Rapperswil-Jona

Rapperswil-Jona stoppt Neubau der Badi Lido per sofort

Weil die Kosten für die Erneuerung der Badi Lido massiv überborden, zieht der Stadtrat Rapperswil Jona die Reissleine. Dem Bauchef wird das Dossier entzogen, nun müssen Experten den Fall aufklären.

Wie es mit dem Freibad Lido weitergeht, steht momentan in den Sternen – das Projekt.

Wie es mit dem Freibad Lido weitergeht, steht momentan in den Sternen – das Projekt. Bild: PD

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Seine Stirn dürfte sich in tiefe Sorgenfalten gelegt haben, als er die Akten auf seinem Schreibtisch durchging. Denn es ist dicke Post, die Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, bekommen hat – sie betrifft das Schwimmbad Lido. Dieses zu erneuern, werde massiv teurer als geplant, musste er von der Projektleitung erfahren. Zwei bis drei Wochen sei das her, sagt Stöckling. Er habe daraufhin sogleich die Kollegen vom Stadtrat informiert und das Thema auf die Traktandenliste der nächsten Stadtratssitzung gesetzt. Am vergangenen Montag erfuhren alle Ratsmitglieder im Detail von der Hiobsbotschaft: Mindestens fünf Millionen teurer als geplant fällt die Sanierung des Freibades aus. Grund genug für den Stadtrat, das Projekt sofort zu stoppen.

Mit 27,5 Millionen Franken rechnete der Stadtrat für das neue Freibad Lido. «Mit diesem Betrag, so wurden wir informiert, sei das Vorhaben realisierbar», sagt Stöckling. Er verweist auf die Urnenabstimmung vom November 2018. 72 Prozent der Stimmbürger sagten damals Ja zum Kredit für ein modernisiertes Schwimmbad.

Geplant war unter anderem ein neues, blitzförmiges Badigebäude sowie ein grösseres Schwimmbecken. Nun aber, da das Projekt massiv mehr kosten würde, habe der Stadtrat keine Basis mehr, dieses weiter voranzutreiben, sagt Stöckling. «Aus diesem Grund haben wir es per sofort sistiert.»

Instabiler Boden als Knacknuss

Zwei Gründe nennt die Stadt für die überraschenden Mehrkosten: Der eine seien die geologischen Verhältnisse vor Ort. Der andere Ungenauigkeiten bei der Kostenschätzung im Vorprojekt. «Wir wussten zwar, dass der instabile Boden aus Seekreide viele Herausforderungen mit sich bringt», sagt Stöckling. Trotzdem seien nun zusätzliche Schwierigkeiten gegenüber dem Stadtrat kommuniziert worden.

Zu den Ungenauigkeiten bei der Kostenschätzung sagt er: «Wenn ein Betrag im Nachhinein abweicht, betrifft dies leider häufiger die Seite der Ausgaben.» Dass bei der Kalkulation Fehler passiert seien, könne er nicht ausschliessen. Ebenso sei offen, ob Fehler intern oder extern – also im städtischen Ressort Bau, Liegenschaften oder bei den beauftragten Planern – unterlaufen seien.

Im Lido steckt der Wurm drin

Nicht zum ersten Mal zieht der Stadtrat einem Projekt im Lido den Stecker: Ursprünglich wollte er mit der Erneuerung der Badi auch ein zusätzliches Ausseneisfeld und eine Trainingshalle mit Ballonhülle für die Lakers bauen (diese Zeitung berichtete mehrfach). Die Lösung erwies sich als untauglich, der Stadtrat schwenkte auf eine fixe Trainingshalle um. Doch auch hier lautete das Urteil: zu teuer. Mindestens 44 Millionen Franken hätte das Gesamtprojekt gekostet – der Stadtrat knickte ein: Das Projekt sei so nicht mehrheitsfähig. Die Trainingshalle ist mittlerweile im Grünfeld geplant – und wurde von der Bürgerversammlung im Dezember bewilligt.

Zurück auf Feld eins?

Wo diesmal im Lido der Hund begraben liegt, muss ein externes Projektteam herausfinden. Der Stadtrat hat beschlossen, die Kostensituation durch eine unabhängige Zweitmeinung zu verifizieren. Ziel sei es, in den nächsten drei bis fünf Monaten Klarheit über die effektiven Kosten zu erhalten – mit einer Genauigkeit von plus minus zehn Prozent. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, ob und wie das Projekt umsetzbar ist, respektive wie mögliche Alternativen aussehen könnten. Von einem Nachtragskredit, einer abgespeckten Version bis hin zu einem kompletten Abbruch des Projekts sei alles möglich, sagt Stöckling. «Zurück auf Feld eins – auch dies könnte eintreffen», zeigt sich der Stadtpräsident ernüchtert.

Klar ist im Moment einzig: Aus dem geplanten Baustart nächsten Frühling wird wohl nichts, ebenso wenig sei im Sommer der Betrieb der veralteten Anlage möglich. Das Becken und die Filteranlage sind kaputt, das Seewasser, mit dem das Wasser fürs Becken aufbereitet wird, bereits abgehängt. Nicht tangiert seien indes die laufenden Arbeiten beim Hafen: Dort sei man im Endspurt, sagt Stöckling.

Der «Stapi» betont, nun müssten im Rahmen der Aufklärung Fakten auf den Tisch. Das Dossier ist mittlerweile Chefsache: Bauchef Thomas Furrer hat offenbar einen Maulkorb bekommen, wie aus einer Anfrage der «Linth-Zeitung» hervorgeht. Für Informationen zum Projekt verweist er auf den Stadtpräsidenten.

Erstellt: 20.12.2019, 10:22 Uhr

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