Zürich

Düsterer Tänzer, betörende Synthesizer

Depeche Mode haben am Sonntagabend im Letzigrund 37 Jahre Bandgeschichte präsentiert. Ihr düsterer Synth-Rock überzeugt nach wie vor – auch in den neuen Liedern.

Die Band um Dave Gahan spielten ein souveränes und betörendes Konzert, wie man es selten sieht.

Die Band um Dave Gahan spielten ein souveränes und betörendes Konzert, wie man es selten sieht. Bild: Keystone

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Das Konzert begann verhalten. Die Band betrat die Bühne zwar unter grossem Jubel und die ersten Klänge wummerten sphärisch durch das Stadion. Trotzdem kam das Publikum nicht sogleich in die Gänge. Das mag wegen der drückenden Sommerhitze gewesen sein, oder wegen der gleissend hellen Abendsonne, die die düsteren Töne von der Bühne her frapant kontrastierte. Eine Band wie Depeche Mode lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Als die Band am Sonntag im Zürcher Letzigrund Stadion in ihr Konzert startete, schien sie zu wissen, dass sich der Abend dann schon noch zu einem der Superlative entwickeln würde.

Depeche Mode, die britischen Shooting-Stars des Synth-Rock der 80er-Jahre spielen seit nunmehr 37 Jahren zusammen und haben mit Songs wie “Personal Jesus” und “Enjoy the Silence” Musikgeschichte geschrieben. Sie gelten als eine der besten Elektronikbands und touren weltweit. Erst diesen Frühling veröffentlichten sie ihr 14. Studioalbum “Spirit”. Es wird von den Kritikern gelobt und zeigte, dass die Band auch 2017 noch musikalisch innovativ und inhaltlich aufrührerisch ist. “Where's the Revolution“ heissen die neuen Songs und “Going Backwards”, die auch ins Live-Repertoire aufgenommen wurden. Vor einem fast ausverkauften Stadion präsentierte die Band in Zürich diese neuen Stücke und einen Querschnitt durch ihr Schaffen.

Virtuose Gelassenheit

Die Band um Dave Gahan spielten ein derart souveränes und betörendes Konzert, wie man es selten sieht. Sie war sich der Wirkung ihrer Musik von Anfang an bewusst und sie spielte ihre Songs mit einer virtuosen Lockerheit und Gelassenheit. So entwickelte sich das Konzert von seinem ruhigen Start langsam aber sicher zu einer einnehmenden Show, die bis in die hinteren Reihen niemanden mehr unberührt liess. Gahan, wie immer geschminkt, mit nach hinten gekämmten Haaren, Absatzschuhen und Gilet, hatte sichtlich Spass bei der Sache. Elegant tanzte er über die Bühne und über den ins Publikum führende Steg, er scherzte mit seinen Mitmusikern, und ging in seiner Musik auf, als ob er die Songs nur für sich und nicht für Tausende spielen würde. Trotzdem wandte er sich immer wieder auch ans Publikum, auch dies ohne grosses Aufheben, ohne gekünstelt den Entertainer rauszuhenken. “Zurich, ihr seid super”, rief er einmal und immer wieder “Danke.” Für einige Stücke, insbesondere die Balladen, übergab er das Mikrofon an den Gitarristen und Hauptsongwriter Martin Gore.

Der Superhit zum Schluss

Dass das Publikum durchmischt war und nicht nur die eingefleischten Fans anwesend waren, merkte man immer dann wenn die Band einen ihrer grossen Hits anstimmte. Der Applaus wurde lauter, die Leute sangen ausgiebiger mit. Trotzdem kamen auch die neuen und die weniger bekannten Stücke gut an. Eine Überraschung hatte die Band beim Zugabenblock vorbereitet: Während auf den Bildschirmen eine schwarze Fahne wehte, spielte die Band “Heroes” von David Bowie, waveiger als das Original, karger und bitterschön trostlos.

Es passte zu diesem Konzertabend, der sich langsam aber sicher immer mehr in die Superlative steigerte, dass der grosse Hit der Band ganz zum Schluss gespielt wurde. Inzwischen war es nach rund zwei Konzertstunden ganz dunkel im Stadion, die Lichtshow kam zur Geltung und die kühleren Temperaturen verleiteten das ganze Publikum zum Tanzen. Der richtige Rahmen also, um dieses gelungene Konzert mit einer ausdauernden und bombastischen Version von “Personal Jesus” enden zu lassen. (Der Landbote)

Erstellt: 19.06.2017, 09:04 Uhr

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