Radikalisierung

Freigelassener An’Nur-Präsident will von nichts gewusst haben

Der Präsident der umstrittenen An’Nur-Moschee will nicht für den angeblichen Mordaufruf seines Imams verantwortlich sein. Die fragliche Predigt habe dieser zudem aus dem Internet heruntergeladen.

Am 2. November wurden bei einer Razzia in der An’Nur-Moschee mehrere Personen verhaftet.

Am 2. November wurden bei einer Razzia in der An’Nur-Moschee mehrere Personen verhaftet. Bild: Keystone

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Seit gut einer Woche ist I.H., Interimspräsident der An’Nur-Moschee, wieder auf freiem Fuss. Das Verfahren gegen ihn und drei weitere Beschuldigte wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen und Gewalt läuft laut Staatsanwaltschaft jedoch weiter. Der Beschuldigte wurde freigelassen, weil seine Befragung weitgehend abgeschlossen ist und deshalb keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht.Nun hat I.H. erstmals gegenüber den Medien Stellung genommen – und stellt sich als völlig unschuldig dar. «Es gibt keine Beweise gegen mich. Deshalb bin ich wieder auf freiem Fuss», sagte der Vereinspräsident gegenüber dem «Blick». Er trage keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Predigt, die am 2. November zu einer Razzia in der An’Nur-Moschee geführt hat. Laut Staatsanwaltschaft soll deren Imam Sheikh Abdurrahman in einer Predigt am 21. Oktober zum Mord an denjenigen Muslimen aufgerufen haben, die sich weigern, am gemeinsamen Gebet teilzunehmen.

«Imam kann kein Arabisch»

Der Vereinspräsident sagt, er sei zu diesem Zeitpunkt nur für das Administrative und Finanzielle zuständig gewesen. Den Mordaufruf des Imams erklärt sich I.H. mit dessen mangelnden Sprachkenntnissen: «Der Imam ist Äthiopier und kann kein Arabisch. Er hat sich einfach eine unpassende Rede aus dem Internet heruntergeladen und wusste nicht, was er sprach.» Eine paradoxe Situation, denn die An’Nur-Moschee ist das einzige islamische Gotteshaus in Winterthur, in dem die Freitagspredigt auf Arabisch gehalten wird. Aus diesem Grund wird sie von vielen Gläubigen aus Nordafrika und dem Nahen Osten frequentiert.

Die Moschee in Hegi wird seit längerem verdächtigt, eine aktive Rolle bei der Radikalisierung junger Muslime zu spielen. Einige Jugendliche, die in der An’Nur-Moschee verkehrt sind, sollen später in syrische Kriegsgebiete gereist sein. Einer der lautesten Kritiker der Moschee ist Journalist und Syrien-Kenner Kurt Pelda. Laut Pelda betreibt der IS im Moschee-Umfeld eine Terrorzelle. Die Radikalen sässen aber weder im Vorstand noch im Präsidium. «Es handelt sich um eine ganze Reihe von Predigern und Gebetsleitern, die sich aktiv in der Moschee oder ausserhalb mit Jugendlichen treffen und diese zu radikalisieren versuchen», sagte Pelda bereits im November letzten Jahres. Diese Gesprächskreise würden von der Moscheeleitung toleriert.

Radikalisierung im Internet

Im Gespräch mit dem «Blick» nimmt Vereinspräsident I.H. teilweise auch zu diesen Vorwürfen Stellung. Er gibt zwar zu, die radikalisierten Jugendlichen zu kennen. Jedoch habe er nichts von ihrer Radikalisierung bemerkt. «Man kann nie wissen, warum jemand so wird. Es könnten Videos auf Youtube gewesen sein, die sie zur Dschihad-Reise bewogen haben.» (maf)

Erstellt: 15.12.2016, 15:49 Uhr

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