Jona

Prominente Jasser mischen die Karten in Jona

Für die SRF-Sendung «Samschtig-Jass» setzt sich Polit-Urgestein Toni Brunner an den Jasstisch auf dem Bächlihof. Fast brachte eines seiner Kälber den Drehplan für die Sendung durcheinander.

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Ein himmelblauer Traktor, ein Mann mit wehendem Jackett, lautes Knattern in der Luft: Die Szene auf dem Joner Bächlihof ist filmreif. Weit lehnt sich der Traktorfahrer nach vorn, als könnte er dem Gefährt zusätzlichen Schwung verleihen. Zehn, zwölf Meter beträgt die Distanz, die er auf die Kameras zufahren muss. Abrupt und mit einer Staubwolke bremst er auf dem Kiesplatz und grinst wie ein Schulbub.

«Herr Brunner, Sie kommen zu spät», ruft ihm Reto Scherrer entgegen und fuchtelt nervös mit den Moderationskarten. «Ich hatte eine kalbernde Kuh!», sagt der Angesprochene entschuldigend und steigt leichtfüssig vom Traktor. «Jetzt aber schnell», mahnt der Moderator, «ich muss mich noch umziehen!»

Das Kalb ist schuld

Toni Brunner, der Mann auf dem Traktor, könnte die Szene wohl hundertfach wiederholen. Auch nach dem dritten Durchlauf grinst der einstige SVP-Chef von einem Ohr zum anderen. Dass er laut Drehbuch verspätet zum Joner Bächlihof hetzt, hat er wohl wörtlich genommen. Zur vereinbarten Generalprobe der Sendung «Samschtig-Jass» ist das Polit-Urgestein unauffindbar, die Probe muss ohne ihn stattfinden. «Irgendetwas mit einem Kalb auf seinem Hof», scherzen die Produktionsverantwortlichen schulterzuckend. Ob es ein «Running Gag» ist oder tatsächlich ein Kalb den langjährigen SVP-Politiker aufgehalten hat, bleibt offen. Jedenfalls trudelt der Landwirt aus dem Toggenburg erst rund zwei Stunden später mit seiner Partnerin Esther Friedli auf dem Drehplatz ein – erst dann, als die Karten gemischt, die Jass-Runden längst zu Ende gespielt sind.

Ein Dreh auf Nummer sicher

Brunner ist nicht der einzige prominente Gast, den Passanten letzte Woche im Rahmen der Dreharbeiten auf dem Joner Bächlihof erspähen konnten. Für die Sendung «Samschtig-Jass» des Schweizer Radio und Fernsehens SRF war auch das Kommentatorenduo Stefan Bürer und Heinz Günthardt vor Ort, zudem der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Gedreht wurden zwei Folgen der Jass-Sendung, die am 25. Mai und am 8. Juni ausgestrahlt werden.

Mehr als einmal
müssen sich die
Kameraleute das
Lachen verkneifen.

«Wir suchen immer wieder schöne Locations in der ganzen Schweiz», erklärt die SRF-Produktionsverantwortliche Sandra Veneri. Doch obwohl der Bächlihof im Freien zweifellos eine herrliche Kulisse geboten hätte, fand der Dreh drinnen im Schopf statt. «Ein Aussendreh wäre deutlich aufwendiger», erklärt Veneri, zudem wäre das Wetter jedes Mal ein Unsicherheitsfaktor.

An diesem Nachmittag muss sich das Kamerateam jedoch nicht um Regenschirme kümmern. Die Terrasse des Bächlihofs ist in Sonnenlicht getaucht, Besucher flanieren zwischen den Tischchen und dem Hofladen umher, immer wieder spähen Neugierige in den Holzschopf. Dort hängen grosse Scheinwerfer von der Decke, Kameraleute rotieren im Raum, ein junger Mann im karierten Hemd nestelt am Mikrofon. Es ist der Sänger der Stubete Gäng – einer fünfköpfigen Ländlerformation, die gleich einen lupfigen Ohrwurm zum Besten geben wird. Einmal, zweimal, dreimal. Füsse wippen, die Melodie werden die Besucher später stundenlang noch im Kopf mittragen, ob gewollt oder nicht.

Der «falsche Toni»

Die eigentliche Aufzeichnung der Sendung findet erst am Abend statt, davor gibt es drei Proben: eine Stellprobe, eine «heisse Probe» und schliesslich die Generalprobe. Bei der ersten geht es vor allem darum, wann der Moderator und seine Gäste durch den Raum laufen, bei der dritten Probe wird alles in einem Schnurz durchgespielt. Nur eben ohne Toni Brunner. Beziehungsweise: ohne den «echten Toni». Weil sich dieser verspätet, muss kurzerhand ein Statist her. Der Mann, der an diesem Nachmittag zum Toni-Double mutiert, heisst Kurt Fischer und ist der Sicherheitschef der Produktionsfirma. Er habe schon für etliche Promis einspringen müssen, sagt er schmunzelnd. Das sei eigentlich ganz lustig: Mann könne etwas kreativ sein und auch mal einen Scherz machen. Und so kommt es, dass Moderator Reto Scherrer kurz darauf überschwänglich den «falschen Toni» begrüsst. Fischer ist schnell in seiner Rolle. Wie es den Kühen gehe, der Sau auf seinem Hof, die immer Kunststücke mache? Wann er das letzte Mal gejasst habe? Und wie es um ihn und sein Herzblatt Esther stehe? «Toni» weiss auf alles eine Antwort. Mehr als einmal müssen sich die Kameraleute das Lachen verkneifen.

Humorvoll ist auch die Probe mit den Tennis-Kommentatoren Stefan Bürer und Heinz Günthardt. Die beiden flachsen darüber, wie gut Roger Federer die Jasskarten auf den Tisch legen kann und wie häufig wohl bei ihm am Familientisch gejasst werde.

Dann endlich, Showdown!, fährt der Traktor auf den Hof und Toni Brunner, der echte, darf das Gefährt besteigen. Nur eine Tüte Popcorn hätte das Erlebnis für die Zuschauer noch toppen können.

Erstellt: 23.05.2019, 16:41 Uhr

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