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Lärmschutz – miese Noten für Kanton Zürich

Im Kanton Zürich jeder Fünfte übermässig von Strassenlärm betroffen. Laut einer Bundesvorgabe müssten sie spätestens seit März 2018 geschützt sein. Ein aktuell publizierter Bericht zeigt, dass nur zwei Prozent des Ziels erreicht sind.

Im Kanton Zürich waren bisher Lärmschutzwände und Schallschutzfenster die gängigsten Massnahmen gegen übermässigen Strassenlärm. Effizienter wären Tempo 30 und lärmarme Strassenbeläge.
Im Kanton Zürich waren bisher Lärmschutzwände und Schallschutzfenster die gängigsten Massnahmen gegen übermässigen Strassenlärm. Effizienter wären Tempo 30 und lärmarme Strassenbeläge.
Themenbild Keystone

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat diese Woche unter dem Titel «Sanierung Strassenlärm» einen Bericht publiziert. Er gibt den Stand der Sanierungen per Ende 2018 wieder.

Das BAFU bezeichnet die heutige Situation als «besorgniserregend». Schweizweit sei über eine Million Menschen am Wohnort von übermässigem Strassenlärm betroffen. Der Lärm macht nicht nur krank, er führt auch zu Werteverlusten bei Immobilien. Das BAFU beziffert die jährlichen externen Kosten auf zwei Milliarden Franken.

Für die Sanierung wären Ausgaben von sechs Milliarden Franken notwendig. 3,8 Milliarden oder nahezu zwei Drittel der Sanierungskosten entfallen auf die Nationalstrassen. Der Rest auf die Haupt- und übrigen Strassen. Ursprünglich hätten die Massnahmen bereits bis 2003 umgesetzt werden müssen. Die Frist wurde dann bis März 2018 verlängert.

Was den Stand der Sanierung bei den Haupt- und übrigen Strassen angeht, hat der Kanton Zürich neben Bern und Aarau bisher am meisten investiert. Konkret sind das Investitionen für 145 Millionen Franken, die bereits abgeschlossen oder in Ausführung sind. Die Gesamtkosten im Kanton Zürich belaufen sich auf knapp 300 Millionen Franken.

Wenige Massnahmen an der Lärmquelle

Der Löwenanteil – 129,6 Millionen Franken – wurde im Kanton Zürich für Lärmschutzwände und Schallschutzfenster eingesetzt. Ein Bruchteil davon für Massnahmen, die an der Quelle des Lärms einsetzen: 4,4 Millionen für lärmarme Beläge und 0,5 Millionen Franken für Geschwindigkeitsreduktionen und Verkehrsberuhigung.

Ernüchternd ist die Zahl der Personen, die im Kanton Zürich laut BAFU-Bericht bis Ende 2018 vor übermässigem Lärm geschützt waren; gerade mal 6900 von 337900 die es zu schützen gilt, das sind lediglich zwei Prozent. Dies trotz der relativ hohen Investitionen.

Das BAFU hält fest, dass Lärmschutzwände und -dämme in der Regel teurer seien als Massnahmen an der Quelle. Die Zahl geschützter Personen pro Kanton korreliere denn auch mit dem Anteil der Mittel, die für solche Massnahmen eingesetzt werden.

Die kantonale Baudirektion hält den Vergleich mit anderen Kantonen für unfair. Als grösster Kanton der Schweiz habe Zürich auch mit Abstand am meisten Strassenverkehr.

Lärmarme Beläge sind weniger dauerhaft

Tatsächlich seien bisher nur wenige Lärmschutzmassnahmen an der Quelle realisiert worden. «Die neuen Typen von lärmarmen Belägen wurden aufgrund ihrer kürzeren Lebensdauer noch nicht in Betracht gezogen», schreibt die Medienstelle der Baudirektion. Der Belag müsste rascher ausgewechselt werden, was zu noch mehr Baustellen führen würde. «Das würde sich im verkehrsreichen Kanton Zürich extrem auswirken.»

Geschwindigkeitsreduktionen auf Kantonsstrassen habe man bisher zur Reduktion der Lärmbelastung nicht angewendet.

Das könnte sich künftig ändern, wie Baudirektor Martin Neukom (Grüne) vor einigen Tagen in einem Radiointerview sagte. Demnach seien zahlreiche Dorfkerne belastet und man könne nicht überall Umfahrungen bauen.

Tempo 30 auch auf Durchfahrtsstrassen?

Eine Variante wäre laut Neukom, auch auf kantonalen Durchfahrtsstrassen Tempo 30 zu signalisieren. Und zwar nicht generell, sondern an einzelnen Stellen für 300 bis 400 Meter. Immerhin würde eine Temporeduktion von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde den Lärm halbieren.

«Wir sprechen nicht von einer kompletten Wende in der Verkehrspolitik», sagte Neukom, der auch mehr Rücksicht auf die Wünsche der betroffenen Gemeinden nehmen will.

Im Regierungsrat habe man Tempo 30 noch nicht zu Ende diskutiert und auch der Kantonsrat habe da selbstverständlich mitzureden. Gerade kürzlich ist ein Postulat zu Tempo 30 eingereicht worden (wir berichteten).

Neukom verwies im Interview zudem auf neue Bundesgerichtsentscheide. Demnach sei Tempo 30 aus Lärmschutzgründen zulässig. Neukom sagte, er rechne mit «heftigen Diskussionen». Die Befürchtungen, Temporeduktionen könnten der Wirtschaft schaden, versuchte er indes zu entkräften. Auf einer Strecke von 100 Metern würde Tempo 30 statt 50 lediglich zu einer Verzögerung von zwei Sekunden führen.

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