Musical

«Der Facettenreichtum macht meine Berufung so spannend»

Auf der Walenseebühne wird in «Die Schöne und das Biest» die Geschichte um Freundschaft, Familie, Schicksal und innere Schönheit erzählt. Mit Hauptdarstellerin Eveline Suter (Bella) haben wir auch darüber gesprochen.

Eveline Suter fühlt sich wohl am Wasser. Am Zürichsee, aber die nächsten Wochen hauptsächlich auf der Walenseebühne.

Eveline Suter fühlt sich wohl am Wasser. Am Zürichsee, aber die nächsten Wochen hauptsächlich auf der Walenseebühne. Bild: Martin Allemann

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Noch blinzeln die Zuschauer in die tief stehende Sonne. Dann, wie vom Lichttechniker weg­gedimmt, geht sie zwischen den Berggipfeln Leistchamm und Frümsel sanft unter. Die Auftaktmusik erklingt in der malerischen Kulisse zwischen See und Churfirsten, und man taucht ein in die Märchenromanze «Die Schöne und das Biest».

Eveline Suter, hat es Sie schon früh auf die Bühne gezogen?
Eveline Suter (39): Singen und Tanzen waren schon im Kindesalter immer sehr präsent, allerdings wusste ich nicht, wohin es führen wird. Bei Schultheateraufführungen liess ich meist die anderen vor, ich war viel zu schüchtern. Weil ich Tiere mag, überlegte ich mir, ob ein Beruf mit solchen das Richtige ist. Ich spielte Trompete – habe auch Preise gewonnen – und bin dann ans Konservatorium in Luzern gegangen.

Das Gymnasium haben Sie abgebrochen, wohl nicht gerade zur Freude Ihrer Eltern?
Ich habe ja von der Sekundarschule ins Gymi gewechselt. Klar hätten sie es lieber gesehen, ich hätte die Schule beendet, aber ich war unglücklich. Als ich dann die Aufnahmeprüfung für die Per­forming-Arts-Studios in Wien bestanden habe, freuten sie sich mit mir. Ich hatte neben der Schule dafür geackert, auch, um Gesangsstunden nehmen zu können und abends im Opernhaus Ballett.

In Wien haben Sie Ihre Ausbildung gemacht und sind dort mehr als fünf Jahre hängen geblieben . . .
Ich habe schon während der Ausbildung in Musicals mitgewirkt und danach auch. Ich dachte, es darf nicht sein, «kleben» zu bleiben, und folgte für zwei Jahre Engagements in Deutschland.

Danach zogen Sie in die USA. Weshalb?
Ich habe mich beim Amt für Kultur des Kantons Zug für ein Stipendium beworben. Dieses betreibt u. a. ein Studio in New York. Ich habe es bekommen und mich sofort in die Künstlerstadt verliebt.

. . . und haben sich zur Yoga­lehrerin ausbilden lassen.
Ich wollte das seit Jahren machen, und als mein Partner sich kurzfristig entschloss, nicht mit in die USA zu kommen, ging ich es konkret an. Auch um unter Leute zu kommen und über das Leben nachzudenken. Yoga ist auch philosophisch.

Sie gingen ans renommierte Lee Strasberg Theatre and Film Institute. Was haben Sie von dort in die Spielpraxis mitgenommen?
Relaxation, also Körperentspannung. Man denkt – wenn man es sieht –, was hocken da für Verrückte wortlos auf Stühlen und geben komische Laute von sich? Beim Sense Memory werden Zustände, auch z. B. Düfte, Räume, Objekte oder auch Schmerz, aus der eigenen Lebenserfahrung abgerufen. Solche Raumsituationen trifft man auch am Filmset oder auf Theaterbühnen. Die Yoga-Ausbildung in New York hat mir viel für das Rollenverständnis gebracht. Je stärker man sich in eine Situation einfühlen kann, desto glaubhafter wirkt man. Also so, wie wenn z. B. die Stoffrose herrlich duftet. Das ist das Wesent­liche, was ich von Lee Strasberg mitgenommen habe – Glaubhaftigkeit, Natürlichkeit.

Machen Sie ein spezielles Ritual vor einer Aufführung?
Tagsüber Yoga oder Joggen, um den Kopf freizubekommen. Es verhilft mir im turbulenten Show­business zu innerer Ruhe.

«Je stärker man sich in eine darzustellende Situation einfühlen kann, desto glaubhafter wirkt man.»Eveline Suter

Sie leben heute im turbulenten N. Y., weshalb sind Sie geblieben?
Es ist ein Lebensgefühl. Wenn ich wie diesen Sommer nach zweieinhalb Monaten Spielzeit in der Schweiz danach in New York aus dem Flieger steige, klopft mein Herz, es ist wie eine Liebesaffäre. Manchmal will ich raus aus dieser lauten, dreckigen Stadt mit Kakerlaken, und gleichzeitig ist da eine Fülle an Kunst, die ich so liebe. Viele begabte Leute, so viel Spirit, abgefahrene Projekte, die alle Sinne ansprechen: Tanz, Varieté, Comedy, Musik, Theater, Malerei – eine unglaubliche Vielfalt an Kreativem. Es ist nicht alles Broadway. Da gibt es winzige, versteckte Jazzclubs, einfach multikulti. Ich liebe diese Entdeckungsreisli. Am Anfang wohnte ich in einer winzigen Schuhbox, jetzt habe ich mit meinem Jack-Russell-Terrier Jack etwas mehr Platz.

Auf Bühnen sind Sie hauptsächlich in Europa zu sehen, weniger da, wo Sie leben . . .
Richtig. Ich arbeite hauptsächlich als Sprecherin für deutsche Sprache, für Werbespots und in der Printwerbung. Es ist, weil ich oft in der Schweiz spiele, auch schwierig, Engagements zu bekommen, wegen der für eine Produktion nötigen Sperrzeiten. Dann berücksichtigen sie aus der Fülle an Darstellerinnen eben eine andere.

Weshalb sind Sie Musicaldarstellerin geworden, der perfekte Kompromiss zwischen Schauspielerin und Musikerin?
Ich bin Perfektionistin, die Rahmenbedingungen waren früher etwas schwieriger, man erfuhr im Schulalter nicht die musische Förderung, die anderswo viel selbstverständlicher war. Auch deshalb war es schwierig, mich für ein Fach zu entscheiden. Es sah mit dem Trompetenspiel vielversprechend aus, aber ich habe das nie mit Blick darauf gemacht, möglichst viele zu erreichen, sondern für mich selber. Ich wollte mich auch nicht entscheiden, all die Facetten machen meine Berufung so spannend. Ich will berühren, Menschen aus dem Alltag abholen – eine Handvoll oder wie hier in Walenstadt ein grosses Publikum.

Sie agieren ­– u. a. mit Patric Scott, der schon fast zum Inventar gehört – bereits zum vierten Mal am Walensee. Ergeben sich da auch Freundschaften, die über den Bühnenrand hinausreichen?
In jeder Produktion ergeben sich Kontakte, die man weiter pflegt. Manchmal Freundschaften fürs Leben. Aber man geht auch seine eigenen Wege. Ab und an trifft man sich wieder, wie in diesem Musical Pia Lustenberger (Fee). Wir sind beide in Neuheim ZG aufgewachsen und haben in der gleichen Blaskapelle gespielt.

In «Die Schöne und das Biest» verkörpern Sie die Titelfigur Bella. Wie kamen Sie zu dieser Rolle?
Durch Arbeit. All die bisherigen Produktionen mit Regisseur Stanislav Moša sind Casting genug. Das Team um ihn herum weiss, was ich kann und was sie erwarten dürfen. Die Anfrage kam also direkt, ob ich Lust und Zeit hätte. Letztendlich muss man aber auch hinter der Figur, die man verkörpern soll, stehen können.

«In New York ­meditieren alle, machen Yoga ­und rennen gegen das Durchdrehen.»Eveline Suter

Wie nähern Sie sich einer Figur?
Ich beherzige das Rohmaterial, die Lieder, die Texte, und ver­suche in dieser Phase aber noch nicht allzu viel hineinzuinterpretieren. Später, wenn die Regie greift, biete ich Eigenes an. Ich habe schon oft mit Stanislav Moša zusammengearbeitet, wir wissen von­ein­ander, wie wir funktionieren. Wenn ich im übertragenen Sinn zu viel «Hamlet» (tiefgründig/ernsthaft) ansetze, stoppt er und erinnert mich daran, dass wir ein Musical spielen. Andere Regisseure ziehen die Korsage enger und lassen einem weniger Freiheiten, einen Charakter zu formen. Doch jede Arbeitsweise hat einen Grund und ist eine lehr­reiche Herausforderung.

Wer ist Bella?
Eine sehr junge, willensstarke Frau, die weiss, was sie will – und vor allem, was nicht. Mit Gerechtigkeitssinn, kämpferisch, ein Sonnenschein mit Herz, die das Positive sieht.

Wie nahe liegt die Figur an Ihrer eigenen Persönlichkeit?
Im Kollegenkreis sagt man, ich würde gerne unterhalten, manchmal fast schon etwas zu sehr. (lacht) Ich mag Spass haben und begegne unangenehmen Ereignissen des Lebens mit Humor. Natürlich sind da auch die tiefgründigen Momente. Halt eher, wenn ich mit mir allein bin.

Welches sind die Herausforderungen in Rolle und Stück?
Die gibt es immer. Eigentlich lerne ich Text gut, diesmal aber tat ich mich schwer. Ich reiste mit Jetlag aus den USA an, und zwei Tage später war Probenstart. Ich war mit einem Bein noch in New York und hatte Mühe, mich zu konzen­trieren. Etwas Herzschmerz schwang mit, weil ich nun Wochen von zu Hause weg bin. Ich kam tage­lang nicht an, obwohl von Beginn weg Vollgas gefragt ist.

Ein wild zusammengewürfeltes Team, da muss erst ein Kitt für eine tolle Ensembleleistung entstehen?
Ich bin am Anfang eher zurückhaltend und beobachte lieber. Manche sind unsicher und einsam, denn sie kommen angereist und sind hier fremd. Daher ­suchen sie nach Kontakten, tauschen sich aus und präsentieren sich von der besten Seite. Künstler sind ein sensibles und oft auch unsicheres Volk. Wenn man sich erst einmal kennen ­gelernt hat, beginnt der Spass. Gelacht wird hinter der Bühne definitiv sehr oft.

Weshalb lohnt sich eine Reise zur Walenseebühne?
Weil man den Alltag in einer traumhaften Kulisse mit schöner Musik, tollen Kostümen und einem wunderbaren Ensemble hinter sich lassen kann.

Walenseebühne – «Die Schöne und das Biest»: Bis 28. Juli, Do–Sa, Mi, 25. Juli, jeweils um 19.45 Uhr. Geländeöffnung um 18 Uhr. Walenseebühne, Walenstadt. Tickets: www.walenseebuehne.ch, Telefon 0900 313 313 (1.19 Fr./Min.). Oder: www.starticket.ch, Telefon 0900 325 325 (1.19 Fr./Min.). (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 06.07.2018, 15:50 Uhr

Ticketverlosung

Die Schöne und das Biest – Der «Zürcher Unter­län­der» und die «Zürichsee-Zeitung» verlosen für die Aufführung von Donnerstag, 12. Juli, 19.45 Uhr zweimal zwei Tickets.
Kennwort: Biest
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch (Zürcher Unterländer) oder ticketverlosung@zsz.ch (Zürichsee-Zeitung) bis Montag, 9. Juli, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden. Mitarbeiter von Tamedia sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. (red)

Die Schöne und das Biest

In einem verwunschenen Schloss lebt ein Prinz, der einst wegen seiner Grobheit und Un­mensch­lich­keit von einer Fee in ein Biest verwandelt wurde.
Als sich der Kaufmann Wilhelm in das verwunschene Schloss verirrt, schlägt ihm das Biest einen Tauschhandel vor: Wilhelms Freiheit und Reichtum gegen eine seiner Töchter – denn der Fluch des Biests kann nur gelöst werden, wenn sich ein Mädchen in ihn verliebt. Wilhelms jüngste Tochter Bella opfert sich für ihren Vater und entscheidet sich für ein Leben mit dem Biest.
Daraufhin mobilisiert ihr Verehrer Gustav das ganze Dorf, um das Biest zu vernichten. Während des Kampfes erkennt Bella, dass es nicht Mitleid, sondern Liebe ist, die sie mit dem Biest ver­bindet. Sie gesteht ihre Liebe und löst damit den Fluch, der auf dem verwunschenen Prinzen, dem Schloss und all seinen Bewohnern gelastet hat.
Die weltberühmte französische Novelle rund um Bella und das Biest gehört zu den ältesten Volksmärchen überhaupt und hat ihren Ursprung 1740 in Frankreich.red

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