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Erforschen, warum Mütter stillen

Eine neue Stiftungsprofessur an der Universität Zürich erforscht die Beweggründe stillender Mütter und den Einfluss der Muttermilch auf die Entwicklung der Kinder.

Wie entwickeln sich Kinder, die gestillt wurden? Das erforscht eine neue Professur an der Universität.
Wie entwickeln sich Kinder, die gestillt wurden? Das erforscht eine neue Professur an der Universität.
Keystone

Man weiss, dass sich Stillen positiv auf die Gesundheit eines Babys auswirkt. Wenig ist jedoch bekannt über die Beweggründe stillender Mütter und wie sich deren Kinder und Jugendliche entwickeln. Damit werden sich ab Herbst Ökonomen der Universität Zürich beschäftigen im Rahmen einer neuen Stiftungsprofessur am Institut für Volkswirtschaftslehre.

Auf den ersten Blick hat Stillen wenig mit Ökonomie zu tun. Das sei aber ein Trugschluss, sagt Ernst Fehr, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre gestern vor den Medien. Die modernen Wirtschaftswissenschaften untersuchten schon lange, was Menschen glücklich und gesund mache. «Uns interessiert, wie Kinder zu kreativen, gesunden und sozialen Gesellschaftsmitgliedern werden», sagt Fehr. Daher sei einer der Forschungsschwerpunkte seines Instituts die Kinder- und Jugendentwicklung. Dort setzt die neue Professur an, die sich spezifisch auf das Stillen konzentriert.

Stabilere Persönlichkeiten?

«Es ist möglich, dass gestillte Kinder eine gute emotionale Bindung zu ihren Müttern entwickeln und später zu emotional stabileren Persönlichkeiten werden», sagt Fehr. Für solche Fragestellungen habe die Ökonomie geeignete Instrumente erarbeitet.

Da keine Experimente durchgeführt werden können, müssten die Forscher in der Gesellschaft zufällige Bedingungen erspähen, welche die Isolierung einer Ursache – des Stillens – möglich machen. Als Beispiel nennt Fehr die Verteilung von Hebammen auf die Mütter in einer Region. So entstehen statistisch identische Gruppen, die sich vergleichen liessen.

Interessant seien auch die unterschiedlichen Kontexte in Entwicklungs- und Industrieländern, sagt Fehr. Die WHO rate etwa mit dem AIDS-Virus infizierten Frauen vom Stillen ab. «Wird aber bewiesen, dass die Alternative – Pulvermilch in schmutzigem Wasser – noch schlechter wäre, könnte sich das ändern.»

Im Herbstsemester 2018 wird die neue Professur mit einer Assistenzprofessorin oder einem -professor besetzt. Fehr sagt, es sei bereits eine Auswahl getroffen worden, er könne aber noch keine Namen nennen.

Hinter der Schenkung von 10 Millionen Franken für die Stiftungsprofessur und den dazugehörigen Forschungsfonds steht die Zuger Larsson-Rosenquist Familienstiftung (siehe Kasten). Es ist bereits die zweite Professur, welche die Stiftung in Zürich finanziert. 2015 hat die Stiftung 20 Millionen Franken investiert in die medizinische Erforschung von Muttermilch. Die erste Professur ist noch nicht besetzt, wie Uni-Rektor Michael Hengartner gestern sagte. Die Wunschkandidatin habe abgesagt. Die Stelle werde als Assistenzprofessur nochmals ausgeschrieben.

Für Politik und Mütter

Neben den beiden Professuren in Zürich fördert die Stiftung auch andernorts die Erforschung der Muttermilch, etwa in Yale, Westaustralien und Kalifornien. Man wolle den Forschern Impulse und eine Plattform zur Vernetzung zur Verfügung stellen, sagte gestern Katharina Lichtner, Geschäftsleiterin der Stiftung. Auf die konkrete Forschung haben die Geldgeber jedoch keinen Einfluss, wie Hengartner betonte.

Die zweite Professur in Zürich sei ein Meilenstein, da es das weltweit erste sozioökonomische Zentrum zum Thema sei, sagte Lichtner. Zudem könne diese Forschung direkt Anregungen für Politik und Gesundheitswesen geben. Die Stiftung wolle gewonnene Erkenntnisse auch Müttern bereitstellen, die vor der Entscheidung stehen zu stillen oder nicht.

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