Berg am Irchel

Nachbars Garten als Katzenklo – Halter sollen ihre Vierbeiner sensibilisieren

Katzen koten in fremde Gärten – in Berg am Irchel im Flaachtal ist das Problem seit Längerem so gross, dass der Gemeinderat im Mitteilungsblatt einen Aufruf platziert hat.

Eine Hauskatze verrichtet ihr Geschäft in einem Katzenkistli – statt draussen in Nachbars Gartenbeet.

Eine Hauskatze verrichtet ihr Geschäft in einem Katzenkistli – statt draussen in Nachbars Gartenbeet. Bild: Keystone

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Fein krümelig ist die Erde, Rüebli und Radieschen sind gesät und schön eben ist das Gartenbeet. Da kommt Nachbars Katze, scharrt ein Loch ins Beet und verrichtet darin ihr Geschäft.Eine Szene, wie sie wohl jeder Hobbygärtner kennt. Auch in der Weinländer Gemeinde Berg am Irchel im Flaachtal ist Katzenkot offenbar seit Längerem schon ein Thema. Darum hat der Gemeinderat im «Grüezi», dem Mitteilungsblatt, eine Bitte an die Katzenhalter platziert.

Aus dem Mitteilungsblatt «Grüezi». Bild: Screenshot

Hinweise aus der Bevölkerung hätten ergeben, dass seit Jahren Katzen in fremden Gärten ihre Notdurft verrichteten: «Der Missbrauch als Katzenklo und die Geruchsbelästigung werden immer stärker.» Darum bittet die Behörde die Katzenhalter, «ihre Tiere – soweit möglich – zu sensibilisieren und besser unter Kontrolle zu halten». Der Gemeinderat dankt für die Bemühungen.

Problem «sehr bekannt»

Aber geht das überhaupt? Lassen sich Hauskatzen dahingehend sensibilisieren, nicht in Gärten zu koten? Der «Landbote» hat beim Zürcher Tierschutz nachgefragt. Sie sei sich sicher, sagt Nadja Brodmann, Zoologin und Mitglied der Geschäftsleitung, dass es das Problem nicht nur in der Gemeinde Berg am Irchel gebe. «Aber das ist nun wirklich die einzige Gemeinde, von der ich so etwas bisher vernommen habe.» Das Problem aber sei dem Zürcher Tierschutz sehr bekannt. «Wir haben viele Anfragen dazu und vor allem auch Hilferufe, was wegen Nachbars Katze unternommen werden könne.» Es gebe verschiedene Tipps, wie man Katzen umgewöhnen respektive teilweise davon abhalten könne, sich in Gartenbeeten zu versäubern. Aber: So richtig erziehen wie Hunde liessen sich Katzen nicht. Es brauche also auch eine gewisse Toleranz unter Nachbarn, sagt Brodmann.

«Der Missbrauch als Katzenklo und die Geruchsbelästigung werden immer stärker.»Gemeinderat Berg am Irchel

Rechtlich gesehen sei die Situation ganz klar so, dass niemand für das Versäubern der Katzen in fremden Gärten oder dergleichen haftbar gemacht werden könne. Dies, weil Katzen eben nicht als erziehbar gelten würden, oft eigensinnig seien und auch individuell sehr verschiedene Charaktere hätten. Zudem sei es gerade bei hoher Katzendichte auch schwer nachweisbar, welche Katze nun wo, welches Geschäft verrichtet habe. Vor allem Kater würden Gebiete von über 20 Hektaren durchstreifen.

Katzenhalter sensibilisieren

Zurück zu den Tipps: «Erziehen kann man eine Katze nicht, aber ans Kistli gewöhnen», sagt Brodmann. Auch könne man den Auslauf des Tiers zeitlich einschränken, um die Wahrscheinlichkeit des Kotens «an falschen Orten» zu minimieren. «Wenn die Gemeinde das meint mit sensibilisieren, dann stimmt es tatsächlich.» Eine Kontrolle der Katzen im Freien sei aber praktisch unmöglich. «Somit müssten eher die Katzenhalterinnen und Katzenhalter sensibilisiert werden, dass sie sich vermehrt dieses Problems annehmen.»

Aber wie gewöhnt man Katzen ans Kistli? Von klein auf müssen genügend Kistli vorhanden sein. In der ersten Zeit werde die Katzenmutter oft bei den Jungen sein und als Vorbild dienen. «Katzen sind von Natur aus sehr reinlich.» Auch bei ausgewachsenen Katzen sollten Kistlis immer vorhanden sein. Und zwar stets eines mehr als Katzen gehalten werden und möglichst weit weg vom Fressplatz. Es sei zudem wichtig, sagt Brodmann weiter, dass die Katzenkistli mindestens zweimal pro Tag geleert werden, genug Sand vorhanden ist und kein parfümierter Sand verwendet wird. «Das irritiert die Katzen mit ihrem hoch entwickelten Riechorgan.»

«Katzen koten bevorzugt dort, wo sie auch gut scharren können.»Nadja Brodmann, Zoologin, Zürcher Tierschutz

Stinkende Kistli werden von den Tieren gemieden. Geschlossene Kistli sind nicht geeignet – «Katzen koten von Natur aus nicht in Höhlen». Sinnvoller sind hohe Seitenwände, um das Verstreuen des Sandes zu verhindern. «Diese werden von den Katzen leicht übersprungen.» Das Einrichten und Sauberhalten der Katzenkistli bedeutet Zeitaufwand und Kosten: «Es ist natürlich viel einfacher, die Katzen einfach rauszulassen und damit ist das Problem aus den Augen.» Aber wenn die Kotentsorgung Hundehaltern zugemutet werde, «dann müssen auch Katzenhalter ihre Verantwortung wahrnehmen», findet Brodmann.

Scharren verhindern

Die meisten Katzen müssen nach der Fütterung ihr Geschäft verrichten. «Das Fressen regt die Verdauung an.» Daher wird Katzen am besten nach den Hauptfütterungszeiten der Auslauf eine Zeit lang verwehrt – zum Beispiel am Morgen zwischen Aufstehen und Weggehen und am Abend zwischen Heimkommen und Zubettgehen. «Meist genügt es, wenn der Auslauf für eine Stunde, oder bis die Katze im Kistli war, verwehrt wird», rät Brodmann.

Und schliesslich hat die Zoologin auch noch Tipps für Hobbygärtner. So gibt es zum Beispiel Ultraschallgeräte, um Katzen von den Beeten zu vertreiben. Auch ein Netz oder aufs Beet gelegte Äste verhindern das Scharren der Katzen in der Erde. «Den gleichen Zweck erfüllen auch viele kleine Stecken, die senkrecht in die unbedeckte Erde gesteckt werden, oder etwas grössere Steine zwischen den Pflanzen.» Denn Katzen koten bevorzugt dort, «wo sie auch gut scharren können». (Landbote)

Erstellt: 11.10.2018, 15:52 Uhr

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