Zum Hauptinhalt springen

Hobbypiloten sind eine Gefahr für den Flugverkehr

Die Fluglotsen von Skyguide registrieren eine steigende Zahl von kleinen Fliegern, die unerlaubt in der Nähe des Flughafens fliegen. Das ist nicht ungefährlich.

Viele Segelflieger führen keine Transponder mit und bleiben für die Lotsen deshalb unsichtbar.
Viele Segelflieger führen keine Transponder mit und bleiben für die Lotsen deshalb unsichtbar.
Keystone

Innerhalb von vier Wochen verzeichnete Skyguide ein Dutzend der gefährlichen Eindringlinge. Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa bestätigte einen Bericht der Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» vom Donnerstag. Und längst nicht alle werden bemerkt. Bei Skyguide geht man von einem Graubereich von rund 30 Prozent aus.

Denn viele der Hobbyflieger bleiben für die Flugsicherung unsichtbar: Ihre Geräte sind nicht mit sogenannten Transpondern zur Identifizierung ausgerüstet. Diese sind nur für Motorflugzeuge vorgeschrieben. Doch auch Transponder bieten keine absolute Sicherheit, denn «diese müssen auch eingeschaltet sein», wie Urs Holderegger vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erklärte.

Mehr Verstösse wegen gutem Wetter

Jeder Pilot, der im Nahverkehrsbereich des Flughafens fliegen will, muss sich bei den Fluglotsen anmelden und dann ihren Anweisungen folgen. Grund dafür, dass Sichtflieger immer wieder unerlaubt in diesen sensiblen Bereich eindringen, sei häufig Nachlässigkeit, sagte Holderegger. Die Piloten kontrollierten ihren Kurs nicht gut genug. Die gestiegene Zahl gefährlicher Eindringlinge erklärt Holderegger vor allem mit dem guten Wetter. Dann seien einfach mehr Hobbypiloten unterwegs.

Die Situation am Flughafen Zürich ist sehr komplex: Im Nahverkehrsbereich müssen Linienflugzeuge, Business- und Freizeitflieger koordiniert werden. Die Komplexität der Struktur mit lateralen und horizontalen Grenzen überfordert viele Hobbypiloten, wie Mario Winiger von der Lotsengewerkschaft Aerocontrol sagte.

Komplexe Struktur vereinfachen

Skyguide fordert vom Bazl, die Strukturen des Nahverkehrsbereichs zu vereinfachen. So gibt es zurzeit etwa 13 verschiedene Unterbereiche. Eine Vereinfachung des Systems sei das Wichtigste, findet auch Winiger. Fehler passierten wegen der verschachtelten Luftraumstruktur. Strafen würden nichts bringen.

Eine weitere Forderung von Skyguide ist die Transponderpflicht für alle. Das Bazl habe diese diskutiert, sagte Holderegger. Es sei aber die Frage, ob eine solche tatsächlich zur Sicherheit beitrage. Denn wenn Hunderte von Transpondersignalen auf dem Radarschirm zu sehen seien, könnte dies auch verwirrend sein. Ausserdem gebe es immer Piloten, die den Transponder ausschalteten.

Technische Verbesserungen nötig

Der Flughafen selbst hat beim Bazl eine Einweisungspflicht für Sichtflugpiloten verlangt, die in Zürich starten oder landen. Diese müssten dann vorgängig ein internetbasiertes Training nachweisen. Dieses Gesuch ist beim Bazl hängig, betrifft aber nicht die überfliegenden Piloten.

Neben regulatorischen Massnahmen, für die das Bazl zuständig ist, könnten auch technische Verbesserungen für mehr Sicherheit sorgen. Skyguide selbst prüft zurzeit verschiedene Anpassungen, darunter auch die Forderung der Lotsen nach einer Warnfunktion auf dem Radarbildschirm für illegale Einflüge, wie Barrosa sagte. Und nicht zuletzt müssten immer wieder die Piloten sensibilisiert werden. Dies geschieht unter anderem auf der Facebook-Seite des Bazl.

Luftwaffe kann Piloten zum Landen zwingen

Verstösse, die die Fluglotsen auf ihren Radarschirmen oder auch mit dem Fernglas vom Tower aus bemerken, werden von Skyguide dem Bazl und dann der Staatsanwaltschaft gemeldet. Die Strafen reichen von Bussen bis zum Entzug der Fluglizenz. Je nach Schwere des Vorfalls müssen Linienpiloten diesen melden. Eine Untersuchung erfolgt dann durch die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (Sust).

Ausserdem kann Skyguide auch die Luftwaffe aufbieten, deren Einsatzzentrale sich ebenfalls in Dübendorf befindet. Die Luftwaffe kann Eindringlinge identifizieren und notfalls zur Landung zwingen.

SDA/ori

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch