Berg am Irchel

Pferdehalter sollen Mist selber auflesen

Ein Artikel im Entwurf für eine neue Polizeiverordnung stösst bei Reitern auf harsche Kritik. Sie sollen dazu verpflichtet werden, Pferdemist auf Strassen zu entfernen.

Für die Reiter in Berg am Irchel «ist die Kacke am dampfen»: Sie sollen künftig den Mist ihrer Pferde von Aspahltstrassen aufnehmen und mitführen. In Elgg (ZH) (im Bild) hilft sich die Bevölkerung gleich selbst.

Für die Reiter in Berg am Irchel «ist die Kacke am dampfen»: Sie sollen künftig den Mist ihrer Pferde von Aspahltstrassen aufnehmen und mitführen. In Elgg (ZH) (im Bild) hilft sich die Bevölkerung gleich selbst. Bild: Heinz Diener

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Der Gemeinderat in Berg am Irchel hat die Polizeiverordnung überarbeitet und im Internet einen ersten Entwurf aufgeschaltet. Zunächst fällt auf, dass die neue Verordnung deutlich kürzer werden soll. Es sind allerdings auch neue Bestimmungen hinzugekommen. Etwa Artikel 18 mit der Überschrift: Verunreinigungen durch Pferde. Reiter werden darin dazu verdonnert, Pferdemist auf öffentlichen und geteerten Strassen oder Plätzen zu entfernen.

Diese neue Regel kommt bei Pferdebesitzern gar nicht gut an. Und davon gibt es in Berg am Irchel einige. Eine von ihnen ist Ursina Fehr vom Stall Ebersberg. Sie kann zwar nachvollziehen, dass Pferdemist im Dorf und auf Gehsteigen stören kann, ein gemeindeweites Verbot per Verordnung findet sie aber übertrieben. Vielmehr appelliert sie an die Eigenverantwortung der Reiter. «Diese sollten aufpassen und Verunreinigungen im Dorf oder auf Gehsteigen vermeiden.» Das Auflesen von sämtlichem Pferdemist sei nur schon rein technisch schwierig. Die Reiter müssten den Weg nach dem Ausritt mit dem Auto abfahren und den Mist nachträglich einsammeln, was unverhältnismässig sei und das Reiten stark erschweren würde. «Pferde gehören in ländlichen Gebieten doch genauso dazu, wie Kuhglocken oder krähende Hähne.»

Berg ist nicht Zürich

Mit einem längeren Brief reagiert Pferdebesitzer Fritz von Ballmoos auf die geplante neue Regel: «Ein solcher Gesetzesartikel wäre völlig unsinnig und nicht durchführbar», schreibt er. «Hundekot kann man in einem kleinen Plastiksack noch mitnehmen, beim Pferdemist wird das schon schwieriger.» Wer nach Berg am Irchel ziehe sei sich zudem bewusst, dass er nicht am Zürcher Paradeplatz wohne. Kommt hinzu, dass Pferdemist im Dorf seit vielen Jahren von Reitern eingesammelt werde. Wenn Pferdemist tatsächlich ein Problem wäre, schreibt von Ballmoos weiter, dann würde man mit den betroffenen Reitern besser das Gespräch suchen.

Gemeindepräsident Leo Schmid hat aufgrund des geplanten Artikels bereits mehrere Reaktionen erhalten, wie er sagt. Schmid betont denn auch, dass sich die meisten Pferdehalter gut verhalten. Dennoch müsse man auf alle Seiten Rücksicht nehmen. Er könne sich zum Beispiel vorstellen, den Artikel zu konkretisieren und zum Beispiel auf das Siedlungsgebiet zu beschränken. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen und es handle sich lediglich um einen Entwurf.

Auch andernorts ein Thema

Dass neue Regeln über das Entsorgen von Tierkot in Polizeiverordnungen zu reden geben, ist nicht ungewöhnlich. In Elsau wies die Gemeindeversammlung 2013 eine neue Verordnung zunächst zurück. Trotz Kritik aus Reiterkreisen wurde die grundsätzliche Verpflichtung, Kot aufzulesen, dann aber doch aufgenommen. Auch die neue Polizeiverordnung in Henggart kennt einen ähnlichen Artikel. Einen ganz anderen Weg geht die Gemeinde Elgg. Dort werden nur Hundehalter dazu verpflichtet, Kot aufzulesen. Dafür steht am Strassenrand eine Tafel mit der Aufschrift: «Bitte Bollen auf der Strasse zusammennehmen und in den Wald werfen.»

Trotz vieler Unterschiede. Gemein ist manch neuer Verordnung ein Artikel zur Videoüberwachung. In Berg am Irchel soll diese jedenfalls bald möglich werden. Der Gemeinderat habe derzeit zwar nicht vor, irgendwo eine Kamera aufzustellen, sagt Gemeindepräsident Leo Schmid. Falls es aber dereinst Fälle von Vandalismus geben würde, wären die dafür nötigen rechtlichen Grundlagen bereits vorhanden.

Verordnung vereinfacht

Insgesamt hat der Gemeinderat in Berg am Irchel die alte Gemeindeverordnung aus dem Jahr 1986 massiv vereinfacht und von 86 auf 37 Artikel zusammengekürzt. Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist die Verordnung damit liberal. Es fehlt zum Beispiel ein Spuckverbot wie in Flaach, Henggart oder Oberembrach. Oder eine Regelung zu Taxifahrten wie in Henggart.

Die Bergemer können noch bis 8. Januar zur neuen Verordnung Stellung nehmen. Ziel des Gemeinderates ist es, sie im Juni 2016 der Gemeindeversammlung vorzulegen.

Erstellt: 02.11.2015, 11:57 Uhr

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