Rapperswil-Jona

Federers Baupläne sorgen für Aufsehen

Roger Federer baut sich in Rapperswil-Jona ein Luxus-Anwesen. Das bewegt die Menschen weit über die Region hinaus. Der hiesige Tourismus-Chef träumt schon vom ganz grossen Coup.

Momentan hat Federer seinen Wohnsitz noch im bündnerischen Valbella. Künftig dürfte jedoch Rapperswil-Jona der zivilrechtliche Wohnsitz des Tennisstars sein.

Momentan hat Federer seinen Wohnsitz noch im bündnerischen Valbella. Künftig dürfte jedoch Rapperswil-Jona der zivilrechtliche Wohnsitz des Tennisstars sein. Bild: Keystone

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Die Nachricht der «Linth-Zeitung», dass Tennis-Superstar Roger Federer an den Zürichsee ziehen will, sorgte landesweit für Schlagzeilen: Verschiedene nationale (Boulevard-)Titel widmeten ihr die besten Plätze auf ihren Webseiten. Am Donnerstag zog der «Blick» mit mehr als zweieinhalb Seiten im Sportteil nach. In den Kommentarspalten und den sozialen Netzwerken generierte die Meldung Tausende von Kommentaren.

Berechtigte Kritik oder Neid?

Federer erhält dort viel Lob: dafür, dass er nicht in ein Steuerparadies wie Monaco zieht. Für seine Bodenhaftung. Für seine Liebe zur Schweiz. Und natürlich für seine sportlichen Leistungen sowie dafür, dass er ein hervorragender Botschafter für unser Land sei. Der Tenor ist klar: Roger Federer hat sich diesen Luxus verdient.

In die Lobeshymne schleichen sich aber auch negative Töne. So kritisieren manche Online-Leser, dass die Familie Federer 16'000 Quadratmeter Bauland für sich beanspruche. «Die Schweiz hat definitiv nicht genügend Reserven, um so verschwenderisch damit umzugehen», ist ein Kommentator überzeugt.

Zu diesem Vorwurf sagt der städtische Bauchef Thomas Furrer: Es sei begreiflich, dass an diesem Ort, einer Villenzone am Stadtrand, so gebaut werde. «Aus übergeordneter raumplanerischer Sicht ist das ein Spezialfall», erklärt er den Widerspruch zum grundsätzlichen Gebot der haushälterischen Bodennutzung.

«Das Projekt begeistert mich enorm. Es könnte nicht schöner sein.»SVP-Nationalrätin und Nachbarin Barbara Keller- Inhelder

Andere Online-Leser monieren, Federer baue sich ein weiteres Haus, in dem er sich ja doch nie aufhalten werde, weil er ständig um die Welt jette. Auch die Frage, ob die Seeufer nicht per Gesetz der Öffentlichkeit erhalten bleiben sollten, wird in den Kommentarspalten diskutiert.

In Rapperswil-Jona selber will man von dieser Kritik nichts wissen. «Das Projekt begeistert mich enorm. Es könnte nicht schöner sein», lässt sich SVP-Nationalrätin und Nachbarin Barbara Keller- Inhelder zitieren. «Die Seesicht bleibt uns erhalten.» Tennis-Kommentator Stefan Bürer wie auch Vertreter von Quartierverein und des lokalen Tennisklubs: Alle heissen sie die Federers im «Blick» schon jetzt herzlich in der Rosenstadt willkommen.

Auf der Höhe der Zürcherstrasse 191 liegt das begehrte Areal: Das 16'000 Quadratmeter grosse Grundstück in Kempraten. Bild: Archiv Moritz Hager

Tourismus-Chef darf träumen

Frohlocken kann ab der Meldung auch Simon Elsener, Tourismus-Chef von Rapperswil-Jona. Er habe nach der Bekanntmachung eine Handvoll Anrufe aus allen Ecken der Schweiz bekommen. «Bekannte und erfolgreiche Persönlichkeiten wohnen an den schönsten Orten der Welt. Wenn dies für Roger Federer Rapperswil-Jona am Zürichsee ist, ist das natürlich beste Werbung für die ganze Region.» Allzu euphorisch will Elsener dann doch nicht werden: «Um Federer in eine Werbekampagne für unsere Tourismusregion einzuspannen, dürfte uns das Budget fehlen», sagt er.

Auch sei es nicht möglich, nach Belieben mit dem prominenten Zuzug zu werben: «Sein Name ist als Marke natürlich rechtlich geschützt», weiss Elsener. Trotzdem werde er sich als Tourismus-Chef sicher um ein Treffen mit Federers Management bemühen, sobald sein Zuzug in Rapperswil-Jona offiziell wird. Und ein wenig ins Träumen sei er nach Bekanntwerden der Nachricht natürlich doch gekommen: «Ein Grand Slam in Rapperswil-Jona mit Federer als Organisator und allen Grössen der Weltrangliste bei uns in der Stadt, das wäre doch etwas», sagt er und lacht. «Gäste aus aller Welt, ausgebuchte Hotels, Fernsehbilder der Stadt in Dutzenden Ländern – klar, dass das ein absolutes Highlight wäre.» Und auch wenn es zurzeit noch nicht mehr als eine Vision ist: Gänzlich ausschliessen will Elsener einen solchen Coup für die Zukunft nicht.

Tiefere Steuern möglich

Freuen dürften sich auch die Steuerzahler. Wie der Zuzug Federers sich finanziell auf die Stadt und den Kanton St. Gallen auswirkt, ist aber noch nicht klar abschätzbar. Wie viel Steuern Federer zahlen wird – dessen Vermögen von Finanzmedien auf zwischen 400 und 600 Millionen geschätzt wird –, hängt auch davon ab, ob sein Lebensmittelpunkt in Kempraten sein wird. Darauf deutet aufgrund der Art des Bauprojekts einiges hin. Zurzeit hat Federer seinen zivilrechtlichen Wohnsitz in Valbella – er verbringt aber auch viel Zeit in seinem zweiten Domizil in Dubai.

Klar ist: Eine Pauschalbesteuerung ist nicht möglich. Diese ist laut Steueramt seit einer Verschärfung der Bestimmungen 2016 nur noch bei Ausländern erlaubt. Unabhängig vom Fall Federer sagt Stadtpräsident Martin Stöckling: «Theoretisch wäre bei einem Zuzug eines sehr wohlhabenden Einwohners eine Steuersenkung um ein paar Prozent möglich.» Es stelle sich allerdings die Frage der Nachhaltigkeit. «Aktuell ist unsere Steuerkraft relativ breit verteilt», so Stöckling. «Wir hängen nicht von einzelnen Steuerzahlern ab.»

Erstellt: 22.03.2019, 10:28 Uhr

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