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Letzte Szenen aus dem Movie

Das Inventar des Restaurants Movie am Beatenplatz wird liquidiert. Zum Auftakt strömten gestern zahlreiche Gastrounternehmer ins ehemalige Kultrestaurant.

Eine Menschentraube steht vor dem «Movie» an. Um 10 Uhr beginnt die Liquidation.
Eine Menschentraube steht vor dem «Movie» an. Um 10 Uhr beginnt die Liquidation.
Marc Dahinden
Beliebtes Erinnerungsstück: Filmschachteln dienten im «Movie» als Speisekarten.
Beliebtes Erinnerungsstück: Filmschachteln dienten im «Movie» als Speisekarten.
Marc Dahinden
Die Freiheitsstatue aus Holz schaut säuerlich drein.
Die Freiheitsstatue aus Holz schaut säuerlich drein.
Marc Dahinden
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Kurz vor 10 Uhr hat sich eine Menschentraube vor dem Movie am Zürcher Beatenplatz gebildet. Etwa 80 Personen warten auf Einlass. Einige haben sich bereits die Nasen an den Scheiben plattgedrückt, um von aussen einen Blick ins Innere zu werfen. Es herrscht Goldgräberstimmung.

Als sich die Tür öffnet, geht es schnell. Die Vordersten halten sich nicht lange in der vormaligen Gaststube auf. Sie steuern direkt auf die Küche zu. Da sind Gastroprofis am Werk. Es geht um teures Küchengerät, das man an der Liquidation des Restaurants für einen Bruchteil des Neupreises erstehen kann.

Filmstars betrübt – Freiheitsstatue säuerlich

Wer aus Nostalgiegründen gekommen ist, hat mehr Musse. Für fünf Franken ersteht der ehemalige Stammgast eine Speisekarte. Es handelt sich um eine runde, blecherne Filmschachtel mit etwa 40 Zentimeter Durchmesser. Die kleinere Version gibt es für zwei Franken. Sie diente als Behältnis für die Rechnung.

Grosser Andrang auf unterschiedlichste Restaurant-Utensilien und Trouvaillen. Video: Marco Huwyler

Tische sind vollgestellt mit Salzstreuern, Espressotassen, Tellern und Gläsern. Für 40 Franken kann man hölzerne Horgen-glarus-Stühle erstehen, für ein paar Hundert Franken gehen die Beizentische mit den massiven Beinen aus Gusseisen weg. Ein Stammgast kauft sich für 290 Franken eine Filmbeleuchtung. An den Wänden hängen gerahmte Fotografien von Filmgrössen – vornehmlich aus der Schwarzweiss-Ära. Von den Fotografien lächeln Stars wie Lana Turner, Lauren Bacall und Alfred Hitchcock. Doch halt: Lächeln sie wirklich? Ihre Mienen scheinen eher betrübt. Auch die rund drei Meter hohe Freiheitsstatue aus Holz schaut – möglicherweise aus anderen Gründen – säuerlich drein.

Movie schliesst – Immobilie wird totalsaniert

Für den Movie-Fan ist der Anlass ein trauriger. Das beliebte Restaurant musste Ende Oktober nach 24 Jahren schliessen. Die Liegenschaftenbesitzerin PSP Swiss Property AG – eine Abspaltung des Zurich-Versicherungs-Konzerns – will die Liegenschaft totalsanieren. Sie hat den Mietvertrag mit Pächter Nicolas Kern deshalb nicht verlängert.

Gehetzte Profis – gemächliche Fans

Zu den Movie-Habitués zähltSimone Hess aus Regensdorf. «Es ist schade, dass das Movie schliessen muss», sagt sie. Sie sei häufig hier gewesen und habe die Atmosphäre und die freundlichen Leute geschätzt. Als Erinnerungsstück sucht Hess eine Lampe und findet schliesslich einen Deckenventilator. Nun wird ebendieser ihr neues Wohnzimmer schmücken. Auch Studentin Sophie verbindet schöne Erinnerungen mit dem Movie. «Ich habe hier meinen 20. Geburtstag gefeiert», sagt sie. Nun will die filmbegeisterte Frau ihre Wohnung etwas umgestalten.

András Németh betreibt die Bar «Vom Fischer & syner Fru» im Viadukt. Für die grossen Küchengeräte ist er zu spät gekommen, weil er sich im Eingangsbereich ein Möbel genauer angeschaut hat. Er hat aber immerhin 20 Gartenstühle und Kleinware für die Küche ergattert.

Ein Glückspilz ist Sandro Loretan, der in Leukerbad die Eselbar führt. Ein Newsletter von Liquidator Bernhard Kunz hat ihn auf den Anlass aufmerksam gemacht. Loretan ist am Vorabend aus dem Wallis angereist. Das grosse Küchengerät hat ihm zwar ein anderer vor der Nase weggeschnappt, er schiebt aber freudig ein mobiles Waschbecken aus Edelstahl vor sich her.

Das Gerät mit Durchlauferhitzer kostet neu 2100 Franken. Loretan bezahlt nun 300. «So viel habe ich noch nie verdient an einem Tag», sagt er. Auf diese Weise erhält mancher Gegenstand aus dem Movie ein zweites Leben in einem anderen Restaurant oder wird Teil einer Nostalgie-Ecke in einer Privatwohnung. Das könnte zumindest die Stars auf den Fotos etwas aufheitern.

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