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Jeton G: Weder lebenslänglich noch Verwahrung

Ändert Jeton G. seine Einstellung nicht, wird er volle zwanzig Jahre absitzen müssen.

Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch das Urteil bekannt gegeben.
Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch das Urteil bekannt gegeben.
Keystone

Jeton G., der 36-jährige Schweizer kosovarischer Herkunft, ist wegen vorsätzlicher Tötung und Tötungsversuchs zu einer Freiheitsstrafe von 16½ Jahren verurteilt worden. Auf eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und eine Verwahrung, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, hat das Bezirksgericht Zürich verzichtet. Es folgte aber auch nicht der Verteidigung, die wegen Notwehr einen Freispruch verlangt hatten.

«Äusserst kaltblütig»

Am 1. März 2015 hatten sich morgens um fünf Uhr die seit Jahren verfeindeten Jeton G. und Boris R., jeweils in Begleitung von weiteren Personen, in der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern getroffen. Es kam zu einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf ein Begleiter von Jeton G., ein 25-jähriger Türke, mit einem Revolver in die Luft schoss. Während Boris R. und einer seiner Begleiter flüchteten, behändigte Jeton G. den Revolver und schoss mehrfach den Flüchtenden nach. Ein Projektil tötete Boris R.

Jeton G. habe «ohne zu zögern, mit grosser Konsequenz und Entschiedenheit gehandelt», urteilte das Gericht. Das «regungslos vorgetragene Verhalten» erwecke einen äusserst brutalen und kaltblütigen Eindruck. Tatmotiv sei wohl «Wut und Hass». Bei den Schussabgaben habe es sich «um den Höhe- und Schlusspunkt einer längeren, beidseits mit harten Bandagen geführten Fehde» gehandelt habe. Dass die zunächst vergleichsweise harmlos geführte Diskussion derart eskalierte, sei nicht ausschliesslich Jeton G. zuzurechnen, sondern auch den Begleitern von G. und R.

Verzicht auf Verwahrung

Gleichzeitig verneinte das Bezirksgericht eine Notwehrsituation des 36-Jährigen. Jeton G. habe keinen Grund gehabt, sich nach dem von einem seiner Begleiter abgegebenen Schuss in die Luft bedroht zu fühlen. Boris R. und dessen Begleiter hätten daraufhin die Flucht ergriffen, womit die gegenseitige akute Konfliktsituation in jenem Moment beendet war, und es keinen Grund gab, aus Gründen der Notwehr auf den flüchtenden Boris R. zu schiessen.

Auch die vom Staatsanwalt beantragte Verwahrung ordnete das Gericht nicht an. Die vom Psychiater diagnostizierte dissozialen Persönlichkeitsstörung sei nicht so schwer, dass deshalb eine Verwahrung angeordnet werden könnte. Auch die andere Verwahrungsvoraussetzung, nämlich dass aufgrund der gesamten Lebensumstände mit weiteren schweren Gewaltdelikten ernsthaft gerechnet werden muss, sei nicht gegeben.

Hoffnung auf «Lerneffekt»

Trotz der langen kriminellen Karriere sei Jeton G. bisher «nie mit einer wirklich harten Sanktion im Sinne einer längeren Freiheitsstrafe konfrontiert» gewesen. Aufgrund seiner Persönlichkeit habe G. die Illusion hegen können, er würde ein weiteres Mal um eine einschneidende Strafe herumkommen.

Der Psychiater wollte nicht ausschliessen, dass die lange Zeit im Gefängnis bei Jeton G. einen «Lerneffekt» auslösen könnte mit dem Effekt, dass er sich aus seinem, ihn in seiner Haltung bestärkenden Umfeld lösen könnte. Ändere er sein bisheriges Verhalten und seine Einstellung könnte er allenfalls vorzeitig entlassen werden, indem ihm der letzte Drittel der Strafe zur Bewährung erlassen wird.

Gelingt dies nicht, wird Jeton G. zwanzig Jahre im Gefängnis sitzen müssen. Denn zu den 16½ Jahren des Bezirksgericht kommen noch 3½ Jahre, die ihm das Obergericht im Oktober 2015 wegen anderer Delikte auferlegte.

Sehr teurer Fall

Ob eine der Parteien das Urteil anfechten, steht noch nicht fest. Feststehen hingegen die Kosten, welche das Verfahren bisher verursacht hat: An die Verteidigungen und Geschädigtenvertretungen fliessen insgesamt 330000 Franken. Dazu kommen Gerichtsgebühren von 45000 Franken und Untersuchungskosten in unbekannter Höhe.

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