Rassendiskriminierung

Neonazi soll Juden bespuckt und angegriffen haben

Ein Zürcher Neonazi steht vor Bezirksgericht, weil er einen orthodoxen Juden attackiert haben soll. Der Angeklagte fordert indes einen Freispruch.

Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte stammt aus dem Umfeld der Neonazis.

Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte stammt aus dem Umfeld der Neonazis. Bild: Teutopress (Symbolbild)

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Am Bezirksgericht Zürich wird derzeit der Fall eines mehrfach vorbestraften Neonazis aus dem Zürcher Oberland behandelt. Der Mann soll im Juli 2015 einen orthodoxen Juden angespuckt, beschimpft und attackiert. Allerdings bestreitet der 30-Jährige seine Tat. Er hat daher am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich einen Freispruch gefordert.

Er habe sich von der Gewalt distanziert und laufe heute sofort weg, wenn er merke, dass die Stimmung kritisch oder aggressiv werde, sagte der Neonazi, der als Sänger der Rechtsrock-Band Amok bekannt wurde. «Ich bin nicht mehr der Gleiche und habe im Gefängnis einen Lebenswandel durchgemacht.»

Der Angeklagte vermutet eine Verwechslung

So habe er denn auch den Polterabend im Juli 2015 verlassen, als er merkte, dass die Stimmung kippte und es interne Streitereien gab. Er habe daher den ganzen Vorfall gar nicht mitbekommen – bis die Polizei ihn aus einem Taxi holte und zurück zur Polterabend-Gruppe brachte.

Der gelernte Metzger bestritt vor Gericht, den orthodoxen Juden bespuckt, beschimpft oder angegriffen zu haben und vermutete eine Verwechslung: Die Leute aus der etwa 20-köpfigen Polterabend-Gruppe seien alle tätowiert gewesen, hätten ungefähr die gleichen Kleider getragen und grimmig ausgesehen.

Sein Verteidiger forderte daher einen Freispruch. Es könne nicht bewiesen werden, dass sein Mandant die Taten durchgeführt habe. Auch die Zeugenaussagen seien nicht klar. «Der Sachverhalt ist damit nicht erstellt und sämtliche Vorwürfe sind zurückzuweisen», sagte er.

Ganz von der Szene verabschiedet hat sich der 30-Jährige übrigens nicht: Er singt noch immer in der Band, die laut Aussagen des Beschuldigten jedes Lied vor der Veröffentlichung von einem Anwalt prüfen lässt. «Die Musik ist mein Ventil, mein Hobby, meine Leidenschaft», sagte er. «Dadurch kann ich ausdrücken, was ich denke.»

Für Staatsanwaltschaft ist er der Hauptäter

Die Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen Rassendiskriminierung und Tätlichkeiten angeklagt. Dafür fordert sie eine unbedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten sowie eine Busse von 1000 Franken.

«Wir werden euch alle vergasen»Der Angeklagte soll einen Juden aufs Übelste beleidigt und bedroht haben.

Zudem sollen frühere Urteile des Kreisgerichts See-Gaster im Kanton St. Gallen und des Gerichtspräsidiums Lenzburg widerrufen werden, da er gegen die Probezeit verstossen habe: Damit müsste er - neben den geforderten 10 Monaten - weitere 18 Monate ins Gefängnis und Geldstrafen bezahlen.

Für die Staatsanwaltschaft, die sich auf Zeugenaussagen stützt, ist klar, dass der Beschuldigte der Haupttäter ist. Er soll anlässlich eines Polterabends in Zürich-Wiedikon einen orthodoxen Juden dreimal bespuckt, ihn verfolgt und ihm «Scheissjude», «Wir werden euch alle vergasen», «Wir schicken euch nach Auschwitz» und «Heil Hitler» nachgerufen haben - mit zum Hitlergruss erhobenen Arm. Er holte den flüchtenden Mann schliesslich ein und wollte ihn gemäss Staatsanwaltschaft schlagen. Dazu kam es aber nicht, da Passanten den Mann, der um Hilfe rief, beschützten.

Die Staatsanwältin sprach von einer primitiven Tat, er sei von niedrigen Beweggründen getrieben und sein Tun lasse sich durch nichts rechtfertigen. «Er wollte in menschenverachtender Weise den Mensch in seinem Kern treffen», sagte sie «und eine Vielzahl von Menschen in Angst und Schrecken versetzen».

Auch zweifelte sie an seiner Läuterung, denn er sei uneinsichtig. «Sein rechtsradikales Gedankengut zusammen mit seinem grossen Aggressionspotenzial sind immer eine Gefahr», sagte sie und stellte ihm eine ungünstige Prognose für die Zukunft aus. Das Gericht will das Urteil heute um 16 Uhr eröffnen.

(huy/SDA)

Erstellt: 13.03.2018, 13:33 Uhr

Der Fall wird heute vor dem Zürcher Bezirksgericht verhandelt.

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