Petition

Kita-Angestellte wollen bessere Arbeitsbedingungen

3600 Betreuerinnen und Eltern stellen Forderungen an den Kanton – und treffen einen wunden Punkt.

«Trotzphase»-Frauen an einer Aktion letztes Jahr in Bern.

«Trotzphase»-Frauen an einer Aktion letztes Jahr in Bern. Bild: pd

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Laura Frischknecht ist ausgebildete Kindererzieherin und arbeitet Teilzeit in einer Kindertagesstätte (Kita). Den Krippen fehle es an Geld und den Betreuerinnen an Wertschätzung. «Wir können mit den Kindern nicht so arbeiten, wie wir es gelernt haben», sagt die 30-Jährige.

Der Frust bei den Angestellten sei gross, die Fluktuation ebenso. «Burn-outs sind ein Dauerthema.» Wegen der hohen Belastung könnten viele, auch sie selber, nicht vollzeit arbeiten. Frischknecht findet, der Kanton und die Gemeinden müssten die Kitas stärker subventionieren. Die Kinder müssten es der Gesellschaft wert sein.

«Wir können mit den Kindern nicht so arbeiten, wie wir es gelernt haben»

Frischknecht gehört zu jener Gruppe von Frauen der Organisation «Trotzphase», die Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) heute eine Petition mit 3600 Unterschriften übergeben hat. Anlass dazu gab die kürzlich abgeschlossene Vernehmlassung zur Verordnung über Tagesfamilien und Kindertagesstätten.

Parteien, Fachverbände und Interessengruppen hatten dabei Gelegenheit, ihre Anliegen einzubringen. Mit der Petition wollen die Frauen der Vernehmlassungsantwort der Gewerkschaft VPOD Nachdruck verleihen. Da die «Trotzphase-Frauen» politisch noch wenig erfahren sind, liessen sich sich beim Verfassen der Petition vom VPOD unterstützen.

Ein Betreuungsschlüssel

Um eine Bewilligung zur Führung einer Kita zu erhalten, müsse der Betreiber auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiterinnen (rund 80 Prozent sind Frauen) besser regeln, verlangen die Petitionäre.

Heute gelten nur die rudimentären Regelungen des Arbeitsgesetzes. Gefordert wird ein Gesamtarbeitsvertrag wie in den Kantonen Waadt und Genf. Dieser müsse die Vor- und Nachbereitungszeit enthalten sowie einen angemessenen Betreuungsschlüssel. Gemeint ist die Anzahl Kinder, die auf eine gelernte Betreuungsperson kommen.

Nicht ausgebildetes Personal soll nicht zum Schlüssel zählen. Gemäss heutigem Schlüssel darf eine gelernte Betreuerin zwölf Kinder beaufsichtigen, sofern ihr eine ungelernte Hilfskraft zur Seite steht.

In Fachkreisen hält man das für viel zu viel. Der ideale Schlüssel liege für Kinder bis zu zwei Jahren bei einem Fachperson-Kind-Verhältnis von 1 zu 2,5 und für Dreijährige bei 1 zu 4. «Die Realität sieht ganz anders aus», sagt Florian Thalmann, zuständig beim VPOD für Fragen der Kinderbetreuung. Er bestätigt die Erfahrungen von Laura Frischknecht.

Qualität beeinträchtigt

Es komme vor, dass ungelernte Hilfskräfte, sogenannte Praktikantinnen, über ein Dutzend Kinder alleine betreuen müssten, sagt Thalmann. Ohne die Praktikantinnen, die zu Löhnen zwischen 500 und 1000 Franken bei vollen Pensum arbeiteten, ginge nichts mehr.

Laut Thalmann sind rund die Hälfte des Betreuungspersonals Praktikantinnen oder noch nicht fertig Ausgebildete. Das hat vor allem auch finanzielle Gründe, senkt aber die Qualität der Betreuung. Ohne die billigen Arbeitskräfte würden die Krippen sehr teuer und damit für viele Eltern unerschwinglich.

Trotzphase-Frau macht auch auf Social-Media mobil.

Erstellt: 03.07.2019, 18:14 Uhr

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