Wasser

Promillegrenze für Gummiböötler soll fallen

Maximal 0,5 Promille Alkoholgehalt darf ein Bootsführer im Blut haben. Dieser Grenzwert soll nun wieder gelockert werden – für die Kapitäne von Kleinstbooten.

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Mit dem Gummiboot die Linth herunterschippern oder auf einem Pedalo den See entdecken, dazu ein kühles Bier in der Hand. Dieses Lebensgefühl geniessen im Sommer viele – doch bisher war das verboten. Für Hobbykapitäne gelten die Promillegrenzen wie auf der Strasse. Nun will das Bundesamt für Verkehr (BAV) will diese Promillegrenze für Führer von Gummibooten und anderen Kleinboote aufheben.Diese 2014 eingeführten Vorschriften liessen sich kaum durchsetzen, heisst es beim Bundesamt für Verkehr. Zu gross sind je nach Region die Massen von Wasserliebhabern die über Flüsse und Seen schippern. Das Parlament hat den Bundesrat daher ermächtigt, für kleine Schlauch- und Strandboote Ausnahmen zu machen.

Diese setzt das BAV nun mit einer Verordnungsänderung um. Von solchen Booten gehe eine geringere Gefährdung aus als von grösseren und motorisierten Schiffen, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Konkret gilt die Promille-Ausnahme für Schiffe, die kürzer als 2,50 Meter sind, für Strandboote, Paddelboote, Rennruderboote, Windsurf- und Kiteboards und nicht motorisierte Gummiboote bis zu einer Länge von 4 Metern. Die neuen Regeln werden voraussichtlich 2020 eingeführt.

Gar keine Freude am neuen Freipaas für Gummiböötler hat man bei der Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft. Bei der SLRG spricht man von einem falschen Signal, das die Aufhebung der Promillegrenze aussende: «Wer alkoholisiert auf dem Wasser fährt, bringt sich selber und allfällige Passagiere in Gefahr», teilen die Lebensretter mit. Das Blaue Kreuz erwartet laut einer Mitteilung Korrekturen – in der Verordnung «und zwar bevor wir noch mehr Unfallopfer zu beklagen haben.»

Kritik von der Seepolizei

Auch Kurt Reich, Leiter Schifffahrt/Seepolizei des Kantons St. Gallen, findet die Abschaffung der Promillegrenze «ein Zeichen in die falsche Richtung». Es sei schon fast als Aufforderung zu verstehen, mit Alkohol auf ein Gummiboot zu gehen.

Die Kantone Zürich, Schwyz und St. Gallen hätten am Zürichsee und im Linthkanal bisher aber keine gezielten Kontrollen gemacht, um Betrunkene aufzuspüren. Nur bei sehr auffälligen Beobachtungen würden die Kapitäne auf die Regeln aufmerksam gemacht. Reich und seinen Kollegen sind aus der letzten Zeit in der Region keine krassen Vorkommnisse oder gar Unfälle bekannt, bei denen Alkohol im Spiel war. Bei einer Schiffsgrosskontrolle im vergangenen Sommer war von 160 kontrollierten Booten nur gerade ein einziger Schiffslenker alkoholisiert unterwegs.

Gesunder Menschenverstand

An den gesunden Menschenverstand appelieren Sportgeräteverleiher am Zürichsee Reto Kuster, der in seinem Schmerkner Geschäft Kuster Sport Boote für den Linthkanal vermietet, sagt etwa: «Wer Alkohol beim Wassersport trinkt, gefährdet in erster Linie sein eigenes Leben.» Im Vergleich zu Motorbooten würden bei Unfällen mit Gummibooten oder Kajaks kaum Dritte gefährdet. Für Claudia Kraft von der Boots- und Pedalovermietung Hensa in Rapperswil spielt es im Alltag keine Rolle ob alkoholisiertes Pedalofahren erlaubt oder verboten ist: «Wer fährt, trinkt nicht.» Im Wasser könne es schnell gefährlich werden - selbst dann, wenn man nicht alkoholisiert ist. «Wenn jemand mit einem Sixpack-Bier ein Pedalo mieten möchte, erinnere ich daran, dass dies nicht unbedingt die beste Idee ist», sagt Kraft.

Bis im Sommer läuft nun die Vernehmlassung zur neuen Binnenschifffahrtsverordnung. Über die definitiven Änderungen entscheidet dann der Bundesrat. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.04.2018, 17:33 Uhr

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