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Hier leben verstossene Katzen paradiesisch

Die Stiftung Schnurrli kümmert sich in Sternenberg um Katzen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in Haushalten leben können. Knapp 70 Tiere haben eine neue Heimat gefunden.

Im Katzenheim in Sternenberg leben momentan 67 Katzen.

Im Katzenheim in Sternenberg leben momentan 67 Katzen. Bild: Johanna Bossart

Besucher werden im Katzenheim in Sternenberg freundlich empfangen. Aus allerlei Unterschlüpfen schleichen sie miauend hervor: Dicke, dünne, getigerte oder rote Büsis. Gleich mehrere Tiere halten sich in der Nähe des Eingangs auf. Denn hier ist die Chance auf Streicheleinheiten am grössten. Andere verziehen sich lieber nach draussen oder dösen in einem der oberen Stockwerke.Insgesamt leben momentan 67 Katzen im Heim in Sternenberg. Sie sind aus ganz unterschiedlichen Gründen hier. Eines aber haben sie alle gemein: Sie konnten nicht mehr in normalen Haushalten platziert werden. Einige sind zu wild geworden, andere leiden an Krankheiten oder urinieren überall dort, wo es ihnen gerade passt.

Betreut werden die Katzen von einem kleinen Team. Eine der Tierpflegerinnen ist Jenni Germann. Die 25-Jährige arbeitet seit vier Jahren im Heim und kennt alle 67 Katzen mit Namen. Doch nicht nur das, sie weiss über fast alle eine Geschichten zu erzählen. Da ist zum Beispiel Mimi, die ursprünglich aus Ungarn kommt und zu viel Flüssigkeit im Bauch hat oder Bubble, eine elegante Zuchtkatze, die sich aber von niemandem berühren lassen will. Und da sind auch die sechs Katzen, die weiter unten auf dieser Seite etwas näher vorgestellt werden.

Erst reinigen, dann pflegen

Die Betreuung der 67 Katzen ist aufwendig. Der grösste Teil der Arbeit besteht aus reinigen und waschen. Jeweils am Dienstag ist im Heim Grossputztag, ansonsten werden die Räume jeweils am Vormittag gereinigt: Katzenkisten werden geleert, die Futternäpfe aufgefüllt.

Am Nachmittag kümmert sich das dreiköpfige Team um einzelne Katzen, immer wieder kommt es vor, dass eine zum Tierarzt muss, etwa weil sie sich erkältet hat oder an anderen Krankheiten leidet. Zudem warten diverse Büsis darauf, gestreichelt zu werden. Das Tierheim ist deshalb froh, um freiwillige Helfer, die sich um besonders verschmuste Stubentiger kümmern. «Katzen sind sehr eigenwillig», sagt Jenni Germann. «Jede hat ihren ganz eigenen Charakter.» Für die Tiere sei es selbstverständlich, dass man sich um sie kümmere. «Sie betrachten uns Menschen als ihre Bediensteten.»

Trotz der vielen Tiere kommt es im Heim selten zu Revierkämpfen. Die Katzen haben genügend Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. In Sternenberg stehen ihnen drei Stockwerke mit allerlei Unterschlüpfen zur Verfügung. Sie können zudem nach draussen, wo es auch einen überdachten Bereich gibt.

Von Refugium zu Schnurrli

Betrieben wird das Tierheim von der Stiftung Schnurrli, die ihren Hauptsitz in Zürich hat und vor allem durch Spendengelder finanziert wird. Die Katzen in Sternenberg können durch Patenschaften unterstützt werden.

Das Heim in Zürich wurde 1978 gegründet, damals noch unter dem Namen Refugium. Im Jahr 1991 zogen die ersten heimatlosen Katzen in Sternenberg ein, da es in Zürich an Platz fehlte. Im Jahr 2015 änderte der Name in Schnurrli.

Jazy braucht Tabletten, damit sie kräftiger wird Zusammen mit Shani ist Jazy mit ihren 19 Jahren die älteste Katze im Tierheim. Auch sie ist sehr zutraulich und leckt Besuchern schon nach kurzem Streicheln am Arm. Ihr Fell ist sehr gepflegt und fühlt sich besonders fein an. Auch sonst ist Jazy eine äusserst zierliche Katze. Die Vorderbeine sind dünn wie Streichhölzer und wirken sehr zerbrechlich. Wenn sich Jazy mit vollem Gewicht darauf abstützt, zittert sie leicht. Der Grund für ihre Schwäche ist eine Überproduktion der Schilddrüse. Die Katze verbrennt dadurch zu viel Energie. Damit sie kräftiger wird, bekommt sie Tabletten und immer wieder eine Extraportion leckeres Katzenfutter.

Der schnelle Pepper attackierte seinen Besitzer Der 11-jährige getigerte Kater hat einen aufmerksamen und lauernden Blick. Trotzdem sucht er im «Katzen-Altersheim» in Sternenberg öfter seine Ruhe. Pepper kann ganz zutraulich sein. Schnurrend reibt er seinen Kopf manchmal an den Armen von Besuchern. Aber erzwingen sollte man das nicht. Denn rückt man dem Kater im falschen Moment allzu sehr auf die Pelle, kann er gereizt reagieren und mit seinen Pfoten rasch zuschlagen. Der grosse und sportliche Kater ging einst sogar auf seinen Besitzer los, wie Tierpflegerin Jenni Germann sagt. Inzwischen sei er aber zutraulicher geworden. Immer öfter sucht er Nähe.

Lord leidet unter chronischem Durchfall Der 17-jährige Kater schnurrt laut und sucht sofort Kontakt. Dabei kann er auch ein bisschen aufdringlich werden. Immer wieder nutzt Lord seine Pfote, um Aufmerksamkeit zu heischen. Das macht der 17-jährige Kater aber nicht nur bei Menschen. Es kommt vor, dass er anderen Katzen zu nahe kommt und dafür einen Schlag mit einer Pfote riskiert. Für sein Alter ist er ziemlich sportlich. Als Stubentiger eignet sich Lord trotzdem kaum noch. Denn er verrichtet sein Geschäft immer dort, wo er gerade schläft. Zudem leidet er seit einiger Zeit an chronischem Durchfall. Die Ursachen für seine Leiden sind bislang unklar.

Teigi traut sich nur selten vom Gestell herunter Die 17-jährige Katze hat sich wohl den besten Platz im Sternenberger Heim gesichert. Gern wartet Teigi auf einem Gestell direkt bei der Eingangstür. Dort kann sie laut miauen, sobald jemand hereinkommt. Die ersten Streicheleinheiten sind ihr dadurch sicher. Sobald man sich um sie kümmert, schnurrt sie. Trotz der Charmoffensive traut sich die 17-jährige Katze kaum von ihrem Hochsitz herunter und verrichtet dort auch ihr Geschäft, wenn sie dafür nicht gerade den Tisch benutzt. Ihr Bruder Falang wohnt ebenfalls im Heim und uriniert auch an unpässlichen Orten. Die beiden haben allerdings kaum noch Kontakt miteinander.

Snoopy hat eine Operation hinter sich Snoopy ist ein aufgewecktes Tier und miaut mit tiefer Stimme. Obwohl der siebenjährige Kater keinen Schwanz mehr hat, geht es ihm mittlerweile sichtlich gut. Sofort will er von Besuchern gestreichelt werden. «Er ist wirklich sehr verschmust,» sagt Tierpflegerin Jenni Germann. Dass der Kater heute so zufrieden wirkt, ist nicht selbstverständlich. Denn Snoopy hat wohl einen schweren Unfall überlebt oder er wurde gequält, wie Jenni Germann weiter sagt. Jedenfalls musste der Kater am Becken operiert werden. Seither ist er inkontinent und kann deshalb nicht mehr an einen Haushalt vermittelt werden.

Shani ist alt und hört nicht mehr so gut Der 19-jährige Kater Shani ist einer der ältesten im Tierheim Sternenberg. Er begrüsst Besucher mit einem überaus lauten Miauen und sucht sofort Nähe, um Streicheleinheiten abzuholen. Sein fast gänzlich weisses Fell ist fein, die dunklen Augen wirken auf den ersten Blick traurig. Trotz seines Alters ist Shani aber fit geblieben und überspringt auch grössere Distanzen problemlos. Der Grund für seine lautstarke Begrüssung ist nicht Überschwänglichkeit, sondern eine Hörbehinderung, wie Tierpflegerin Jenni Germann sagt. «Der kleine Schreihals» könne sich kaum noch hören und wisse daher nicht, wie laut er ist.

Erstellt: 07.02.2017, 14:06 Uhr

«Die Katzen betrachten uns als ihre Bediensteten.» Jenni Germann, Tierpflegerin.

Katzenheim Schnurrli

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