Regierungsrat

«Populismus zerstört die Demokratie»

BDP-Regierungsratskandidatin Rosmarie Quadranti setzt sich gegen Ungerechtigkeiten ein. Sorgen bereitet ihr der Populismus, der an den politischen Polen grassiere.

Rosmarie Quadranti am Zürcher Hauptbahnhof. Als Sinnbild für den Kanton hat sie ihre Technorama-Jahreskarte mitgebracht. Foto: Marc Dahinden

Rosmarie Quadranti am Zürcher Hauptbahnhof. Als Sinnbild für den Kanton hat sie ihre Technorama-Jahreskarte mitgebracht. Foto: Marc Dahinden

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Pünktlich um 8.30 Uhr treffen wir BDP-Regierungsratskandidatin Rosmarie Quadranti am Zürcher Hauptbahnhof. Die Politikerin eilt in diesen Tagen von Termin zu Termin. Als Symbol für den Kanton Zürich hat sie ihre Jahreskarte für das Technorama in Winterthur mitgebracht.

«Das Technorama ist für mich eine Vorzeigeinstitution was die Innovation und die Bildungslandschaft angeht», sagt Quadranti. Beides Dinge, welche die Bildungspolitikerin am Kanton Zürich enorm schätzt.

Um zu verstehen, wie Quadranti funktioniert, hilft ein Blick zurück in ihre Kindheit. Als sie 1957 geboren wurde, lebte die Familie im Zollikerberg, die Mutter führte den Volg-Laden. 1968 zog die Familie nach Volketswil um. Quadranti war das älteste von sechs Kindern. «Ich bin mit der Selbstverständlichkeit aufgewachsen, dass man auch als Frau arbeitet», sagt die BDP-Politikerin. Und mit dem Bewusstsein, dass die Woche sieben Tage mit 24 Stunden habe, die man nutzen könne. Am Familientisch sei viel diskutiert und hin und wieder auch gestritten worden. Sie habe von Kindsbeinen an gelernt, zu verhandeln und Kompromisse zu finden.

Ein Leben als Bildungspolitikerin

Als Älteste habe sie auch Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernommen. Das habe sie gerne getan. «Schliesslich war ich dann ein bisschen die Chefin», sagt Quadranti scherzhaft. Weil ihr Vater bereits SVP-Mitglied war, habe sie sich ebenfalls für diese Partei entschieden. Daneben habe es nur die FDP gegeben und «das waren damals die Mehrbesseren».

Was Rosmarie Quadranti bereut, wofür sie sich schämt, und wie sie sich verwöhnt. Video: ZRZ

Quadranti machte eine Laufbahn im Bildungsbereich. Zuerst in der Kindergartenkommission – selber hatte sie damals drei kleine Kinder, – wurde sie 1994 in die Volketswiler Schulpflege gewählt, die sie zwischen 2000 und 2018 präsidierte. Bis 2009 war Quadranti zudem Vizepräsidentin der Bildungskommission der SVP des Kantons Zürich. In diesem Jahr erfolgte auch der Bruch mit der SVP – doch dazu später – und Quadranti trat in die BDP ein.

2011 wurde die Politikerin überraschend in den Nationalrat gewählt. Dort ist sie seit 2015 Fraktionspräsidentin. Aktuell sitzt sie in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie in der Sicherheitspolitischen Kommission.

Quadranti ist nicht nur Co-Präsidentin der parlamenta­rischen Frauengruppe, sie engagiert sich auch in mehreren Stiftungen unter anderem aus dem Bildungsbereich. Längst sind die drei Kinder erwachsen und Quadranti, die inzwischen verwitwet ist, wohnt seit Herbst 2018 nicht mehr in der Gemeinde Volketswil, sondern in Illnau-Effretikon.

Die Regierungsratskandidatin sagt, sie politisiere so, dass die Menschen im Zentrum stehen. Und sie kämpfe gegen die Ungerechtigkeit. So setzt sie sich etwa ein für die Gleichstellung von Mann und Frau, für Entwicklungszusammenarbeit und gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

Gegen Privatfliegerei in Dübendorf

Das Amt in der Exekutive würde sie interessieren, weil es Visionen zulasse und man etwas mitentwickeln könne. Das sei besser möglich als in einem Parlament. Die Arbeit des aktuellen Regierungsrats will sie nicht kritisieren, weil sie die Innensicht nicht kenne. Dass man die Zivilaviatik auf dem Flugplatz Dübendorf zulassen wolle, halte sie aber für einen Fehler. Man erreiche damit keine zusätzliche Wertschöpfung. Im Gegenteil würde die Lebensqualität von zahlreichen Menschen massiv beeinträchtigt. Zudem würde man Innovation behindern. «Mit der Privatfliegerei in Dübendorf könnte man weder auf dem Gebiet der Drohnentechnologie forschen, noch in der E-Mobilität.»

«In der Sachpolitik gibt es kein Links und kein Rechts.
Da gibt es nur ein Vorwärts.»
Rosmarie Quadranti
Regierungsratskandidatin BDP

Was der BDP-Politikerin Sorgen bereitet, ist der Populismus, der am rechten und am linken Rand des politischen Spektrums zunehme. Es wirke sich negativ auf die Politik und das Zusammenleben aus, wenn Lautsprecher von rechts und links ans Rednerpult treten und andere Menschen schlecht machen und ausgrenzen würden. «Das Zusammenleben der Menschen hat mit Achtung zu tun», sagt Quadranti. Wenn diese Achtung in der Politik abhanden komme, wirke sich das auch auf die Leute ausserhalb des Politbetriebes aus.

«Rechtsaussen gibt es wenig zu holen»

Populisten gehe es nicht darum, sachliche Lösungen zu finden. Sie wollten vielmehr ihre Parteiideologie verbreiten. Das führe zu einer rückwärtsgewandten Politik und zu Stillstand. «Populismus zerstört die Demokratie», sagt Quadranti. Der Populismus sei es letztlich auch, der sie aus der SVP vertrieben habe.

Gefragt nach ihren Wahlchancen sagt Quadranti: «Ich bin kaum naiv.» Es sei ihr wichtig, dass die politische Mitte wieder an Einfluss gewinne. «Und in der Sachpolitik gibt es kein Links und kein Rechts. Da gibt es nur ein Vorwärts.» Als Vertreterin einer Mittepartei bemühe sie sich darum, eine Lösung für ein Problem zu finden. In der Sachpolitik spiele es keine Rolle, ob ein Lösungsansatz von rechts oder von links komme. Wenn SVP-Nationalrat Mauro Tuena sie dafür kritisiere, dass sie mit den Linken Stimme, gebe sie ihm ein Stückweit recht. «Im Moment gibt es für mich wenig, das von rechtsaussen zu holen ist.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 01.02.2019, 16:20 Uhr

Die Kandidatin setzt sich für aussenpolitische Öffnung und Umweltschutz ein. (Bild: vimentis.ch)

Lob

«Rosmarie Quadranti politisiert sachorientiert und sucht nach
der besten Lösung. Das steht über der persönlichen Profilierung. Sie ist unvoreingenommen und verlässlich. Sie urteilt nicht über Leute, die anderer Meinung sind.»
Tiana Angelina Moser
Nationalrätin GLP

Kritik

«Sie liest sich in die Themen ein und kennt die Materie. Rosmarie Quadranti ist eine Chrampferin.
Sie stimmt allerdings in vielen Themen mit den Linken. Ich frage mich deshalb, ob sie in einer bürgerlichen Partei am richtigen Ort ist.»
Mauro Tuena
Nationalrat SVP

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