Zum Hauptinhalt springen

Pyro-Werfer muss eineinhalb Jahre ins Gefängnis

Ein junger Fan des FC St. Gallen muss für 18 Monate ins Gefängnis weil er während eines Spiels in Luzern Böller aufs Feld geworfen hatte und damit einen irreversiblen Hörschaden auslöste.

Der verurteilte junge Mann ist Anhänger des FC St. Gallen.
Der verurteilte junge Mann ist Anhänger des FC St. Gallen.

Ein Fan des FC St. Gallen muss eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Bundesstrafgericht verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten, weil der junge Mann während eines Spiels im Luzerner Fussballstadion Pyro-Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatte.

Das Gericht ist den Argumenten der Bundesanwaltschaft in den wesentlichen Punkten gefolgt. Die Behörde hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren gefordert. Sie verneinte während des Prozesses in Bellinzona, dass es sich um ein Piloturteil handle.

Bundesanwalt hofft auf Signalwirkung

Nach der mündlichen Urteilsverkündung sagte der Bundesanwalt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, er hoffe, dass der Entscheid für zukünftige Spiele eine Signalwirkung habe - für alle Fussballfans.

Das Bundesstrafgericht entschied, dass der heute 24-jährige Pyro-Werfer 18 Monate der 36-monatigen teilbedingten Freiheitsstrafe absitzen muss. Zudem hat es eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 50 Franken und eine Busse von 700 Franken ausgesprochen.

Das Gericht befand den jungen Mann schuldig der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, der schweren Körperverletzung zum Nachteil eines Zuschauers, der mehrfachen Sachbeschädigung und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz.

Die Verteidigerin des nun erstinstanzlich Verurteilten hatte einen Freispruch beantragt. Lediglich die Sachbeschädigung, die durch die Pyro-Gegenstände auf dem Rasen verursacht wurde, anerkannte sie. Die Schadensumme von 800 Franken ist bereits an die Swissporarena überwiesen worden.

Genugtuung von 12'000 Franken

Der 24-Jährige schuldet dem an einem irreversiblen Hörschaden leidenden Geschädigten eine Genugtuung von 12'000 Franken. Er muss zudem einen Teil der Verfahrenskosten von 15'000 Franken zahlen. Dem Geschädigten und der Swissporarena muss er zudem Aufwendungen von total rund 26'000 Franken bezahlen.

Der Angeklagte hatte bereits bei der ersten Befragung zugegeben, die vier Pyro-Gegenstände während der Begegnung zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen in Luzern auf das Spielfeld geworfen zu haben. Er und seine Verteidigerin bestritten jedoch die rechtliche Würdigung der Tat.

Entgegen der Auffassung der Verteidigerin fallen die beiden sogenannten Kreiselblitze, die der Ostschweizer bei seinem dritten und vierten Wurf auf das Spielfeld schleuderte, gemäss Gericht unter den Begriff Sprengstoff, wie ihn der Straftatbestand der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht vorsieht. Kein Sprengstoff seien hingegen die beiden Rauchtöpfe, die zuerst auf dem Spielfeld gelandet waren.

Der vorsitzende Richter hielt in der Urteilsbegründung fest, dass der Ostschweizer mit den beiden Sprengkörpern eine konkrete Gefahr für Spieler, Zuschauer und weitere Anwesende geschaffen habe. Keine Rolle spiele, dass der erste der beiden Kreiselblitze nicht explodiert sei.

Für einen Kreiselblitz sei ein Mindestabstand von 55 Meter einzuhalten. Dieser sei bezüglich einer Vielzahl von Personen nicht gegeben gewesen. Aus «primitiven Gründen und auf rücksichtslose Art» habe der jung Mann gehandelt, führte der Richter aus.

Das Bundesstrafgericht sieht es zudem als erwiesen an, dass der irreversible Hörschaden des einen Zuschauers eine Folge des explodierten Kreiselblitzes ist. Der Betroffene hat seit den Ereignissen im Luzerner Stadion auch einen Tinnitus und bekundet grosse Mühe, das Erlebte zu verarbeiten.

Unsachgemässe Lagerung

Für schuldig befunden hat das Bundesstrafgericht den Fan des FC St. Gallen auch im Zusammenhang mit dem Sprengstoffgesetz. Nicht nur den Besitz der 100 Kilogramm pyrotechnischer Gegenstände erachtete das Gericht als verboten - diese Menge hat die Polizei bei einer Durchsuchung im März 2016 im WG-Zimmer des 24-Jährigen gefunden.

Auch die Lagerung in Kartons und Plastiksäcken entspreche nicht den Sicherheitsvorkehrungen, die gemäss Sprengstoffgesetz hätten getroffen werden müssen.

Die Verteidigerin des Ostschweizers erklärte nach der Eröffnung des Urteils, dass sie den Entscheid oder Teile davon wahrscheinlich ans Bundesgericht weiterziehen wolle. Definitiv entscheiden könne sie dies allerdings erst, wenn das begründete Urteil vorliege.

SDA/huy

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch