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Gräber für Muslime auch von ausserhalb

Die Stadt Zürich macht ihre muslimischen Grabfelder auch für Verstorbene aus den Nachbargemeinden zugänglich. Sofern die Gemeinden die Begleichung der Begräbniskosten garantieren.

Muslimische Grabstätten im Friedhof Witikon: Nächstens werden zwei weitere Grabfelder eröffnet.
Muslimische Grabstätten im Friedhof Witikon: Nächstens werden zwei weitere Grabfelder eröffnet.
Keystone

2004 hat die Stadt Zürich auf dem Friedhof Witikon zwei muslimische Grabfelder eingerichtet. Sie stehen bisher nur für verstorbene Muslime und Musliminnen aus der Stadt Zürich zur Verfügung. Wenn am kommenden 1. September das neue Stadtzürcher Reglement für Bestattungen und Friedhöfe in Kraft tritt, ändert sich das. Auch verstorbene Muslime aus den Nachbargemeinden sollen in Witikon ihre letzte Ruhe finden können. Dies teilte gestern der Zürcher Stadtrat mit.Voraussetzung ist, dass die Nachbargemeinde eine Vereinbarung mit der Stadt abschliesst und ihr gegenüber für die Kosten geradesteht. Platz gebe es genug, sagt Sergio Gut, Direktor Bevölkerungsamt. Nächstens würden in Witikon die muslimischen Grabfelder 3 und 4 eröffnet. Bis sie voll seien, wird Feld 1 für die Zweitbelegung bereit sein. Ein Grabfeld umfasst rund 160 Gräber.

Es gelten die gleichen Regeln wie für alle andern Gräber in der Stadt, betont Gut. Wenn das zuletzt angelegte Grab in einem Grabfeld 20 Jahre bestanden hat, werden alle Grabsteine des Feldes entfernt. Es erfolgt eine zweite Belegung des Feldes für 20 Jahre und danach eine dritte. Dann ist der Zyklus abgeschlossen. Die sterblichen Überreste der zuvor Bestatteten werden jeweils im Boden belassen. Und sie bleiben auch dort, wenn das Grabfeld als solches ausgedient hat. Insofern ist die ewige Grabesruhe, wie sie der Islam fordert, für alle Verstorbenen in der Stadt Zürich gewahrt. «Der einzige Unterschied ist eigentlich die Ausrichtung der Gräber nach Mekka», sagt Gut.

Viel Platz auf Friedhöfen

Die Stadt Zürich verfügt über die stattliche Zahl von 20 Friedhöfen. Viele davon gehören sozusagen zur Erbmasse aus den Eingemeindungen von 1893 bis 1934. Dass es mehr als genug Platz zum Begrabensein hat in Zürich, dafür sorgen aber auch anhaltende und neuere Bestattungstrends. 90 Prozent der Verstorbenen in Zürich lassen sich mittlerweile kremieren und 40 Prozent in einem Gemeinschaftsgrad beerdigen.

Andernorts seien die Verhältnisse eher beengt, sagt Gut. Man habe sich im Hinblick auf die ­Reglementsänderung umgehört. Teils gebe es in den Gemeinden kaum genug Raum, um muslimische Gräber einzurichten. Neben der Mekka-Ausrichtung erwähnt Gut in diesem Zusammenhang auch die Halle, die für die Waschung des Leichnams nötig ist.

Interesse ist vorhanden

Bisher ist noch keine Vereinbarung mit einer Gemeinde unterzeichnet worden, sagt Gut. Man lasse das Regelement nun erst einmal in Kraft treten und schaue dann, wer Interesse bekunde.

Der Schlieremer Bauvorstand und gewählte Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) hat sich 2013 für ein muslimisches Gräberfeld in seiner Gemeinde eingesetzt – ohne Erfolg. Wobei es weniger darum ging, ob der Platz ausreiche. Argumentiert worden war in erster Linie damit, dass es keine Sonderrechte für eine Religion geben solle. Auch in Dietikon war den Bestrebungen für Muslimgräber kein Erfolg beschieden.

Er freue sich, dass sich nun mit der Zürcher Reglementsänderung eine regionale Lösung abzeichne, sagt Bärtschiger. Längerfristig müssten die Gemeinden aber selbst aktiv werden, fügt er an. Die einst eingewanderten älteren Muslime liessen sich oft in der Heimat bestatten. Ihre hier aufgewachsenen Nachkommen sollten auch ihre letzte Ruhe hier finden können.

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