wohnhaft in Rapperswil-Jona. Dies, damit die Einsprache gesetzlich legitimiert sei.





Erstellt: 20.01.2020, 19:59 Uhr

Das sagt der Stadtpräsident

Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, äussert sich auf Anfrage wie folgt zur Einsprache: «Der Verein fordert einen öffentlichen Seeweg und nutzt diese Altlastensanierung dazu. Ganz am Rand stellt er Bezüge her mit dem eigentlichen Bauprojekt. Bei uns sind der politische Wille respektive ein öffentliches Bedürfnis für den öffentlichen Seeweg nicht vorhanden. Von 14 Kilometern Uferlinie sind in Rapperswil-Jona lediglich vier Kilometer privat, darum findet diese Forderung keinen Widerhall. Am Genfersee, wo Herr von Wartburg herkommt, besteht offensichtlich eine andere Situation.» Stöckling dementiert, dass man das Ganze nicht ernst genug nehme: «Es geht immerhin um eine Forderung, von der die Öffentlichkeit Rapperswil-Jonas profitieren könnte. A prima vista ist insbesondere abzuklären, ob hier das Verbandsbeschwerderecht greift. Ich vermute, dass sowohl der Verein als auch die Privatperson gesetzlich nicht legitimiert sind, um zu rekurrieren. Aber klar ist: Wir nehmen die Einsprache sehr ernst.» Dass im Seeuferbereich bereits Arbeiten vonstattengingen, ist Stöckling nicht bekannt: «Unseres Erachtens ist nichts ausserhalb des bewilligten Rahmens erfolgt.» (wyf)

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