Freienstein-Teufen

Stiftung Märtplatz lässt Jegge fallen

Die Stiftung Märtplatz zieht Konsequenzen aus den schweren Vorwürfen gegen ihren Gründervater Jürg Jegge. Am Donnerstag hat sie ihm seine Ehrenpräsidentschaft entzogen.

Jürg Jegge ist als Ehrenpräsident der Stiftung Märtplatz zurückgetreten.

Jürg Jegge ist als Ehrenpräsident der Stiftung Märtplatz zurückgetreten. Bild: Portrait Stiftung Märtplatz

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Die Stiftung Märtplatz in Freienstein hat schwierige Zeiten vor sich. Die Institution bietet seit 1985 Ausbildungsplätze für junge Menschen mit «schlechten Startbedingungen» an. Diese Woche wurden schwere Vorwürfe gegen ihren Gründer Jürg Jegge publik, der als renommierter Pädagoge gilt. Jegge soll Markus Zangger, einen ehemaligen Schüler seiner Sonderschule bei Embrach, während 15 Jahren sexuell missbraucht haben.

Bereits sechs Fälle vermutet

Zangger beschreibt die Vorfälle in seinem Buch «Jürg Jegges dunkle Seite – Die Übergriffe des Musterpädagogen», das er am Dienstag vor Dutzenden Medienvertretern vorstellte. Darin erwähnt er anonym vier ehemalige Schulkollegen, an denen sich Jegge ebenfalls vergangen haben soll. Gestern berichtete der «Blick» von einem mutmasslichen sechsten Opfer: einem 51-jährigen Mann, der mit 22 Jahren zu Märtplatz kam und während sechs Jahren Jegges Übergriffen ausgeliefert gewesen sein soll.

Jegge hat bisher gegenüber den Medien geschwiegen und konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Bei der Stiftung Märtplatz ist er seit seiner Pensionierung im Jahr 2011 nicht mehr operativ tätig. Die Institution hat sich am Donnerstag deutlich «vom mutmasslichen Verhalten ihres Gründers» distanziert und ihm die Ehrenpräsidentschaft entzogen. Laut Märtplatz-Mediensprecherin Andrea Sailer ist Jegge aber auch von sich aus von seinem Amt zurückgetreten. «Die Entscheide des Stiftungsrats und von Herrn Jegge fielen quasi parallel.»

Die Identität des vom «Blick» erwähnten mutmasslichen Opfers sei der Stiftung nicht bekannt. «Wir sind an der Aufklärung aller Vorfälle interessiert», sagt Sailer. «Allfällige weitere Betroffene können sich bei uns melden.» Ob in Zukunft innerhalb von Märtplatz eigenständige Abklärungen vorgenommen werden, konnte Sailer gestern noch nicht sagen.

Erstellt: 06.04.2017, 08:51 Uhr

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