Wetter

Rekorde gab es nur über dem Nebel

Warm, wärmer, Dezember 2015: Der erste Wintermonat hat vor allem in den höheren Lagen sämtliche Rekorde gebrochen. Im Flachland fällt die Bilanz wegen des Nebels «normaler» aus.

Bis zu 145 Sonnenstunden konnte man im Kanton Zürich in diesem rekordwarmen Dezember oberhalb des Nebels geniessen.

Bis zu 145 Sonnenstunden konnte man im Kanton Zürich in diesem rekordwarmen Dezember oberhalb des Nebels geniessen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Dezember 2015 wird schweizweit als mildester seit Beginn der regelmässigen Temperaturmessungen 1864 in die Geschichte eingehen. Das gibt der staatliche Wetterdienst Meteoschweiz in einem heute veröffentlichten Wetterblog bekannt.

Landesweit war der Monat demnach 3,4 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Extrem war der Wärmeüberschuss vor allem in den höheren Lagen. Auf den Hügeln und Bergen lag die Tages-Durchschnittstemperatur 4 bis 6 Grad über der langjährigen Norm. «Das sind extreme Abweichungen», sagt Stephan Bader, Klimatologe bei Meteoschweiz.

6 Grad zu warm auf dem Hörnli

Auch im Grossraum Zürich lässt sich diese ausgeprägte «Höhenwärme» im Dezember anhand der Messwerte an verschiedenen Berg-Wetterstationen gut dokumentieren. So verzeichnet zum Beispiel die Lägern (866 Meter über Meer) einen Temperaturüberschuss von 5,2 Grad gegenüber der Norm. Normalerweise liegt die Tages-Durchschnittstemperatur auf dem Aussichtspunkt im Zürcher Unterland im Dezember bei -0,2 Grad. In diesem Jahr lag sie bei 5 Grad.

Ganz ähnlich sieht es auf dem 1133 Meter hohen Hörnli im Zürcher Oberland aus. Der Wärmeüberschuss beträgt dort sogar satte 5,8 Grad gegenüber der langjährigen Norm, die bei 0 Grad liegt.

Frost, Kälte und Schnee suchte man im Dezember in den genannten Regionen meist vergebens. Es ist deshalb kein Wunder, dass auch die Natur aus dem Fahrplan geraten ist. Gemäss Meteoschweiz blühen vielerorts Haselsträucher. Auch Frühlingsblumen wie Huflattich oder Leberblümchen spriessen aus dem Boden. Das sollte eigentlich frühestens Ende Januar oder Anfang März geschehen.

Vom Nebel geplagte Flachländer

Aber: Der zu Ende gehende Dezember dürfte vielen Bewohnerinnen und Bewohnern des Grossraums Zürich dennoch nicht als aussergewöhnlich warm in Erinnerung bleiben. Der Grund dafür: Die meisten Menschen wohnen nicht auf dem Hörnli oder der Lägern, sondern im Flachland. Dort war der Dezember zwar ebenfalls warm - aber eben nicht extrem warm. Häufig hielt sich hartnäckiger Nebel. Nebst den klassischen Nebelregionen wie dem Zürcher Unterland lag auch das Zürichseeufer in diesem Dezember oftmals unter einer dünnen, aber zähen Nebeldecke. Die nächtlichen «Kaltluftseen» in den Niederungen konnten von der Sonne tagsüber oftmals nicht komplett ausgeräumt werden. Dies sorgte dafür, dass die Temperaturen im einstelligen, ja sogar im frostigen Bereich blieben.

Ort Temperatur-Ø Norm Abweichung

An der Wetterstation Wädenswil (408 M.ü.M.) wurde im Dezember 2015 eine durchschnittliche Tagestemperatur von 4,3 Grad gemessen. «Normal» wären hier 1,6 Grad. Der Wärmeüberschuss beträgt also verhältnismässig moderate 2,7 Grad. Noch geringer ist die Differenz im Nebel-geplagten Kloten (447 M.ü.M). Dort beträgt die Abweichung von der langjährigen Norm sogar «nur» 2 Grad. Das sind zwar nach wie vor markante Abweichungen – aber keine Rekordwerte, wie Stephan Bader betont.

Viel mehr Sonnenstunden als üblich

Die grosse Wärme kam diesen Dezember nicht zuletzt durch viel Sonnenschein zustande. Praktisch überall zeigte sich die Sonne deutlich häufiger, als es im ersten Wintermonat normalerweise der Fall ist. So wurden in Wädenswil im Verlauf des ganzen Monats 98 Sonnenstunden gemessen. Normalerweise werden im Dezember nur 41 Stunden erreicht. In Kloten schien die Sonne während 78 Stunden (Normwert: 35 Stunden).

Noch sonniger war es in den höheren Lagen: Auf der Lägern konnte man 137 Sonnenstunden und auf dem Hörnli sogar 145 Sonnenstunden geniessen. Normalerweise zeigt sich die Sonne auf den beiden Hügeln im Dezember nur während 54 (Lägeren) und 67 (Hörnli) Stunden.

Verantwortlich für den milden Dezember war eine Wetterlage, die sonst eher im Sommer auftritt: Ein Hochdruckgebiet presste sich während des ganzen Monats vom Mittelmeer her in Richtung Alpenraum und Mitteleuropa. Es brachte milde Luftmassen und sorgte dafür, dass Schlechtwetterfronten vom Atlantik her gar nicht, oder dann nur in stark «zerbröselter» Form zu uns gelangten. (zsz.ch)

Erstellt: 30.12.2015, 13:33 Uhr

Umfrage

Der Dezember war aussergewöhnlich warm und trocken. Was halten Sie vom bisherigen Winterwetter?

Je wärmer, desto besser. Ich kann Kälte nicht ausstehen.

 
26.2%

Das warme Wetter ist bedenklich. Es ist nicht gut für die Natur.

 
43.9%

Ich finde es sehr schade, dass es zu dieser Jahreszeit nur so wenig Schnee hat.

 
29.9%

107 Stimmen


Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.