St. Gallen

Lehrling wollte Chef mit Sturmgewehr unter Druck setzen

Vielleicht wäre ein Gespräch mit dem Chef die bessere Wahl gewesen: Ein junger Mann wollte seinen Lehrvertrag auflösen und wollte deshalb mit einer Waffe in seinem Lehrbetrieb auftauchen. Eine Whatsapp-Nachricht stoppte seinen Plan.

Bevor der junge Mann in einem Lehrbetrieb auftauchen konnte, stoppte ihn die Polizei in einer Poststelle.

Bevor der junge Mann in einem Lehrbetrieb auftauchen konnte, stoppte ihn die Polizei in einer Poststelle. Bild: Symbolbild/Keystone

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Er wollte mit einer Armeewaffe Eindruck machen. Dieser Versuch ist einem jungen Mann aus der Region Wil ziemlich missraten. Trotzdem kommt er, strafrechtlich gesehen, mit einem blauen Auge davon. Die Geschichte ist ebenso kurios, wie erschreckend.An einem Februartag in diesem Jahr teilte der Beschuldigte einem Arbeitskollegen per WhatsApp mit, dass er am Nachmittag mit einer Waffe in seinem Lehrbetrieb auftauchen würde. Der 23-jährige wollte beim Chef Druck ausüben, damit dieser den Lehrvertrag auflöst und einen Aufhebungsvertrag unterschreibt. «In der Folge lud der sein Sturmgewehr 90 unter die Kofferraumabdeckung seines Personenwagens, wobei das zugehörige Magazin eingesetzt und mit zwei Gewehrpatronen abgespitzt war», schreibt die Staatsanwaltschaft St. Gallen im Strafbefehl gegen den Fürstenländer. Die Patronen hatte der junge Mann während seines Militärdienstes entwendet.

Der 23-Jährige fuhr jedoch nicht direkt in die Autogarage seines Chefs, sondern hielt erst auf dem Polizeiposten der Stadt Wil an. Dort erkundigte er sich nach einem Strafregisterauszug. Seine Absicht: Mit dem Strafregisterauszug könnte er legal Munition für sein Sturmgewehr erwerben. Die Beamten erklärten dem Mann, er müsse den Strafregisterauszug auf der Post bestellen. Dorthin fuhr der Beschuldigte denn auch sofort. Inzwischen wurde allerdings auch die Polizei alarmiert. Arbeitskollegen meldeten die Ankündigung des 23-jährigen. Im Wissen, dass der Mann auf dem Weg zur Post war, konnten die Polizisten ihn sogleich dort anhalten. Er konnte deshalb seinen Plan, mit der Waffe im Lehrbetrieb aufzutauchen, nicht in die Tat umsetzen. Für den Transport des Sturmgewehres verfügte er weder über eine Bewilligung, noch lag ein militärischer Zweck vor, der den Transport des Sturmgewehres zulässig gemacht hätte. Nach dem Vorfall wurde der Mann drei Tage in Untersuchungshaft gebracht.

Der 23-Jährige, der nach dem Vorfall zur Zeit ohne Arbeit ist, muss eine Busse von 1800 Franken, sowie Gebühren und Auslagen von 800 Franken bezahlen. Die Geldstrafe von 3000 Franken wird bedingt ausgesprochen. Das Verfahren gegen ihn wurde per Strafbefehl, also ohne Gerichtsverfahren geführt. Ihm wird unter anderem eine Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie die Verschleuderung von Armeematerial vorgeworfen. Der Beschuldigte ist bereits wegen einer groben Verletzung der Verkehrsregeln vorbestraft, die damals festgelegte Probezeit von zwei Jahren ist allerdings zwischenzeitlich bereits abgelaufen. Der Strafbefehl gegen den jungen Fürstenländer ist rechtskräftig. Weshalb er den Plan mit der Waffe ausheckte, geht aus dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft nicht hervor.

Die Waffe ist weg

Bei der Armee hat man Kenntnis über den Vorfall. Die persönliche Waffe wurde dem ehemaligen Durchdiener, welcher seine Militär-Dienstleistung vollumfänglich abgeschlossen hat, bereits durch die Polizei abgenommen. «Eine Rückgabe kommt unter den gegebenen Voraussetzungen nicht in Frage», erklärt Armeesprecher Daniel Reist. «Zwar ist der Betroffene derzeit noch in der Armee eingeteilt, allerdings laufen seit Ende März 2018 Abklärungen bezüglich dessen Tauglichkeit.» Sollte der junge Mann wider Erwarten trotzdem noch diensttauglich sein, werde die Armee eine Personensicherheitsprüfung anordnen und das weitere Vorgehen nach Vorliegen des Ergebnisses dieser Abklärungen festlegen, betont Reist weiter.

Der Armeesprecher fügt an, der Schutz von Personen habe oberste Priorität: «Der Missbrauch von Waffen und Munition – aber auch andere Vergehen und Verbrechen – werden nicht geduldet.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.04.2018, 17:21 Uhr

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