Analyse

Maja Ingold – Vertreterin der sozialen Mitte

Geht es um soziale Sicherheit, Gesundheitspolitik und Renten, bringt sich Maja Ingold besonders gerne ein. Weniger behagen ihr Wahlkämpfe – Standaktionen am wenigsten.

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Wo steht Maja Ingold innerhalb der eigenen Partei?
Zusammen mit der Bernerin Marianne Streiff-Feller bildet Maja Ingold das EVP-Duo im Nationalrat. Als eine von nur zwei Vertreterinnen in der grossen Kammer hat sie innerhalb der Partei einen grossen Stellenwert und ist als Ansprechpartnerin gefragt. In den meisten Fragen deckt sich ihre Haltung mit der Linie der Partei. Sie gilt jedoch als eher weniger wertkonservativ als die Mehrheit der EVP-Mitglieder und vertritt daher auch nicht in allen Belangen deren Meinung.

Welche Politerfahrung bringt sie mit und wie ist sie politisch vernetzt?
Ihr erstes politisches Amt hatte Maja Ingold 1986 bis 1997 in der Kirchenpflege Oberwinterthur, davon fünf Jahre als Präsidentin. 1997 bis 2002 war sie Mitglied im Grossen Gemeinderat Winterthur und danach bis 2010 Mitglied der Exekutive. Als Stadträtin stand sie dem Departement Soziales vor und präsidierte die Fürsorge- und Vormundschaftsbehörde. Zudem war sie 2000 bis 2002 Mitglied im Verfassungsrat des Kantons Zürich, 2007 bis 2010 Präsidentin der Jugendkommission Bezirk Winterthur und 2007 bis 2011 Spitalrätin im Kantonsspital Winterthur. Seit Mai 2010 ist sie im Nationalrat und wirkt dort in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit mit. Durch ihre politische Position etwas links der Mitte – sie nennt sie die soziale Mitte – pflegt sie Kontakte zu allen Parteien. Ihr Engagement für den Naturschutz und erneuerbare Ener­gie­n verbindet sie mit der linken Ratsseite. Da sie sich gleichzeitig für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen einsetzt, ist sie aber auch mit bürgerlichen Politikern und Unternehmern gut vernetzt.

Wie kommt die Kandidatin bei den anderen Parteien an?
Aufgrund ihrer politischen Ausrichtung geniesst sie vor allem bei der SP und den Grünen Sympathien. Mit nur zwei Stimmen ist die EVP allerdings kein gewichtiger Partner und wird auch nicht immer ernst genommen. Dennoch konnte die Partei das eine oder andere Mal das Zünglein an der Waage spielen.

Ist die Politikerin volksnah?
Maja Ingold ist eine Sachpolitikerin, die sich in Debatten bestimmt, aber unaufgeregt einbringt. Populismus, Provokationen oder Effekthascherei sind nicht ihr Ding. Wahlkampf zu betreiben, ist für sie eher Pflicht denn Lust. Am wenigsten mag sie Standaktionen. «Ich kann mich nicht gut verkaufen», sagt sie dazu und gesteht, dass sie diese Form des Wahlkampfs für wenig wirkungsvoll hält und selbst oft einen Bogen um Standaktionen macht.

Welches Kernanliegen vertritt die 67-Jährige?
Neben ener­gie­- und gesundheitspolitischen Anliegen sind ihr eine generationenverträgliche Altersvorsorge und ein starker Sozialstaat wichtig. Ihrer Ansicht nach lässt sich dieser aber nur durch eine gut funktionierende Wirtschaft finanzieren. Den Unternehmen sollen deshalb gute Rahmenbedingungen geboten werden.

Was hat die Nationalrätin bisher politisch bewegt?
Maja Ingold gilt als die Politikerin, die den IV-Kompromiss erfand. Dieser sah vor, dass zunächst die Auswirkungen der künftigen IV-Revisionen abgewartet werden, bevor man die Renten auf Vorrat kürzt. Letztlich scheiterte jedoch die IV-Revision. Eine Mehrheit im Rat fand dagegen ihr «Aktionsplan zur Suizidprävention».

Welche Interessenbindungen hat sie?
Maja Ingold ist Präsidentin der Schweizerischen Stiftung zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (IKS), Vizepräsidentin des Schweizerischen Vogelschutzes SVS/Birdlife, Stiftungsrätin der Entwick­lungsorgani- sation Brot für alle und Präsidentin von Awepa Schweiz, einer Nichtregierungsorganisation, die seit 30 Jahren afrikanische Parlamente unterstützt.

Wie steht es um die Wahl­chancen der Kandidatin?
Als Vertreterin einer kleinen Mittepartei hat sie kaum Chancen auf einen der beiden Zürcher Sitze im Ständerat. Für Maja Ingold ist die Kandidatur aber ein Mittel, um durch die Auftritte an Podien und anderen Wahlveranstaltungen genügend Stimmen für ihre Wiederwahl in den Nationalrat zu sammeln.

Wie viel eigenes Geld steckt die Kandidatin in den Wahlkampf?
Rund 40?000 Franken bezahlt Maja Ingold aus der eigenen Tasche. Ihre Partei finanziert zudem diverse Werbemittel, die auch die Kandidatur der Winterthurerin berücksichtigen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 06.10.2015, 15:29 Uhr

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