Klimawandel

Mehr Hitzetage und Tropennächte in Zürich

Die Zahl der Hitzetage und Tropennächte wird infolge der Klimaerwärmung steigen. Neue Klimakarten sollen dabei helfen, die Folgen mit stadtplanerischen Massnahmen einzudämmen.

Der Klimawandel wird die Städte noch mehr aufheizen.

Der Klimawandel wird die Städte noch mehr aufheizen. Bild: Keystone

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Für die Städte ist der Klimawandel eine Herausforderung, weil sich Gebäude, Strassen oder Gleisanlagen stärker erwärmen als Grün- und Freiflächen. Die Wärmeinseln, die dadurch entstehen, machen sich auch nachts bemerkbar: In den Städten kühlt es weniger stark ab. Der Kanton Zürich hat nun das Klima umfassend analysiert. Die Karten des Klimamodells sind im Geografischen Informationssystem (GIS) des Kantons Zürich abrufbar. Die Klimaanalysekarte zeigt den jetzigen Zustand. Die Klimaszenarienkarte stellt Prognosen bis ins Jahr 2100 dar, die Planhinweiskarte enthält Informationen, die für die Raum- und Stadtplanung nützlich sein könnten.

Die Städte werden nachts zu Wärmeinseln

Die Klimaanalysekarte zeigt unter anderem den Wärmeinseleffekt in der Nacht. In weiten Teilen der Stadt Zürich liegt die Temperatur 3 bis 4 Grad Celsius über dem kantonalen Durchschnitt. In Winterthur ist der Effekt, wenn auch etwas weniger stark ausgeprägt, ebenfalls gut zu sehen. Auch die Seen, insbesondere der Zürichsee, speichern tagsüber Wärme, die nachts zur Bildung einer Wärmeinsel führt. Deutliche Abweichungen in die Gegenrichtung gibt es vor allem im Zürcher Oberland. Gründe dafür sind unter anderem die Höhenlage und die weniger dichte Bebauung.

Laut Gian-Marco Alt, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich, sind die Klimakarten vor allem für die Planung nützlich. Es gehe zum Beispiel darum, Kaltluftströme in den Städten zu lokalisieren. «In der Stadt Zürich etwa strömt kühlere Luft vom Üetli- und dem Zürichberg in die Stadt. Bei der Stadtplanung sollte darauf geachtet werden, dass grössere Gebäude entlang dieser Durchlüftungsachsen ausgerichtet werden, damit diese nicht blockiert werden.» Weitere Massnahmen, die für Abkühlung sorgen können, sind begrünte Dächer und Fassaden, sowie natürlich Grünflächen und Parks.

Die Klimaszenarienkarte zeigt, was der Stadt Zürich in Sachen Hitze bis zum Ende des Jahrhunderts blühen könnte: Von 1961 bis 1990 gab es durchschnittlich 8,4 Tropennächte pro Jahr in der Stadt Zürich. Als Tropennacht gilt eine Nacht, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Bis ins Jahr 2100 könnte die Zahl der Tropennächte in der Stadt auf über 46 steigen. Die Zahl der Hitzetage, also Tage, an denen eine Temperatur von 30 Grad und mehr erreicht wird, soll gemäss den Prognosen von 13 auf über 40 steigen.

Im Weinland könnte es richtig heiss werden

Die Tendenz zeigt also klar nach oben, auch wenn Prognosen über solche lange Zeiträume mit Vorsicht zu geniessen sind. Bei der Zahl der Hitzetage zeigt die Karte auch Überraschendes: Der stärkste Anstieg wird nicht etwa in der Stadt erwartet, sondern im Zürcher Weinland im Norden des Kantons. Ein grosser Teil des Weinlands könnte gegen Ende des Jahrhunderts auf über 50 Hitzetage pro Jahr kommen. «Das hat mich zuerst auch etwas überrascht», sagt Alt. Es gebe verschiedene Gründe dafür. So sei das Weinland relativ tief gelegen, zudem würden die verwendeten Prognosemodelle zur Klimaerwärmung einen stärkeren Temperaturanstieg im nördlichen Kantonsteil vorhersagen. Auch die im Weinland zahlreich vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzflächen würden einen kleinen Teil zur Entwicklung beitragen, indem sie sich etwas stärker erwärmen als beispielsweise Waldgebiete. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 20.06.2018, 17:58 Uhr

Im kantonalen GIS-Browser

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