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Frühstart in die Politik

Valérie Bosshart ist das jüngste Mitglied im neuen Zürcher Jugendparlament. Wenn es am 24. März zum ersten Mal tagt, will sich die 12-jährige Winterthurerin für den Tierschutz stark machen. Ihre Zukunft sieht sie aber nicht in der Politik.

Valérie Bosshart fährt als jüngste Jugendparlamenterierin nach Zürich. Dass sie sich für Politik interessiert, liegt auch an ihrer Lehrerin.
Valérie Bosshart fährt als jüngste Jugendparlamenterierin nach Zürich. Dass sie sich für Politik interessiert, liegt auch an ihrer Lehrerin.
Marc Dahinden

Wie ein Profi meistert Valérie Bosshart ihren ersten Medientermin. Zum Treffpunkt am Bahnhof Winterthur ist sie alleine angereist. Hellwach schaut sie den Journalisten und Fotografen an, lächelt freundlich, gibt die Hand. Das Foto auf dem Perron ist schnell gemacht, und auf die Interviewfragen antwortet sie gekonnt. Ihre Mutter hat ihr zuhause probehalber ein paar Fragen gestellt. «Ich bin gerne vorbereitet», sagt Valérie. Zum Beispiel dann, wenn jemand wissen will, wie eine 12-Jährige dazu kommt, in die Politik einzusteigen.

Dass sie sich dafür interessiert, hat viel mit ihrer Lehrerin zu tun. Sie heisst Marlies Bänziger, sass im Winterthurer Gemeinderat und von 2007 bis 2011 im Nationalrat. Dazwischen präsidierte sie die Grünen des Kantons Zürich. Im Unterricht hat Valérie schon viel über Politik gelernt. Die Wahl von Bundesrat Ignazio Cassis hat sie im Klassenzimmer verfolgt. Im Herbst reiste die Klasse nach Bern. Dort sah sie sich das Bundeshaus an und traf den höchsten Schweizer, Jürg Stahl.

Als sich kurz darauf eine Schulfreundin für das Zürcher Jugendparlament anmeldete, zog Valérie nach, noch bevor sie am 19. Januar ihren 12. Geburtstag feierte. Wenn sich am 24. März in Zürich die Türen zum Rathaus öffnen und das neue Zürcher Jugendparlament zum ersten Mal tagt, wird sie das jüngste der rund 80 Mitglieder sein.

Grünes Elternhaus

Politik ist auch bei ihr zuhause in Winterthurer-Brühlberg allgegenwärtig. Valérie: «Mein Vater legt mir immer Zeitungsartikel, die mich interessieren könnten, auf den Tisch.» Häufig geht es um Umweltthemen. Ihre Eltern – beide Lehrer und Grüne – hätten ihr erklärt, wie wichtig die Sorge zur Natur sei. Die Familie besitzt kein Auto. Milch und Eier werden auf dem Bauernhof eingekauft, Früchte gibt es nur saisonale und Fleisch eher selten. «Damit ich nicht zu viel Fleisch esse, schreibe ich es jedes Mal auf», sagt Valérie. Auf Nutella verzichte sie. «Wegen dem Palmöl.»

Für die Umwelt wolle sie sich auch im Jugendparlament einsetzen. Den ÖV solle man ausbauen, sagt Valérie, dafür die Treibhausgase und den Fleischkonsum reduzieren. In der ersten Parlamentssitzung will sie sich dem Thema Tierschutz annehmen.

Ihr Lieblingstier ist der Katta, ein Lemurenäffchen aus Madagaskar. In Ostafrika hat Valérie acht Monate lang mit ihren Eltern und den beiden Schwestern (8 und 13) gelebt. «Die Armut der Einheimischen hat mich sehr geprägt», sagt sie, während sie die Augenbrauen zusammenzieht und nickt.

Bekennende Leseratte

Auf Vorbilder angesprochen, schüttelt Valérie den Kopf. Poster von Stars findet man in ihrem Zimmer keine. Ein TV-Gerät haben sie nicht. Ihre Freizeit verbringt sie mit Klavierspielen, Rock n‘ Roll-Tanzen und Lesen. «Ich bin eine Leseratte», sagt sie. Sie mag Fantasyromane. Jedes Harry-Potter-Band habe sie schon mindestens fünf Mal gelesen. Ihr Lieblingsfach ist allerdings nicht Deutsch, sondern Mathematik.

Die anstehenden Abstimmungen interessieren Valérie nicht gross. «No Billag» sagt ihr nicht viel, über die Lehrplan-Initiative weiss sie, dass sie ihre Eltern betrifft. Und anhand der Plakate, die sie auf ihrem Schulweg sieht, hat sie mitbekommen, dass in Winterthur gewählt wird. Jürg Altwegg heisse der Kandidat der Grünen.

Früh und viel geredet

Erste politische Erfahrungen hat Valérie als Vorsitzende des Schülerparlaments gesammelt. Nun also der nächste Schritt ins Jugendparlament. Dort wolle sie erstmal zuhören und schauen, was auf sie zukomme. Und ja, wenn nötig, werde sie auch das Wort ergreifen. Zuzutrauen ist es der selbstbewussten Schülerin. Vor Leute hinzustehen, bereite ihr keine Mühe, sagt Valérie. Sie habe schon als kleines Kind früh und viel geredet, sagt sie und lächelt.

Über politische Ziele und Ämter hat sie sich noch keine Gedanken gemacht.

Konkreter sieht sie ihre schulische und berufliche Zukunft. Anfang März legt sie die Gymiprüfung ab. Und dann, das wisse sie seit dem letzten Zukunftstag, wolle sie Medizin studieren und Zahnärztin werden.

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