Verteilung der Direktionen

Gehört Neukom in die Baudirektion?

Neo-Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) gehört in die Baudirektion, finden Vertreter der Mitte-links-Parteien. Bürgerliche aber wollen diese Schlüsseldirektion keinem Linken überlassen.

Der neue Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) gehört in die Baudirektion, finden Vertreter von SP, Grünen, GLP und EVP. Foto: Pascal Mora

Der neue Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) gehört in die Baudirektion, finden Vertreter von SP, Grünen, GLP und EVP. Foto: Pascal Mora

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Welche Direktion erhalten Martin Neukom (Grüne) und Natalie Rickli (SVP)? Diese heisse Frage entscheidet allein die Regierung. Was nicht heisst, dass die Mitglieder des Kantonsrates keine Wünsche haben. Und dass diese Wünsche nicht auch jene beeinflussen, die das Sagen haben. Gemäss jetzigem Stand werden nur die Baudirektion von Markus Kägi (SVP) und die Gesundheitsdirektion von Thomas Heiniger (FDP) frei. Die fünf Bisherigen wollen nicht wechseln, wie sie auch am Wahltag sagten. Das muss nichts heissen. Es gibt ja auch noch die Zwangsversetzung oder – freundlicher gesagt – die Versetzung wegen übergeordneter Interessen. Der Zürcher Stadtrat hat darin viel Übung.

Für Vertreter von SP, Grünen, GLP und EVP ist der Fall klar: Martin Neukom gehört unbedingt in die Baudirektion. «Alles andere wäre unvernünftig und vor allem ein Affront gegenüber der Bevölkerung», sagt Robert Brunner (Grüne, Steinmaur). In der Baudirektion hätte Neukom wohl am meisten Hebel in der Hand, um als Klimaminister zu wirken. Gebäudesanierung, Raumplanung und Energie heissen die Stichworte. Neukoms Fähigkeiten lägen genau auf diesem Gebiet. «Der Regierungsrat ist gut beraten, seine Mitglieder dort einzusetzen, wo sie am meisten können», findet Brunner. Fraktionschefin Esther Guyer (Grüne, Zürich) doppelt nach: «Es wäre nicht sehr intelligent, Neukom in eine andere Direktion abzuschieben.» Stefan Feldmann (SP, Uster), GLP-Fraktionschef Benno Scherrer (Uster) und EVP-Fraktionschef Markus Schaaf (Zell) sehen das genauso.

«Alles andere als die Baudirektion wäre unvernünftig und vor allem ein Affront gegenüber der Bevölkerung.»Robert Brunner, Grüne

«In der Kommission Planung und Bau (KPB) ist Neukom ein gewichtiger Wortführer. Er versteht etwas vom Bauen und ist darum der natürliche Nachfolger von Markus Kägi», sagt Scherrer. Alles andere wäre, so Scherrer, «eine verpasste Chance› oder – noch schlimmer – eine «Strafaktion» der nach wie vor bürgerlich dominierten Regierung. Schaaf fände eine solche Retourkutsche völlig daneben, würde sie der Regierung aber zutrauen. Es wäre nicht zum ersten Mal: Als Martin Graf (Grüne) 2011 durch den Fukushima-Effekt überraschend in die Regierung gewählt wurde, wollte man ihm ebenfalls nicht seine Wunschdirektion – den Bau – geben, sondern schob ihn in die Direktion Inneres und Justiz ab, wo er sich nicht entfalten konnte.

Gehört also Neukom unweigerlich in die Baudirektion? Nein, finden bürgerliche Kantonsräte. Am deutlichsten sagt es Martin Farner (FDP, Oberstammheim). «Die Baudirektion sollte in bürgerlicher Hand bleiben.» Er will die Bautätigkeit, Raumplanung oder Landwirtschaft nicht einem Linken überlassen. Es brauche eine starke Führung. Farner findet, Baujuristin Carmen Walker Späh wäre die Richtige. Er weiss, dass sie keine Wechselgelüste hat, kann sich aber vorstellen, dass sich das noch ändert. SVP-Fraktionschef Martin Hübscher (Wiesendangen) sieht es ähnlich. Als Baudirektorin käme für ihn allerdings auch Natalie Rickli infrage. Nur: Sie hat im Vorfeld unmissverständlich mit der Gesundheitsdirektion geliebäugelt.

«Die Baudirektion sollte in bürgerlicher Hand bleiben.»Martin Farner, FDP

Neukom selber gibt sich diplomatisch. Als Ingenieur sei er sicher gut geeignet für die Baudirektion, aber auch woanders könne er etwas fürs Klima tun. Bei der Gesundheitsdirektion fällt ihm dazu allerdings wenig ein. Dafür aber in der Volkswirtschaft von Walker Späh. Neukom nennt die Flughafen- und Standortpolitik. Zum Beispiel ökologisch ausgerichtete Firmen fördern. «Ich sehe dem Entscheid gelassen entgegen», sagt er zur Departementsverteilung. Als Jüngster und Neuer muss er nehmen, was übrig bleibt.

Bei der FDP herrschte gestern logischerweise noch immer Katerstimmung. Dort stehen an der Parteispitze personelle Änderungen an, weil der gescheiterte Regierungsratskandidat Thomas Vogel als Fraktionschef aufhören will und Parteipräsident Hans-Jakob Boesch abgewählt wurde (Interview nebenan). Als Regierungskandidaten hatten sich auch Martin Farner und Jörg Kündig beworben, erhielten aber zugunsten von Vogel einen Korb von der Partei. Sind die beiden jetzt froh, nicht in Vogels Haut zu stecken? Die Frage bleibt unbeantwortet. Farner sagt: «Wer auch immer von uns angetreten wäre, er wäre wahrscheinlich nicht gewählt worden.» Wegen der Klimadebatte. Die FDP habe es leider nicht fertiggebracht, dieses Thema bis an die Front zu bringen, sagt er. Und er macht ein grosses Fragezeichen zu Petra Gössis Öko-Aktion auf Bundesebene kurz vor den Wahlen. Sie hätte zuerst mit der Basis reden sollen, bevor sie die Umfrage lancierte, findet er. Deutlich wird er bei der Frage, wie es an der Parteispitze weitergehen soll: «Es braucht neue Köpfe.» Gemeint ist damit auch Boesch. Einen Parteipräsidenten, der nicht dem Parlament angehört, fände er suboptimal. «Es braucht jemanden, der am Puls des Geschehens ist.»

Erstellt: 26.03.2019, 10:53 Uhr

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