Theater

Gymnasiasten machen Theater

Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus der ganzen Schweiz treten in Zürich auf. Das Festival «Schau» will auf die Vielfalt von Schultheater aufmerksam machen.

Am Schultheater-Festival «Schau» in Zürich zeigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus der ganzen Schweiz ihre Produktionen.

Am Schultheater-Festival «Schau» in Zürich zeigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus der ganzen Schweiz ihre Produktionen.

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«Der eingebildete Kranke» von Molière und «Der Besuch der alten Dame» von Dürrenmatt sind Klassiker des Schultheaters. Vom 8. bis 12. Mai werden in Zürich diese und 13 weitere Theaterstücke zu sehen sein, die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus der ganzen Schweiz auf die Bühne bringen.

Ganz anders als klassisch gestaltet ist etwa «Planet School», eine Produktion der Kantonsschule Zürich Nord und des Theaters Gessnerallee. Die Jugendlichen nehmen einen mit auf einen «performten Parcours durch das Schulgebäude», wie es im Programm der «Schau», des Theatertreffens der Schweizer Gymnasien, heisst.

Der Verein Theater am Gymnasium (TAG) organisiert das Theaterfestival zum sechsten Mal, aber zum ersten Mal in Zürich. Was bisher an einer Partnerschule stattfand mit Übernachtung in der Turnhalle, nimmt in Zürich grössere Dimensionen an, wie TAG-Geschäftsleiter Tristan Jäggi sagt.

28 öffentliche Vorführungen

Fünf Zürcher Kantonsschulen laden ein und stellen ihre Bühnen zur Verfügung. Zudem finden Vorstellungen am Theater Gessnerallee und an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) statt. Alle 28 Aufführungen sind öffentlich und sollen ein Publikum anlocken, das über die Freunde und Familien der Kinder hinausgeht. Tickets sind auf der Website der Gessnerallee erhältlich.

Dennoch sei das Festival in erster Linie für die schauspielernden Jugendlichen, sagt Jäggi. «Es ist ein Dankeschön für ihr Engagement». Es soll Lagerstimmung aufkommen im Festivalzentrum an der Gessnerallee, wo sich die Jugendlichen aufhalten, wenn sie nicht gerade auf der Bühne stehen oder im Publikum sitzen.

Die auswärtigen Gruppen übernachten in der Jugendherberge. Busse bringen die 300 teilnehmenden Gymnasiastinnen und Gymnasiasten von Aufführung zu Aufführung, damit sie alle Stücke sehen können. Ihre eigene Produktion bauen sie innert eines Tages auf und spielen sie meist zweimal nacheinander. «Es wird intensiv, aber spannend», sagt Jäggi.

Daneben finden für die Schüler Workshops statt, in denen sie von Pädagogen der ZHDK, der Hochschule der Künste Bern und der Accademia Teatro Dimitri lernen, wie Kampfszenen gespielt werden oder wie Musik helfen kann, eine Rolle zu entwickeln. Eine Fachtagung richtet sich primär an die Theaterlehrerinnen und -lehrer.

«Sie haben es gut gemeint»

Das Theatertreffen sei bewusst keine Leistungsschau, sondern wolle die Vielfalt des Theaters an den Gymnasien aufzeigen, sagt Jäggi: «Manche Stücke haben ein sehr hohes Niveau, bei anderen werden manche Zuschauer denken: Sie haben es gut gemeint.»

Neben den fünf Zürcher Gastschulen ist unter den 15 Gruppen auch die Kantonsschule Büelrain aus Winterthur vertreten sowie drei weitere aus der Deutschschweiz. Von ihnen sei eher Experimentelles zu erwarten, sagt Tristan Jäggi. Die Westschweizer Theaterkultur sei stärker auf den Text fokussiert, während die Tessiner Stücke oft poetisch und verspielt seien. Zwei Aufführungen werden auf Französisch und zwei auf Italienisch sein.

Der Eröffnungsabend ist laut Jäggi bereits ein Highlight. Dann treten ehemaligen Schüler aus Locarno auf, die das dystopische Stück «Sogno di mezza terra» von 2012 wiederaufnehmen, und eine Gruppe aus Hamburg, die die Klimadebatte und Instagram-Models thematisiert.

www.schau19.ch

Erstellt: 05.05.2019, 17:54 Uhr

Daniel Riniker ist seit 2018 Co-Leiter der AG Theater der Kantonsschulen Rämibühl und im OK des Festivals.

Nachgefragt

«Fünf Tage lang in der Theaterliebe baden»

Herr Riniker, was haben Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler am Theatertreffen vor?

Wir werden durch die Stadt reisen, alle Vorstellungen besuchen, an Workshops und Nachbesprechungen teilnehmen und Kontakte zu anderen Gruppen knöpfen. Wir haben selten die Möglichkeit, Verbündete zu finden, die für dasselbe brennen. Wir werden fünf Tage lang baden in dieser Atmosphäre von Theaterliebe.

Die AG Theater Rämibühl tritt auch auf. Was ist zu erwarten?

Wir spielen «Nichts», die Adaption eines Romans von Janne Teller. Im ersten Akt erzählen wir den Inhalt. Es geht um einen Schüler, der realisiert: Nichts bedeutet etwas. Er setzt sich auf einen Baum und stört nur noch. Dann entwickelt sich eine Eskalationsspirale. Im zweiten Teil zeigen wir, wie wir uns als Team mit den Fragen, die das Buch aufwirft, beschäftigt haben. Im dritten Akt lassen wir unsere Figuren für einen Moment im Glauben, Bedeutung gefunden zu haben, um sie dann wieder abstürzen zu lassen.

Was ist anders am Festival?

Primär die Bühne der Gessnerallee. Das ist ein Erlebnis, weil es ein «richtiges», bekanntes Theater ist und nicht die heimische Aula. Das ist auch eine Herausforderung. Wir hoffen, den Schülern so zu vermitteln, was wesentlich ist am Stück, das sie entwickelt haben. Es geht um die Dringlichkeit, eine Geschichte zu erzählen, das kann auch auf einer leeren Bühne geschehen.

Auch das Publikum ist anders.

Die Konkurrenz sitzt im Publikum. Eine andere Gruppe hat vielleicht am Vorabend etwas Tolles gezeigt, das wir toppen wollen. Zugleich kennen alle die Produktionsbedingungen eines Schultheaters.

Als Mitglied des Organisationsteams kennen Sie das Programm. Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich auf keine Produktion mehr als auf die anderen. Gespannt bin ich aber auf die welschen und Tessiner Gruppen. Dort wird anders gearbeitet. Mich interessieren auch die Zürcher Kollegen, weil ich wegen meiner eigenen Proben keines ihrer Stücke gesehen habe.

Inwiefern ist das Festival auch eine Chance für Theaterlehrer?

Viele Lehrpersonen empfinden sich als Einzelkämpfer an ihren Schulen, wo sie ein mehr oder weniger gutes Standing haben. Ein Festival verbindet Leute, die das Gleiche machen und mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen haben. Es stellt sich immer die Frage, welchen Wert man dem Schultheater beimessen soll. Ich erhoffe mir auch institutionelle Folgen, etwa, wie das Freifach Theater in die Stundentafel integriert werden könnte, beispielsweise als Wahlpflichtfach. (kme)

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