Zürich

Martin Bäumle – verkörpert die Grünliberalen

Das Leben des Nationalrats, Parteipräsidenten und Dübendorfer Stadtrats dreht sich um Politik. Martin Bäumle ist ein Homo politicus.

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Wo steht Martin Bäumle ­innerhalb der eigenen Partei?
Er verkörpert die Grünliberale Partei. 2004 hat er nach der Niederlage im Kampf ums Kantonalpräsidium der Grünen zusammen mit Verena Diener die Zürcher Kantonalpartei gegründet. 2007 folgte die Gründung der nationalen Partei, deren Präsident Bäumle nach wie vor ist.

Welche Politerfahrung bringt er mit und wie ist er vernetzt?
Der 51-jährige Bäumle schaut auf eine lange politische Laufbahn auf allen Ebenen zurück. An ­seinem Wohnort Dübendorf wählten die Stimmberechtigten Bäumle 1990 für die Gruppe Ener­gie­ und Umwelt ins Gemeindeparlament. Dort politisierte er, bis er 1998 den Sprung in den Stadtrat (Exekutive) schaffte. Seither amtet Bäumle als Finanzvorstand und hat sich als Sparpolitiker einen Namen gemacht. Von 1987 bis 1995 und 1999 bis 2004 sass er für die Grünen im Kantonsrat. Seit 2003 steht Bäumle auf der eidgenössischen Bühne im Nationalrat. Zunächst für die Grünen und nach der Parteiabspaltung für die Grünliberalen. Bäumle ist nicht bloss ein erfahrener Exekutiv- und Legislativpolitiker, er kennt sich auch in der Parteiarbeit aus. Bäumle ist im Politbetrieb gut vernetzt.

Wie kommt der Kandidat bei den anderen Parteien an?
Manchmal wirkt Bäumle etwas stur und eigensinnig. Er gilt aber auch als dossiersicher und kompetent. Als Parteipräsident ist er massgeblich mitverantwortlich für die Listenverbindungen, die seine Partei eingegangen ist. Durch die Verbindung mit Ecopop beispielsweise ist Bäumle bei anderen Parteien angeeckt. Auf kurze Sicht bringen Listenverbindungen Erfolg. Das hat sich bei den Wahlen 2011 gezeigt, als die GLP sechs ihrer zwölf Nationalratsmandate den Listenverbindungen zu verdanken hatte. Längerfristig könnte das Image Schaden nehmen, wenn man nur auf die Arithmetik schaut.

Ist der Politiker volksnah?
Der Naturwissenschaftler hat eine Art, die gut beim Publikum ankommt. Bäumle ist bodenständig und seine Sprache ist gut verständlich. Wäre Bäumle abgehoben, hätte seine Partei keine derartige Erfolgsgeschichte geschrieben.

Welches Kernanliegen vertritt der Kandidat?
Seine Kernanliegen sind identisch mit dem Parteiprogramm der Grünliberalen: Bäumle will sich einsetzen für den konsequenten Schutz von Umwelt und Natur und für eine liberale Wirtschaft und Gesellschaft. In der Umweltpolitik steht für ihn die Ener­gie­wende im Vordergrund. In der Wirtschaftspolitik fordert der Grünliberale weniger Auflagen für die Unternehmen. Bäumle strebt zudem wenig Schulden und tiefe Steuern an.

Was hat Bäumle bisher ­politisch bewegt?
Sein politischer Coup ist die Gründung der Grünliberalen. Bäumle hat eine Partei mit klarem Profil geschaffen: grün und bürgerlich. Er bietet bürgerlich denkenden Menschen, die sich für die Umwelt einsetzen wollen, eine Alternative zur links stehenden Grünen Partei. Bäumle gilt als Mitinitiator des Innovationsparks. Auf Bundesebene fällt der Grünliberale nicht als eifriger Vorstossproduzent auf. Nach eigenem Bekunden wirkt er in den Kommissionen und prägt dort verschiedene Vorlagen. Ein Tolggen in seinem Reinheft ist die GLP-In­itia­ti­ve Ener­gie­- statt Mehrwertsteuer, die vom Stimmvolk dieses Jahr mit über 90 Prozent Nein-Stimmen verworfen wurde. Bäumle hatte das Geschäft innerhalb der GLP gegen parteiinternen Widerstand durchgeboxt.

Welche Interessenbindungen weist er auf?
Martin Bäumle ist unter anderem Mitglied des Verwaltungsrats der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Er präsidiert den Stiftungsrat des Hilfswerks Green Cross Schweiz und er sitzt im Vorstand oder Beirat von verschiedenen weiteren Stiftungen und Verbänden meist aus dem Wissenschaftsbereich.

Wie steht es um seine ­Wahlchancen?
Bäumles Partei hat bei den letzten Nationalratswahlen einen Wähleranteil von gut 5 Prozent erreicht. Das Wahlresultat auf kantonaler Ebene im Frühling lässt nichts Gutes ahnen. Bäumle muss weit über seine Partei hinaus Stimmen holen. Der eine oder andere bürgerlich denkende Wähler wird neben Ruedi Noser eher Bäumle als den SVP-Kandidaten auf den Wahlzettel schreiben. Ob er im links-grünen Lager punkten kann, bleibt abzuwarten. Bei all seiner Sachkompetenz fehlt ihm doch das Charisma von Verena Diener, die er beerben will.

Wie viel eigenes Geld steckt Bäumle in den Wahlkampf?
30 000 bis 50 000 Franken.

Erstellt: 02.10.2015, 14:06 Uhr

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