Freilichtspiel

«Ich bin der Gegenpol zu den Wildwest-Machos»

Sie standen sich im Zweikampf gegenüber: Old Shatterhand und Winnetou. Daraus wurde eine Blutsbrüderschaft. Jetzt treffen sie sich wieder in Engelberg und reiten mit Ribanna – Giusy Bringold – in ein neues Abenteuer.

Giusy Bringold ist mit der Rolle der Ribanna in die Schauspielerei,  die Theaterwelt «zurückgeritten».

Giusy Bringold ist mit der Rolle der Ribanna in die Schauspielerei, die Theaterwelt «zurückgeritten». Bild: pd

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Giusy Bringold, Sie stammen ursprünglich aus Sizilien (Italien). Da könnte man jetzt zynisch sagen, Sie sollten sich mit schiesswütigen Jungs auskennen . . . Welches sind Ihre Kindheitserinnerungen an Winnetou-Hörspiele oder -Filme?
Gusy Bringold (45): Wenn ich sage, ich komme aus Sizilien, sehen die Leute wohl immer wild ballernde Mafiosi und übermotivierte, beschützende Brüder vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Der Wilde Westen mit den lockeren Fingern am Abzug der Flinten ist ja nicht weit entfernt ­davon. Winnetou kannte ich als Kind nur von den Filmen, und die habe ich geliebt. Winnetou selbst fand ich unglaublich schön, in sich selbst ruhend, so erhaben – ein Traummann. Ribanna (von Karin Dor gespielt) fand ich auch sehr schön und war enttäuscht, da sie nicht mit Winnetou zusammengekommen ist.

Als Kind haben Sie Ballett getanzt und wollten eines von diesen Girls in italienischen Abendshows werden. Was haben Sie von der eher sanften, graziösen Kunstform in die raue Männerwelt des Wilden Westens miteingebracht?
Vom Tanzen nehme ich einiges mit ins Spiel. Haltung, Bewegung und Weiblichkeit. Bei Winnetou kann ich so genau dieser Gegenpol zu den Machos im Wilden Westen sein. Ballett ist ja auch eher kontrolliert und vielleicht manchmal ein bisschen überheblich. Das tut den Raubeinen gut, denen ich in dieser Geschichte begegne.

Ein grosser Vorteil: Sie können reiten und die Pferde notfalls auch psychologisch (ausge­bildet) betreuen. Haben Sie ­deshalb die Rolle der Ribanna bekommen, oder hat sich der Produzent, der selber mitspielt, von Ihrem Namen Bringold blenden lassen?
(Lacht.) Ich hoffe nicht, der ist nämlich angeheiratet. Dass ich reiten konnte, war sicherlich ein Plus, aber es war kein Ausschlusskriterium bei der Rollenvergabe. Heute, nach den ganzen Proben und ersten Aufführungen, muss ich sagen, dass dies ohne Reit­erfahrung für mich nicht funktioniert hätte. Ich bin trotz Reit- und Pferdekenntnissen während der Proben vom Pferd gefallen und habe jetzt noch Nachwehen davon. Aber das kann halt passieren. Nicht auszudenken, wie es einem Reitanfänger gehen würde.

Sie sind eher wenig theater-erfahren, haben mehr Kurz- und Werbefilme gedreht. Was hat Sie bei dieser ­Produktion besonders gereizt?
Die Geschichte um Winnetou und Pferde. Das Freilichtspiel als neue Erfahrung und nicht zuletzt die Chance eines Wiedereinstiegs in die Theaterwelt. Ich hatte ja nie ganz auf die Karte Schauspielerei gesetzt, ging immer einer ­geregelten Tätigkeit nach.

Welches waren oder sind immer noch die besonderen Herausforderungen?
Mein Auftritt mit dem Pferd. Es ist doch ein erheblicher Unterschied, ob ich mit einem Pferd privat ausreite, mich an Blümchen und Vögelchen erfreuen kann oder ob ich eine aufreibende Vorstellung, in der geballert wird – mit einem spritzigen, dafür sensibleren Pferd –, ohne Zwischenfälle über die Bühne bringe.

Wie würden Sie die Figur der Ribanna charakterisieren?
Die Häuptlingstochter Ribanna ist selbstsicher, mutig und doch sensibel. Eine erwachsene, anmutige Frau. Eigentlich braucht sie niemanden, ist aber offen für die Liebe, wenn sie sich zeigt. Sie weiss um ihren Stand und die Verantwortung, die damit einhergeht.

Die Premiere ist vorbei. Vor Ihnen liegen mehr als 30 Aufführungen. Was tun Sie gegen die Routine?
Die schon gespielten Shows haben gezeigt: Keine ist wie die andere. Es gibt immer wieder Überraschungen, auch solche, die das Publikum gar nicht mitkriegt. Als Schauspieler musst du immer wachsam und konzentriert sein. Denn wenn dir kein Fehler passiert, könnte es doch sein, dass du auf einen Fehler oder eine neue Gegebenheit, die von aussen kommt, reagieren musst. Ich habe bis jetzt noch keine Aufführung erlebt, in welcher nicht die eine oder andere solche Situation entstanden ist.

Worauf freuen Sie sich jedes Mal von neuem?
Auf meine Mit- und Gegenspieler, auf unsere gegenseitigen Reaktionen aufeinander, eben diese feinen Nuancen, die sich eventuell von Spiel zu Spiel entwickeln. Und natürlich besonders auf die Reaktionen der Zuschauer, die glänzenden Augen nach den Vorstellungen, die mich keineswegs nur von Kindergesichtern anstrahlen. Das ist herrlich und berührend. Dann möchte ich sie am liebsten alle umarmen.

Wohnen Sie während der Spielzeit im Tipi (Indianerzelt), haben sich die Rolle also einverleibt, oder mögen Sie es dann je nach Wetterlage doch eher, im Trockenen zu nächtigen?
Ich gebe es zu, ich bin ein Schönwetter-Outdoor-Typ. Schönwetterwanderin, Schönwetterskifahrerin, Schönwettergärtnerin. Wenn es regnet und kalt ist, dann kuschele ich mich am liebsten den ganzen Tag mit einem Buch unter eine flauschige Decke oder schaue einen von den 100 Filmen und Serien, die ich noch gerne schauen würde. Aber ich kann auch auf die Zähne beissen und bei Regen und Kälte mein Ding durchziehen. Vielleicht fluche ich innerlich, aber auf der Bühne ist das eh ­alles vergessen.

Wie hat sich der wild zusammenwürfelte Cast – gegen 100 Darsteller tun mit – zusammengerauft, und konnten Sie sich zumindest für zwei Stunden in Winnetou verlieben?
Aber natürlich. Ich verliebe mich immer wieder von neuem in Winnetou und erwärme mich ehrlich für Old Firehand. Ich muss sogar aufpassen, dass ich mich nicht ­jeweils doch noch in Parranoh vergucke, weil ich eigentlich Bad Boys auch irgendwie heiss finde. Der Cast, inklusive Komparsen, funktioniert im Übrigen wunderbar zusammen. Es menschelt wie überall, und das ist schön und spannend.

Was denken Sie, bleibt von diesem Abenteuer?
Wundervolle Erinnerungen und schöne, hoffentlich anhaltende Freundschaften. Eine besondere Verbindung zu Engelberg und seinen Menschen. Ich hoffe auch, den einen oder anderen Mitwirkenden in künftigen Projekten wieder zu treffen.

Karl-May-Freilichtspiele – «Winnetou II – Ribanna und das Kriegsbeil der Poncas». Bis 12. August. Engelberg, kostenloser Shuttlebus zur Spielstätte . Tickets: www.ticketcorner.ch, Telefon 0900 800 800 (1.19 Fr./Min.). Infos/Daten: www.winnetou.ch. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 13.07.2018, 17:08 Uhr

Ticketverlosung

Winnetou II – Die «Zürichsee-Zeitung» und der «Zürcher Unterländer» verlosen für die Auf- führung von Samstag, 28. Juli, 19 Uhr zweimal zwei Tickets.
Kennwort: Winnetou
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zsz.ch oder ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 16. Juli, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden. Mitarbeiter von Tamedia sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. (red)

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