Winterthur

Fünf alte Damen im Heim bestohlen, fünf Jahre Landesverweis als Strafe

Das Bezirksgericht entzieht einer Serbin das Aufenthaltsrecht. Ihre Taten waren dreist, doch die Beute war gering.

Eine Serbin hat fünf Frauen im Altersheim bestohlen, dafür soll sie einen Landesverweis kassieren.

Eine Serbin hat fünf Frauen im Altersheim bestohlen, dafür soll sie einen Landesverweis kassieren. Bild: mad/Archiv

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Alles zusammen hatte einen Wert von vielleicht 1500 Franken. Verwerten liess sich das Wenigste. Die Anklageschrift listet auf (ein Auszug):

  • Bargeld im Umfang von 19 Franken
  • Halskette goldfarben rund 50 Franken
  • Parfum Kyo rund 10 Franken
  • Unterwäsche
  • eine Postcard
  • eine Supercard
  • Hornhautcreme im Wert von rund 10 Franken…

Die 45-Jährige war im Sommer 2018 in die Zimmer von fünf betagten Frauen in einem Winterthurer Seniorenzentrum eingedrungen, um diese Dinge mitzunehmen. Sie wurde in flagranti ertappt, der Polizei übergeben und blieb 26 Tage in Untersuchungshaft. So lange dauerte es, bis all die Dinge, die sie in ihrer grossen Tasche mitgenommen hatte, den Damen zugeordnet waren. Und in der Untersuchung gestand sie, nicht das erste Mal gestohlen zu haben.

Schon zwischen 2014 bis Mitte 2017, sie arbeitete damals stundenweise als Freiwillige in diesem Seniorenzentrum, hatte sie sich hin und wieder in Betagtenzimmern bedient, rund ein Dutzend Mal: Hier ein Schmuckstück, dort eine 50er-Note. Gesamtschaden hier laut Anklage, soweit noch rekonstruierbar: 200 bis 500 Franken. Diese Taten kamen nur deshalb ans Licht, weil sie rundum geständig war. Warum sie gestohlen hatte, konnte sie vor Gericht nicht sagen. Sie wisse es nicht mehr, bereue aber ihre Taten, es tue ihr leid. Einen Entschuldigungsbrief hatte sie schon vor der Gerichtsverhandlung ans Seniorenzentrum geschickt.

Schlecht integriert, hier wie dort

Vor Gericht sagt die Frau nicht viel, die Fragen des Richters übersetzt eine Dolmetscherin. Obschon sie mehr als die Hälfte ihres Lebens in der Schweiz verbracht hat, ist ihr Deutsch nicht das beste. Mit 20 kam sie aus Serbien, ohne Ausbildung, sie heiratete, hatte jung einen Sohn, dann die Scheidung. Der Sohn ist heute 24-jährig, der Kontakt zwischen ihm und der Mutter ist lose, zu ihrer Schwester in Serbien hat sie gar keinen Bezug.

Hin und wieder fährt sie zwar ferienhalber in die frühere Heimat. Erst kürzlich wieder, sie habe im Hotel gewohnt, sagt sie. Wenn sie in der Schweiz ist, arbeitet sie unregelmässig als Reinigungskraft, meist nicht vollzeit, 20 Franken pro Stunde. Das Sozialamt schaut und zahlt, dass sie Geld zum Leben hat. Der Richter wird am Schluss der Verhandlung sagen, sie sei da wie dort, in Winterthur wie in Serbien, nicht sehr integriert. Ein Landesverweis sei vertretbar, ein Härtefall liege nicht vor.

Die Folgen der «SVP-Ausschaffhungsinitiative»

Die eigentliche Strafe für ihre Diebstähle und den Hausfriedensbruch ist nicht eben hoch: 12 Monate bedingt mit 3 Jahren Bewährungszeit forderte die Anklage. 8 Monate bedingt mit 2 Jahren Probezeit urteilt das Gericht. Entscheidender ist die drohende Landesverweisung. Hier verlangt die Anklage 10 Jahre, und der Verteidiger versucht, seine Mandantin vor diesem Schicksal zu bewahren. Er will all die Taten von 2014 bis 2018 als Einheitstat verstanden wissen, wobei sie den Entscheid dazu schon 2014 gefällt habe. Damals gab es die strenge Ausweisungspraxis noch nicht, die erst im Oktober 2016 als Folge der SVP-Ausschaffungsinitiative eingeführt wurde. Also könnte seine Mandantin jetzt nicht ausgewiesen werden.

Doch das Gericht entscheidet anders: Eine Ausweisung sei zwingend bei diesem Straftatbestand. Doch fünf Jahre seien ausreichend, es brauche keine zehn Jahre. Der Verteidiger zieht sogleich die Berufung an die nächste Instanz, das Obergericht, in Erwägung. Die 45-Jährige wird also noch ein paar weitere Monate hier leben dürfen.

Erstellt: 16.09.2019, 10:54 Uhr

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