Zürich

Erstes Bauern-Notfalltelefon in Betrieb

Der Zürcher Bauernverband reagiert auf die zunehmenden Existenzängste und schaltete das schweizweit erste Notfalltelefon für Bauern auf. Auch Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes weiss: «Immer mehr Bauern sind verzweifelt.»

Das Notfalltelefon soll verzweifelten Bauern dabei helfen einen Ausweg aus der finanziellen Misere zu finden.

Das Notfalltelefon soll verzweifelten Bauern dabei helfen einen Ausweg aus der finanziellen Misere zu finden. Bild: Keystone

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«Heute Morgen hat mich ein Bauer angerufen der zwar über 100 Kühe hat und der dennoch aufgrund des Marktdrucks in grossen finanziellen Schwierigkeiten steckt», erzählt Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes auf Anfrage. «Er habe nur noch Arbeit, aber kein Einkommen mehr, sagte der Mann zu mir.»

Es ist nicht der einzige Anruf, den Ritter in diesen Tagen erhält. Seit er im März in der TV-Sendung «Rundschau» von SRF 1 zu einer Suizid-Serie von Bauern Stellung nahm und sich persönlich für verzweifelte Bauern einsetzte – «Jeder kann mich Tag und Nacht anrufen» – steht sein Telefon kaum noch still. «Es sind bis heute sehr viele Anrufe bei mir eingegangen, deutlich mehr als ich gedacht hatte», räumt Ritter ein.

«Der Bauer sagte, er habe nur noch Arbeit aber kein Einkommen mehr.»Markus Ritter,
Präsident des Bauernverbandes über den Anruf eines verzweifelten Bauern.

Andererseits sei dies letztlich ja alles eine logische Folge der heutigen Marktsituation. Denn der Milchpreis beispielsweise sei nach wie vor im Keller und dem Handel fehle das Verständnis dafür, dass die Bauern mit diesen Preisen nicht überleben könnten, sagt Ritter. Tatsache sei, so der Bauernverbandspräsident , dass die Zahl der Bauern, die wegen dem wirtschaftlichen Druck verzweifeln, zunehme.

Hilfe an 365 Tagen

Das spürt auch der Zürcher Bauernverband (ZBV). Obschon es bereits zwei andere Ratgeberangebote für Bäuerinnen und Bauern gibt, die «Offeni Tür» und den «Beratungsdienst», konnte man mittels dieser Dienstleistungen bisher nur bedingt auf akute Hilferufe reagieren. «Wir haben deshalb vor fünf Wochen für die Bauern im Kanton Zürich ein Notfalltelefon eingerichtet», bestätigt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes.

«Es geht darum, dass Bauern in einer Notsituation zu jeder Zeit einen Ansprechpartner haben»Ferdi Hodel,
Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes

Im Unterschied zu den bestehenden Dienstleistungen in der Schweiz, steht den Zürcher Landwirten unter der Telefonnummer 079 150 32 32 nun erstmals auch ausserhalb der Bürozeiten eine Ansprechperson zur Verfügung. Es gehe darum, dass Bauern, die sich in einer Notsituation befinden und umgehend Hilfe benötigen, «zu jeder Zeit, also 365 Tage im Jahr, einen Ansprechpartner haben und dadurch eine unmittelbare persönliche Unterstützung erhalten», sagt Hodel. «Gerade weil Landwirte nicht dazu tendieren, ihre Probleme an die grosse Glocke zu hängen oder bei finanziellen Nöten umgehend aufs Sozialamt zu rennen, wollten wir mit dem Notfalltelefon ein möglichst niederschwelliges Angebot schaffen.»

Man wolle den Bauern zudem sagen, dass sich niemand wegen seiner Probleme schämen müsse, und dass es immer einen Ausweg aus scheinbar unlösbaren Situationen gebe.

Ansprechpartner beim Notfalltelefon ist der Bündner Agronom Hansueli Lareida. Er steht schon seit vielen Jahren im Dienst des ZBV und stand den Bäuerinnen und Bauern bisher insbesondere auch bei betriebswirtschaftlichen Fragen zur Seite. «Herr Lareida ist mit der Zürcher Landwirtschaft vertraut, kennt die Sorgen und Nöte der Bauern sehr genau und verfügt über eine hohe Sozialkompetenz», sagt Hodel.

Ritter begrüsst Initiative

Obschon noch viele gar nicht wissen, dass es diese Notfallnummer für Landwirte überhaupt gibt, hat Hansueli Lareida zwischenzeitlich bereits mehrere Anrufe von verzweifelten Bauern erhalten. «Oft führte ich ein erstes, längeres Telefonat, dem anschliessend weitere Gespräche folgten», sagt Lareida. Bauernverbandspräsident Ritter begrüsst die Initiative der Zürcher und hofft nun auf Nachahmer in anderen Kantonen. (Der Landbote)

Erstellt: 26.05.2017, 11:42 Uhr

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