Niederglatt

Flugpassagiere werden mit AKW-Hinweis begrüsst

Beim Anflug auf Kloten staunen dieser Tage viele Fluggäste: Auf einem Feld vermittelt Greenpeace eine beklemmende Botschaft.

Das AKW in Beznau ist gut 20 Kilometer von Niederglatt entfernt.

Das AKW in Beznau ist gut 20 Kilometer von Niederglatt entfernt. Bild: Keystone

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Es ist eine Sehenswürdigkeit der etwas anderen Art: Seit gestern Morgen weist ein riesiger Wegweiser am Flughafen auf den «World’s oldest nuclear reactor» hin. «Welcome to Switzerland», begrüsst die Umweltorganisation Greenpeace ankommende Flugpassagiere. Die Botschaft auf einem Feld unter der Abflugschneise soll darauf aufmerksam machen, dass in einer Entfernung von lediglich 22?Kilometern das weltweit älteste Atomkraftwerk steht: der 1969 erbaute Reaktor Beznau 1. «Viele Leute können fast nicht glauben, dass wir in der Schweiz das älteste Atomkraftwerk haben», sagt Kampagnenleiter Christian Engeli. «Das ist peinlich für den Technologiestandort Schweiz.»

Stillstand wegen Mängeln

Mit der Aktion möchte Greenpeace Einfluss auf die Debatte rund um die Atomenergie nehmen. Demnächst stehen diverse brisante Entscheidungen an: Eine der beiden Anlagen in Beznau ist seit mehr als einem Jahr ausser Betrieb, weil die Aufsichtsbehörde Ensi Materialfehler festgestellt hat, welche die Sicherheit beeinträchtigen könnten. Der Stromkonzern Axpo, der das AKW betreibt, will es diesen Sommer oder Herbst wieder in Betrieb nehmen. Ob die Bewilligung erteilt wird, ist unsicher.

Klar ist unterdessen jedoch, dass Mühleberg 2019 vom Netz gehen muss. Und im Herbst soll die Initiative der Grünen zur Abstimmung kommen, welche eine maximale Betriebszeit von 45?Jahren verlangt. Das Parlament lehnt die Beschränkung zwar ab. Doch sollte das Volk anders entscheiden, wäre das Ende von beiden Beznauer Reaktoren nah.

Am Flughafen nimmt man die Aktion gelassen. Reaktionen vonseiten von Passagieren oder Personal seien keine eingegangen, teilt Mediensprecherin Sonja Zöchling mit. «Die Botschaft richtet sich nicht gegen den Flughafen, sondern gegen das AKW.» Dass der Flughafen so nahe bei einem angejahrten Kraftwerk lokalisiert ist, sieht man dort nicht als Problem: «Die Betreibergesellschaft muss die Sicherheitsvorgaben der Bundesbehörden einhalten.»

Zustupf für Bauern

Greenpeace hat die Werbefläche bei der aargauischen Firma Feldwerbung gebucht, welche auch schon für Produkte wie Victor­inox-Sackmesser oder Agrola-Öl warb. Meist werden die Schriftzüge mit farbigen Blumen gestaltet. Für eine zweiwöchige Kampagne wie die aktuelle wachsen die Pflanzen jedoch zu langsam. Deshalb wählte man eine umweltverträgliche Lebensmittelfarbe. Sie ist nicht wetterbeständig und muss regelmässig aufgefrischt werden.

Geschäftsführer Thomas Stutz ist selber gelernter Landwirt und hat vor gut 10 Jahren dieses neue Geschäftsfeld entdeckt. «Die Bauern werden stets aufgefordert, initiativ zu sein», sagt Stutz. Es sei eine Tragödie, dass die Produktion von Nahrungsmitteln kaum mehr rentiere. Der Niederglatter Bauer, der das Stück Land zur Verfügung gestellt hat, könne so einen Zusatzverdienst erwirtschaften. Auf dem 100 auf 150 Meter grossen Grundstück wird bereits im Mai wieder Mais gesät. Die Kampagne jedoch läuft weiter: Auf der Greenpeace-Webseite kann jedermann die Distanz von Beznau zu seinem Wohnort berechnen lassen. ()

Erstellt: 19.04.2016, 11:35 Uhr

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