Eiskunstlauf

«Ich blicke lieber auf Kufen, als darauf zu gleiten»

Mit der Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann und dem Singer-Songwriter James Blunt auf der Bühne gastiert «Art on Ice» in Zürich. Die Stars auf dem Eis sind Olympiasieger und Weltmeister. Mit dabei ist auch Publikumsliebling Stéphane Lambiel.

Stefanie Heinzmann hat Kraft getankt und geht mit neuem Album auf Tour.

Stefanie Heinzmann hat Kraft getankt und geht mit neuem Album auf Tour. Bild: Benedikt Schnermann

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Stefanie Heinzmann, nach der gewonnenen Castingshow bei Stefan Raab haben Sie die Single «My Man Is a Mean Man» veröffentlicht. Die verhalf Ihnen im deutschsprachigen Raum zum Durchbruch. Eben, zehn Jahre später, erschien das Lied «Mother’s Heart». Was liegt zwischen diesen beiden Liedern?
Stefanie Heinzmann (29): Ein Drittel meines Lebens. Geplant war nichts, und manches kam überraschend, z. B. dass ich mit Singen meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Ich hatte eine ­gute Zeit: das Unterwegssein mit Band, einem wunderbar gewachsenen Team und die Zusammenarbeit mit tollen Künstlern.

Das klingt sehr harmonisch. Gab es auch Misstöne?
Schattenseiten gibt es überall, in jedem Job, die gehören zum Leben. Wichtig ist, die Lehren dar­aus zu ziehen. Am Anfang hatte ich einen Bandscheibenvorfall und musste die Stimmbänder operieren. Ich war sehr aktiv und dauernd unterwegs. Folglich, vor etwa drei Jahren, richtig erschöpft. Ich merkte, wie wichtig das Zuhause ist, Zeit für mich zu haben, abzuschalten, zu ­wandern oder zu malen. Für mich einen Ausgleich zu suchen.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Mentor Stefan Raab?
Immer mal wieder. Er hatte mich für Auftritte in seiner neuen Show Ende letzten Jahres angefragt.

Am Anfang Ihrer Karriere haben Sie mit Bruder Claudio gesungen, dann folgten Koryphäen wieJoss Stone, Ronan Keating, Lionel Richie oder Rea Garvey. Was war das für ein Gefühl, als zierliche Visperin plötzlich so ins Rampenlicht gespült zu werden?
Unbeschreiblich. Neben Lionel Richie zu stehen und (damals) kaum ein Wort Englisch über die Lippen zu bringen – ich war jung, überfordert und gleichzeitig überglücklich.

Wurden Sie bemuttert?
Einerseits Professionalität, anderseits menschliches Gespür. Richie hat schon gemerkt, wie nervös ich war, und mich sinnbildlich gesprochen «bei der Hand genommen». Wir haben auch viel gescherzt.

Hatten Sie Zweifel, im Haifisch­becken Musikbusiness bestehen zu können, und musste deshalb erst ein «Masterplan» (Titel Debütalbum) her?
Wir wurden wirklich planlos hin­einkatapultiert. So gesehen ist der Titel eher ironisch zu verstehen. Die Platte entstand innert dreier Wochen, und danach war nichts mehr wie vorher.

Alle drei Jahre beglücken Sie Ihre Fans mit einem neuen Album. Sie sind leicht in Verzug . . .
Ich brauchte diesmal schon etwas mehr Zeit. Die Nachfrage für Konzerte zum letzten Album war ­ungebrochen und anhaltend. Wir haben vor zwei Jahren mit dem Songschreiben angefangen, aber dann fuhren mir die letzten Jahre in die Knochen – man wird älter. Es war so etwas wie eine Standortbestimmung: Was mache ich, das dauernde Unterwegssein und Sich-im-Kreis-Drehen. Wohin soll mich mein künftiger Lebensweg führen? Ich nahm eine dreimonatige Auszeit und blieb zu Hause. Zeit, nachzudenken, ob die Musik auch künftig Teil meines Lebens bleiben soll. Dann begann ich, wieder mit der Band zu proben, das Feuer war zurück, und das ist genau das Richtige.

Ihr fünftes Studioalbum erscheint am 22. März, eine Woche nach Ihrem 30. Geburtstag. Der Titel «All We Need Is Love» tönt irgendwie nach Beatles.Es klingt aber anders, oder?
Definitiv. Der Titelsong reflektiert die letzten Jahre, das ab und an Überfordertsein, die Fragen, die ich mir zum Leben stellte. Das liess mich schlussfolgern, dass es eigentlich immer um Liebe geht, sie zu vermitteln. Liebe zu sich selber und anderen Menschen. Die heutige digitalisierte Welt ist verbunden, sozusagen ein Dorf. Als emotionaler Mensch fühle ich von Leuten, die sich skrupellos, erdenfeindlich verhalten, herausgefordert. Ich glaube daran, dass Liebe die Welt am Drehen, die Menschheit am Leben hält. Ich spüre Unsicherheit auch bei meinen Fans und möchte dagegenhalten: Passt auf, was ihr denkt, und seid euch bewusst, was ihr tut.

Erst wagen Sie sich bei «Arton Ice» aufs Glatteis, nach Sommerfestivals folgt im November eine termingespickte Clubtour – es wird IHR Jahr, oder?
Es wird vielschichtig spannend. Ich hab wieder richtig Lust, auf Tour zu gehen.

Wo holen Sie die Energie für die Bühne her?
Ich versuche, ausgeglichen zu sein. Etwas Sport, Laufen, Fitness und genug Schlaf. Manchmal unternehme ich auch etwas mit der Band.

Denken Sie auch mal nicht an Musik?
Das kann ich sehr gut. Wenn ich mich im Wallis z. B. mit meiner besten Freundin treffe.

Welches vielleicht weniger bekannte Lied tragen Sie zeitlos im Herzen und weshalb?
Das gibt es. Da wäre «Numb the Pleasure», eines meiner ersten Lieder, bei welchen ich mitgeschrieben habe. Ein sehr wichtiger Titel. Er beschreibt die Zeit, als es mir gesundheitlich nicht gut ging.

Wenn Sie nicht auf Musikbühnen stehen würden, welchen Beruf hätten Sie gewählt?
Sekretärin, ich mag Buchhaltung. Ich bin eine «Alles für das Team»-Mitarbeiterin. Aber im Nachhinein betrachtet hätte ich mit dem Büroalltag wohl eher Mühe. Ich arbeite gerne handwerklich oder mit Menschen – also Schreinerin oder Hebamme.

Auf Tour ist man im Hotel-zimmer eher einsam. Froh um diese Oase der Ruhe?
Früher hatte ich mit dem Alleinsein Mühe und liess deshalb immer den Fernseher laufen. Mittlerweile geniesse ich die Stille ex­trem, schreibe Tagebuch, lese oder telefoniere mit Menschen, die mir lieb sind. Irgendwann fallen der Stefanie dann die Augen zu.

Wollten Sie als Kind Eisprinzessin werden? Stéphane Lambiel hat seine Karriere im Wallis begonnen. Und er singt auch gerne – ein künftiger Duettpartner?
Warum nicht? Aber lieber er mit mir singen, als ich mit ihm Eiskunstlaufen.

Fühlen Sie sich sicher auf Kufen oder doch wohler auf Bühnenbrettern?
Letzteres. Für mich ist der Ausblick auf Kufen schöner.

Haben die Proben zur Show schon begonnen?
Mit der Band noch nicht, alles andere, also Kostüme oder Besprechungen mit dem musika­lischen Leiter, laufen natürlich auf Hochtouren. Wir werden sechs Songs performen.

Ist ein Duett mit James Blunt vorgesehen?
Nein, da haben wir nix ge-Blunt. (lacht)

Bei «Art on Ice» spielt hinter den Kulissen auch der «Family-Groove» . . .
Das hoffe ich doch sehr, und ich freue mich darauf.

Art on Ice7. bis 10. Februar. Hallenstadion, Zürich-Oerlikon.Infos/Tickets: www.artonice.ch. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 25.01.2019, 14:13 Uhr

Ticketverlosung

Art on Ice – Die Zürcher Regionalzeitungen verlosen für die Show vom Sonntag, 10. Februar, 19 Uhr, viermal zwei Tickets.

Kennwort: Ice

Teilnahme: Leser aus dem Unterland bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch. Leser aus dem Unterland bitte eine Mail an ticketverlosung@zsz.ch bis Montag, 28. Januar, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden.

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