Rapperswil-Jona

Rapperswil-Jona weist Einsprachen gegen Motel ab

Für zwei Millionen Franken entsteht in Rapperswil-Jona ein Rasthaus für Reisende. Die Stadt gibt grünes Licht für das Motel am Ort der ehemaligen Lido-Bar. Offen­ ist, ob die Einsprecher das Verfahren weiterziehen.

Tangiert auch das Haus an der Oberseestrasse 56, wo das Lido-Lädeli beheimatet ist: Ein Zimmer des geplanten Motels, das anstelle der ehemaligen Lido-Bar gebaut werden soll, wäre in dieser Liegenschaft untergebracht.

Tangiert auch das Haus an der Oberseestrasse 56, wo das Lido-Lädeli beheimatet ist: Ein Zimmer des geplanten Motels, das anstelle der ehemaligen Lido-Bar gebaut werden soll, wäre in dieser Liegenschaft untergebracht. Bild: Archiv Michael Trost

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Die Jenott Immobilien AG unter Marcel Huber will an der Oberseestrasse 56 zwischen Lido- Lädeli­ und Eigentumswohnungen die ehemalige Lido-Bar ab­reis­sen und dort ein Motel bauen. Gegen das Projekt waren zwei Ein­sprachen von Stockwerkeigentümern aus der Nachbarschaft und vom Hausbesitzer der Oberseestrasse 56 eingegangen, sagt Thomas Furrer, Bauchef in Rapperswil-Jona. Die Bau- und Umweltkommission habe die Einsprachen inzwischen abgewiesen, weil es sich beim Motel um einen regulären Betrieb mit 17 Zimmern handle. Das Besondere am Motel sei, dass dieses ohne­ Personal auskomme und die Kunden online einchecken können.

Die Einsprecher hatten «ideelle­ Immissionen» geltend gemacht: Diese beziehen sich auf ein psychisches Unbehagen bei betroffenen Nachbarn, wenn in der Nachbarschaft plötzlich ein Rotlicht-Etablissement betrieben wird. «Wir haben ein bestimmtes Verständnis für die Ängste in der Nachbarschaft, weil in der Vergangenheit an diesem Ort ein Striplokal und ein Nachtklub war», sagt Furrer. Allerdings sei das Motel nicht im Rotlicht-Milieu angesiedelt.

Just dies will Liegenschaftenbesitzer Huber zuallerletzt: dass aus dem Haus an der Oberseestrasse 56a ein Bordell wird. «Ge­baut­ wird vielmehr ein Motel primär für Geschäftsleute, aber auch für Touristen und Arbeiter, die in der Rosenstadt übernachten wollen», sagt Huber. Er hat sich auf den Kauf und die Verwaltung von Hotelkomplexen spezialisiert.

«Architektur überzeugt»

Es gibt einen weiteren Beschwerdegrund seitens der Einsprecher: «Sie haben auf den grossen Lärm hingewiesen, der wegen des Motels entstehe», sagt Furrer. «Früher gingen in der Tat viele Lärmklagen von Nachbarn am Schönbodenweg ein», bestätigt Huber: «Beim neuen Projekt sind derlei Ängste unbegründet, weil das Motel keinen Gastro­be­trieb beinhaltet. Essen und trinken müssen die Gäste ausserhalb des Hauses.»

Zu guter Letzt haben die Einsprecher auch noch baurechtliche Gründe geltend gemacht: «Sie beziehen sich auf die Zonenkonformität. Moniert wird, dass der Bau nicht zwei Geschosse aufweisen darf», konstatiert Furrer. Die Stadt habe die Einsprache abgewiesen, weil der Bau zwar in der Tat zwei Geschosse habe, baurechtlich aber als eingeschossig beurteilt werde. Ebenso wurde ins Feld geführt, dass der Bau nicht hindernisfrei, also nicht behindertengerecht, sei. «Die Stadt hat die Einsprachen nicht zuletzt auch deswegen abgewiesen, weil der Bau architektonisch überzeugt und die Gesamtsituation verbessert», sagt Furrer.

Nebst den genannten öffentlich-rechtlichen Punkten bringen die Anwohner zudem privatrechtliche Argumente ins Spiel, mit denen verhindert werden soll, dass an dieser Lage ein Gewerbebetrieb entsteht. «Mit einer privatrechtlichen Einsprache kann die Baubewilligung nicht verhindert oder aufgeschoben werden», sagt Furrer: Es könnte aber sein, dass die Baubewilligung aufgrund einer Gutheissung von privatrechtlichen Rügen zu korrigieren beziehungsweise anzupassen wäre.

Gegen Zimmer im Haus

Mit einer privatrechtlichen Einsprache droht denn Alois Jost, Eigentümer des Gebäudes an der Oberseestrasse 56, in der Tat: Er hat gegen das Bauprojekt Einsprache erhoben, weil er sich vor dem Mehrverkehr fürchtet, der durch das Motel entstehen könnte. Ausserdem stört ihn, dass ein Zimmer des Motels mit Lavabo und Dusche in seiner Liegenschaft untergebracht wird. Dass das überhaupt möglich ist, hängt mit den Besitzverhältnissen des Gebäudes zusammen. Das angedachte Zimmer war die Küche des früheren Restaurants und als sogenannte Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen. Sprich: Jost muss den Betrieb in seinem Haus dulden. Ob das allerdings bei einer Nutzungsänderung auch gilt, wird wohl ein Gericht klären müssen. Denn Alois Jost hat angekündigt, dass er das Verfahren weiterziehen wolle. Er werde notfalls bis vor das Bundesgericht gehen, um zu verhindern, dass das Motel in seinem Haus ein Zimmer einrichtet.

Urbanes Wohnen im Fokus

Trotz des Widerstands rechnet Huber damit, dass bereits in diesem Jahr die Bauarbeiten starten können. Er ist zuversichtlich, dass das Projekt auch vor der nächsten Instanz standhält: «Die Stadt ist begeistert vom Motel, weil auf diese Weise urbanes Woh­nen entsteht, das durch Verdichtung neue Qualitäten schafft.» Die Kosten für den Bau betragen zwei Millionen Franken. Im Jahr 2020 könnte das Motel im Idealfall eröffnet werden.

Erstellt: 16.01.2019, 15:54 Uhr

Wie aus einem Tanzlokal ein Nachtclub wurde

Das Etablissement Lido an der Oberseestrasse 56 hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In den 1960er-Jahren war das Lokal ein Dancing, in dem Orchester aufspielten und legendäre Aquarien zu bestaunen waren. Der Raum diente zudem der Squadra Lido, einem Club für Motorsport, als Clublokal. Später wurde aus dem Dancing ein Striplokal und ein Nachtclub.

Unter dem Namen Lido-Bar kam es zu zahlreichen Wechseln bei den Pächtern. Mehrmals schreckten Gewalttaten im und um das Lokal die Bevölkerung auf. Im Jahr 1985 kam es zu einer Schiesserei, die einen Toten forderte. Im Jahr 2014 kam es in der Lido-Bar zu einer Messerstecherei. Nachfolgenutzungen für das Lokal waren stets nur von kurzer Dauer. Unter anderem war auch ein Lieferdienst für tibetisch-asiatisches Essen namens Shapale und Momo-Kurier dort unterbracht. Auch die 45er-Bewegig, eine Fanorganisation der Rapperswil-Jona Lakers, versammelte sich immer wieder dort. (ml)

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