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Illegal zu Aufenthalt und Arbeit verholfen

Um ihm zu einer Arbeit zu verhelfen, hat ein ghanaischer Flughafenangestellter aus Kloten einem Landsmann nicht nur seinen Ausländerausweis, sondern auch seine Postkarte sowie seine AHV-Karte übergeben.

Laut Aussage des Angeklagten habe er seinen Ausländerausweis zu Hause auf dem Tisch liegen lassen und sein Landsmann habe ihn dann entwendet.
Laut Aussage des Angeklagten habe er seinen Ausländerausweis zu Hause auf dem Tisch liegen lassen und sein Landsmann habe ihn dann entwendet.
Symbolbild, Keystone

«Auch wenn Sie ein Landsmann unter Tränen bittet, dürfen sie ihm künftig keine Ausweise mehr übergeben», schärfte der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli dem heute 45-jährigen Beschuldigten aus Kloten nach der Urteilseröffnung ein. Der aus Ghana stammende Familienvater musste sich am Dienstag wegen Förderung des rechtswidrigen Aufenthaltes am Bezirksgericht Zürich verantworten. Der bereits einschlägig vorbestrafte Westafrikaner hatte dabei mit einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 60 Franken zu rechnen.

Zu Aufenthalt und Arbeit verholfen

Die Vorwürfe der Anklage gingen auf den letzten Herbst zurück. Damals lernte der Mann aus Kloten in einer Kirche einen Landsmann kennen. Der Coiffeur suchte dringend eine Arbeit und bat den Beschuldigten offensichtlich um Hilfe. Gemäss Staatsanwaltschaft hatte der seit mehreren Jahren in Kloten wohnhafte Flughafenangestellte Mitleid und übergab dem «Sans-Papier» nicht nur seinen Ausländerausweis, sondern auch seine Postkarte sowie seine AHV-Karte. Mit der Folge, dass sich der kürzlich eingewanderte Mittäter nicht nur schnell eine Arbeit zulegen, sondern auch einen Lebensunterhalt finanzieren konnte.

Allerdings flog der rechtswidrige Aufenthalt des Coiffeurs am 13. November 2014 anlässlich einer Polizeikontrolle auf. Damit auch der legal angemeldete Klotener Beschuldigte, der wegen seiner sichergestellten Dokumente ebenfalls ins Visier der Strafjustiz geriet.

Versehen geltend gemacht

Vor Gericht verlangte der Flughafenangestellte einen Freispruch und machte ein Versehen geltend. So habe er seine Ausweise in seiner Klotener Wohnung oft offen auf dem Tisch liegen lassen. Dabei sei es gut möglich, dass sein Landsmann die Papiere und die Postkarte nach einem Besuch heimlich mitgenommen habe, mutmasste er. Der Verteidiger verlangte deshalb mangels Beweisen einen Freispruch.

Milde trotz Schuldspruch

Das Gericht sah zum Schluss die Schuld des Kloteners als erwiesen an. Obwohl das Gericht die belastenden Aussagen des Coiffeurs mangels Konfrontation mit dem Beschuldigten nicht verwerten durfte, lagen laut Präsident Aeppli genug Beweismittel gegen den Klotener vor. Entscheidend waren dabei die ermittelten Postkonto-Auszüge des Beschuldigten. So hatte dieser seine Postkarte auch nach dem angeblichen Verschwinden weiterhin benutzt und damit zum Beispiel weiter seinen Arbeitslohn bezogen. Sehr seltsam sei zudem, dass der Flughafenangestellte seinen Ausländerausweis über Monate hinweg nicht vermisst und den Verlust erst einen Tag nach der Festnahme des Coiffeurs bemerkt haben will, sagte Aeppli.

Trotz des Schuldspruchs kam das Gericht zu einer milderen Sanktion, indem es die Geldstrafe auf Bewährung aussetzte. Allerdings hielt der Vorsitzende klar fest, dass kein leichtes Verschulden mehr vorliege. So habe der Beschuldigte einer illegal anwesenden Person ein Leben und Arbeit in der Schweiz ermöglicht.

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