Tribute

«Es lohnt sich, sich mit Madonna zu befassen»

Madonna – Diva, Bad Girl und Pop-Ikone. Aber auch eine Feministin, die polarisiert. Eine Hommage erzählt von ihrem Leben, Schaffen und Denken.

Hanna Scheuring erzählt im Tribute «Like a Virgin?» aus Madonnas Biografie.

Hanna Scheuring erzählt im Tribute «Like a Virgin?» aus Madonnas Biografie. Bild: Toni Suter / T + T Fotografie

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Es ist die Frau, die keinen Künstlername braucht: Madonna Louise Veronica Ciccone, die US-amerikanische Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und einiges mehr. Ihren Durchbruch hatte sie 1984 mit dem Song «Like a Virgin», mit dem sie ein erstes Mal mächtig provozierte und polarisierte. Böse Stimmen sagten ihr die Karriere einer Eintagsfliege voraus. Sie sollten nicht recht behalten, denn heute zählt Madonna zu den erfolgreichsten Interpretinnen aller Zeiten. Doch wer ist die Frau? Im Tribute to Madonna «Like a Virgin?» stehen elf Frauen auf der Bühne und singen ihre Songs. Und die Schauspielerin Hanna Scheuring erzählt aus Madonnas Biografie.

In Ihrem Profil auf Ihrer Website steht Ihre Konfektionsgrösse. Ist das Eitelkeit, Koketterie oder Provokation?
Hanna Scheuring: Oh, keines davon. Oder jedenfalls nicht bewusst. Wenn Castingagenturen Anfragen für eine Schauspielerin oder einen Schauspieler machen, können sie anhand der Konfektionsgrösse den Typ bestimmen. Und die Kostümbildnerin findet grad die entsprechenden Infos da.

Gut, dann gehen wir zu einer Provokateurin über: zu Madonna, einer Ikone des Feminismus in vielen seiner Facetten. Steckt etwas Madonna auch in Ihnen?
Madonna wird von den Feministinnen geliebt und gehasst. Für mich persönlich hat Madonna sehr wichtige Aspekte für eine selbstbestimmte und kluge Frau sichtbar gemacht, die auch Frau sein darf und schön noch obendrein. In mir stecken sicher Anteile von Madonna – wie wohl in vielen Frauen. Ich schätze ihre Verschmelzung von kluger Geschäftsfrau und weicher Weiblichkeit.

Madonna setzt ihre Schönheit immer wieder gezielt in ihrer Arbeit ein. Diese musikalische Hommage im Rahmen der Festspiele unter dem Titel «Schönheit/Wahnsinn» passt also zumindest in dieser Hinsicht perfekt. Ist Schönheit eine Prämisse für den Bühnenerfolg?
Es ist interessant, dass eine schöne Frau immer auf die Schönheit angesprochen und beäugt wird in ihrer Arbeit. Bei einem schönen Mann kommt uns das weniger in den Sinn. Natürlich hat Madonna ihr Aussehen eingesetzt und damit gespielt. Sie hat in den manchmal sehr verkniffenen Feminismus eine körperliche Schönheit und Sinnlichkeit gebracht. Und das ist ein grosses Verdienst . . . Madonna vereinigt die Schönheit und die Sinnlichkeit als kluge Geschäftsfrau mit künstlerischer Auseinandersetzung. In diesem Sinne ist ihre Schönheit und das erotische Gebaren ein Teil des Bühnenerfolgs, ja.

Der Weg der Popgöttin ist gespickt mit Provokationen und Ausschweifungen – auf der Bühne, in ihrem Privatleben. Steckt da, in Bezug auf das Thema, der Wahnsinn dahinter?
Vielleicht kann man Madonnas Antrieb, Tabus aufzuspüren und mit grosser Geste darauf hinzuweisen, als Wahnsinn deuten. In ihrer Arbeit erkenne ich weniger einen Wahnsinn als eine eiserne Disziplin. Wobei diese Disziplin manchmal auch in einen Wahnsinn mündet. Gerade ihre Arbeit an ihrem Körper nahm immer wieder fast verrückte Züge an.

Und wie stehen Sie selbst zu Madonna?
Madonna war mir, bis ich mich mit ihr auseinandersetzte, eher fremd. Je mehr ich mich aber in ihre Biografie vertiefe, desto faszinierender erscheint sie mir. Ich bewundere ihren Mut, ihre Scharfsicht und ihr Gespür für Trends und für Tabus. Sie spielt immer wieder mit neuen Kombinationen der immer gleichen Themen Religion und Sexualität. Madonna muss in ihrem Leben mit heftigster Kritik und Anfeindungen umgehen. Daran könnte man leicht zerbrechen oder aufgeben. Sie verfügt über eine immense Willenskraft und geht unbeirrbar ihren Weg. Dies alles polarisiert auch meine Eindrücke.

Inwiefern?
Sie löst zum Teil Abwehr aus, erscheint mir manchmal arrogant. Sie nimmt keine Rücksicht und ist wohl darum auch so weit gekommen. Sie sagt, sie will so berühmt sein wie Gott . . . ! Nun, das kann ich natürlich als Statement einer Künstlerin verstehen, aber für mich steckt da auch eine Überschätzung und eine Egomanie in dieser Aussage. Leider hat Madonna nicht haltgemacht vor dem Jugendwahn und hat sich mehrfach operieren lassen. Das ist schade. Wenn sie es geschafft hätte, sich diesem Jugendkult zu entziehen und stolz ihre Falten in die Jahre getragen hätte, dann könnte sie tatsächlich ein Vorbild sein.

Wenn Sie alle Schaffensphasen der wandelbaren Künstlerin betrachten, welche liegt Ihnen am nächsten?
Wahrscheinlich ist mir die «Mutter Madonna» am nächsten. Obwohl ich viele ihre Phasen bewundere, ist sie mir mit ihrem Muttersein doch am nächsten. Selbst Madonna sagt: Muttersein ist die grösste Erfüllung meines Lebens. So geht es mir auch.

Der Tribut an Madonna lebt von der Performance von elf Frauen. Wie haben Sie die Arbeit in dieser reinen Frauengruppe erlebt?
Wir hatten eine wundervolle Arbeitszeit miteinander. Und wir freuen uns alle – auf jede Vorstellung, die kommt. Aber wissen Sie, für mich ist es nicht so wichtig, ob wir nur Frauen sind oder nur Männer. Es gibt viele Produktionen, in denen nur Männer miteinander arbeiten – und nie kommt man auf die Frage, wie es war, in einer reinen Männergruppe zu funktionieren. Und dennoch darf ich sagen, dass ich mich sehr aufgehoben und wohlfühle und eine riesige Akzeptanz und einen grossen Respekt der Künstlerinnen untereinander erlebt habe.

Nun sind diese elf Frauen sehr unterschiedlich und haben mit Madonna teilweise wenig bis gar nichts gemein. Das birgt wohl einige Schwierigkeiten für die Interpretation der Songs. Wie wurde dieser Heraus­forderung begegnet?
Dieser Tribute to Madonna soll kein Nachspielen der Madonna- Songs sein. Jede Künstlerin interpretiert ihren Song wieder anders. Es ist sehr interessant, wenn eine rockige und rauchige Stimme, wie die von Sabina Deutsch, den Song «Papa Don’t Preach» mit ihrem Alter und ihrem Standing singt. Dadurch erlebt man das Schaffen der Künstlerin Madonna nochmals ganz neu. Madonna ist ja keine überragende Sängerin. Es ist enorm faszinierend, was herauskommt, wenn ganz andere Stimmtypen sich an ihre Lieder herantasten. Ein reines Covern würde mich nicht interessieren.

Die Premiere ist Vergangenheit, nun folgen weitere Aufführungen. Wie war das Echo? Wie ­haben Sie den Tribut erlebt?
Ich freue mich wie verrückt auf die Show heute Abend und ebenso auf die Termine im September, Oktober und Dezember. Obwohl wir viele ruhige Songs hören und viel über Madonnas Schaffen und Denken erfahren, ist es doch ein mächtiger Kraftabend. In der letzten Vorstellung haben die Zuschauer auf der Tribüne getanzt – das macht sehr viel Spass! Und gibt natürlich Energie.

Nach diesen Erfahrungen: Ist das «Bad Girl» nun eine Identifikationsfigur für Frauen?
Das muss natürlich jede Frau für sich entscheiden. Aber es lohnt sich definitiv, sich mit Madonna eingehender auseinanderzusetzen.

Und die Show – ist die auch etwas für Männer?
Wann haben sie das letzte Mal elf eigenständige und unterschiedlichste Frauen miteinander auf einer Bühne gesehen? Es gibt neben vielem fürs Ohr und für den Geist auch ganz viel fürs Auge! Das kann ich versprechen.


Tribute to Madonna – «Like a Virgin?»
Samstag, 20 Uhr. Theater Rigiblick, Germaniastrasse 99, Zürich. Tickets/Infos unter www.theater-rigiblick.ch.
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Erstellt: 21.06.2018, 14:54 Uhr

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