Wahlen

Natalie Rickli hat sich durchgesetzt

Natalie Rickli tritt nächstes Jahr für die SVP zu den Regierungsratswahlen im Kanton Zürich an. Die Delegierten stimmten mit deutlichem Mehr für sie. Ihr Mitbewerber Christian Lucek musste harte Kritik für eine E-Mail einstecken.

Klare Siegerin: Christian Lucek gratuliert Natalie Rickli.

Klare Siegerin: Christian Lucek gratuliert Natalie Rickli. Bild: Keystone

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Am Schluss war es eine klare Sache: Natalie Rickli erhielt 244 von 297 abgegebenen Stimmen. Sie wird damit nächstes Jahr zusammen mit Ernst Stocker, dessen erneute Kandidatur die Delegierten in Illnau ohne Gegenstimme bestätigt haben, zur Regierungsratswahl antreten.

Ricklis Konkurrent, Kantonsrat und Gemeinderat Christian Lucek aus Dänikon, erhielt 53 Stimmen.

Dem Entscheid ging eine lebhafte Debatte voraus, die geprägt war vom Inhalt einer E-Mail, die Lucek am Montag an den Kreis seiner Unterstützer geschickt hatte – und die prompt den Medien zugespielt wurde.

So hat Lucek seinen Unterstützern beispielsweise geraten, der 41-jährigen Rickli Fragen zur Familienplanung zu stellen. Auch eine mögliche Frauenmehrheit im Regierungsrat sollte kritisch hinterfragt werden.

"Es war unbedarft und rückwirkend ein Fehler."Christian Lucek

Lucek entschuldigte sich in seiner Ansprache vor den Delegierten für den «Fauxpas», wehrte sich aber gegen den Vorwurf, dass der Inhalt seiner E-Mail sexistisch sei. «Es war unbedarft und rückblickend ein Fehler», sagte er. Es hätte ihm klar sein müssen, dass einzelne Aussagen falsch verstanden werden könnten.

Er sei aber auch enttäuscht, dass die an einen relativ kleinen Empfängerkreis gerichtete Mail den Weg in die Medien fand. «Die Medien haben ein Interesse daran, uns aufzureiben.»

Einige Delegierte nahmen Lucek in ihren Voten in Schutz – er sei nicht so, wie er nun wegen der Affäre um die E-Mail dargestellt werde. Zudem sei es mutig von ihm, sich als Kandidat zur Verfügung zu stellen.

«Er ist verbrannt»

Insgesamt fiel das Echo zur missglückten Werbung in eigener Sache aber vernichtend aus. «Ich wüsste gerne, was der Grund für ihre Scheidung war», fragte ein Delegierter aus der Stadt Zürich in Anspielung auf Bemerkungen zu Ricklis Zivilstand im «aidememoire» von Lucek.

Roberto Martullo-Blocher kritisierte es als naiv zu glauben, dass eine solche E-Mail nicht in falsche Hände geraten könnte. «Das ist doch blauäugig. Wie soll das gehen, wenn Sie Regierungsrat werden?» Kritik gab es auch an Luceks Medienschelte, das sei ein Abschieben der Verantwortung.

"Ich wüsste nicht, wie ich mit Christian Lucek in den Wahkampf ziehen sollte."Alfred Heer, Wahlkampfleiter SVP

Die wohl inhaltlich schwerwiegendste Bemerkung kam aber von Nationalrat Alfred Heer, dem Wahlkampfleiter der SVP Zürich für die kommenden Wahlen: «Christian Lucek ist ein guter Mann. Trotzdem muss ich sagen, dass er jetzt verbrannt ist. Ich wüsste nicht, wie ich mit ihm in den Wahlkampf ziehen sollte. Mit dieser Vorgeschichte wäre es schwierig, einen Wahlkampf positiv zu gestalten.»

Rickli ging in ihrem Votum vor dem Entscheid der Delegierten nicht näher auf die Geschichte ein, sondern sprach Themen an, die ihr wichtig sind: Freiheit für Einzelne, Wirtschaftsfreiheit, Sicherheit, Verkehrsinfrastruktur. Eine eher unspektakuläre Zusammenfassung des Parteiprogramms. Ihre Kandidatur will sie unter den Slogan «Zusammen für mehr SVP» stellen.

Auf die Frage einer Delegierten, in welcher Direktion sie den grössten Handlungsbedarf sieht, antwortete sie mit der Justizdirektion, die derzeit von Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) geführt wird. Verbesserungspotenzial sieht sie etwa im Justizvollzug. Und auch die von Fehr bereits geforderte staatliche Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften sieht sie kritisch.

«Wir brauchen Lucek noch»

Etwas Trost gab es von Rickli – aber erst in ihren Schlussworten, nachdem das Resultat der Abstimmung zu ihren Gunsten bekannt war. Sie habe sich mit Lucek bereits gestern Morgen ausgesprochen. «Ich finde, wir sollten die Sache jetzt ruhen lassen – wir brauchen Christian Lucek nämlich noch. Er soll nächstes Jahr in den Kantonsrat wiedergewählt werden.»

Der erste Wahlgang für die sieben Zürcher Regierungsratssitze findet am 24. März 2019 statt. Bei der SVP tritt Baudirektor Markus Kägi nicht mehr an, bei der FDP verzichtet Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger auf eine erneute Kandidatur. Auch die FDP will ihren frei werdenden zweiten Sitz halten. Mit wem, wird am 4. Oktober entschieden. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 11.09.2018, 23:32 Uhr

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