Konzert

«Künstler müssen Grenzen ausloten»

Helmut Lotti ist ein Wanderer zwischen den Welten. Seit über 25 Jahren überwindet er als Musikbotschafter erfolgreich sämtliche Genre- und Kulturgrenzen. Am 27. Februar gastiert er mit dem Golden Symphonic Orchestra in Zürich.

Helmut Lotti und sein Golden Symphonic Orchestra präsentieren Soulklassiker – die Musik der Liebe.

Helmut Lotti und sein Golden Symphonic Orchestra präsentieren Soulklassiker – die Musik der Liebe. Bild: Gwenny Eeckels

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Helmut Lotti, mit bürgerlichem Namen heissen Sie sehr wohlklingend: Helmut Barthold Johannes Alma Lotigiers. Die Angestellte einer Plattenfirma hat daraus Ihren Künstlernamen Helmut Lotti gemacht ...
Lotigiers kann keiner aussprechen, deshalb.

Sie stammen aus einem musikalischen Elternhaus: der Vater Sänger und der Grossvater künstlerischer Direktor der Oper Gent (Belgien). Ihre Karriere haben Sie aber mit Popsongs begonnen ...
Ich war Elvis-Fan, meine Karriere hat mit seiner Musik angefangen. Und jene Frau, die mich Lotti nannte, wollte mich unter Vertrag nehmen, aber nur, wenn ich Niederländisch singe. Eine bekannte belgische TV-Sendung, in welcher alle Niederländisch (eine Reihe von Sprachformen in Belgien, umgangssprachlich auch Flämisch genannt) sangen, löste eine Schlager-Pop-Welle aus. Folglich habe ich zwei solcher Alben besungen.

Es folgten englische Platten, bis Sie die Klassik eingeholt hat und Sie mit namhaften Orchestern zusammengearbeitet haben. Daraus resultierte u. a. die «Goes Classic»-Reihe. War es ein bewusster Schritt, diesen musikalischen Weg weiterzugehen?
Erst habe ich flämische Lieder übersetzt und bekam dafür meine erste Platinauszeichnung. Auf dem vierten Album waren Eigenkompositionen zu hören, und dafür gab es Gold. Es war Zufall. Ich sang das Lied «Caruso» (von Lucio Dalla), welches vor allem in der Version von Luciano Pavarotti ein Hit war. Das kam bei den Zuhörenden dermassen gut an, dass mein Manager fand, wir sollten ein klassisches Album aufnehmen.

In den Folgejahren haben Sie neue musikalische Genres ausgelotet z. B. die Musik Afrikas, Latin, Klassiker des Pop, russische Volkslieder, Swing oder Bigbandsound. Sind Sie gerne wandelbar, reizen Sie Herausforderungen?
Künstler müssen versuchen, musikalische Grenzen auszuloten.

Sie haben mit vielen namhaften Künstlern zusammengearbeitet: Montserrat Caballé, Cliff Richard, Sarah Brightman, Plácido Domingo oder Eros Ramazzotti, um nur wenige zu nennen. Welche Begegnung, welches Erlebnis hat Sie besonders berührt?
Bevor wir bei «Christmas in Vienna» auf die Bühne stiegen, hat Plácido Domingo sich ans Klavier gesetzt und begonnen, das Intro eines Liedes von Mario Lanza (bekannter Opernsänger und Schauspieler in den 50er-Jahren) zu spielen. Er fragte, ob ich das Lied kenne, und so habe ich backstage, von ihm begleitet, «Parlami d’Amore Mariu» gesungen. Domingo hat nämlich einmal eine Dokumentation über Lanza moderiert, die ich gesehen hatte und ganz toll fand. Deshalb hat er dieses Lied angespielt. Das werde ich nie vergessen, und wir hatten sehr viel Spass.

Was bedeutet es Ihnen, erfolgreich zu sein, oder wie definieren Sie Erfolg?
Man soll, wie eben erwähnt, Spass haben und überzeugt sein von dem, was man macht. Dass man viel arbeiten kann, das ist das Wichtigste. Ich bin ein Sänger und möchte singen. Es ist wunderbar, wenn dir Leute zuhören und verstehen, was du ausdrücken willst. Wenn sie zu dir kommen und sagen, deine Musik hat mich in einer schwierigen Lebenssituation unterstützt. Das gibt dir die Befriedigung, dass deine Kommunikation als Künstler gelungen ist.

Man bezeichnet Sie als Crossover-Sänger. Bei den Kritikern polarisieren Sie, weil Sie sich nicht schubladisieren lassen. Sie tun das, was Ihnen Freude bereitet. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Kritiker müssen auch von etwas leben (lacht herzhaft).

Wenn Sie nicht Sänger geworden wären, worin sind Sie auch richtig gut?
Ein guter Endredaktor, der also z. B. diesem Interview den Endschliff gibt, bevor es publiziert wird. Auch Mode interessiert mich. Ich glaube, ich kann Frauen sehr gut beraten, damit sie toll aussehen.

An welchem Ort, oder wenn Sie sich womit beschäftigen, denken Sie nicht an Musik?
Beim Rad(renn)fahren oder Laufen. Aber auch dabei habe ich immer ein Lied im Kopf, um in der Kadenz zu bleiben. Wenn ich richtig abschalten möchte, muss ich die Zeitung oder ein Buch lesen.

Ihr aktuelles Album heisst «Soul Classics in Symphony» und beinhaltet fast alles Liebeslieder ...
Ja natürlich. Soul ist die Musik der Liebe.

Die Ihrer Fans ist Ihnen sicher, Sie besingen verschiedene Facetten der Liebe?
Ja sie kommt, sie ist da, sie geht, oder bleibt.

Worauf dürfen sich die Fans bei Ihrem Konzert freuen?
Auf mich.

Helmut Lotti & The Golden Symphonic Orchestra – «Soul Classics in Symphony», Mittwoch, 27. Februar, 20 Uhr. Theater 11, Zürich-Oerlikon, Tickets: www.ticketcorner.ch Telefon 0900 800 800 (1.19 Fr./Min) (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 15.02.2019, 14:43 Uhr

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