Wahlen

Er sieht die Energiewende als Chance

Martin Neukom will für die Grünen den vor vier Jahren verlorenen Regierungsratssitz zurückerobern. Der 32-Jährige setzt auf die Energiewende.

Martin Neukom bringt ein solarbetriebenes Handyladegerät mit: «Wir müssen den Rahmen so setzen, dass sich die guten Technologien entwickeln.»

Martin Neukom bringt ein solarbetriebenes Handyladegerät mit: «Wir müssen den Rahmen so setzen, dass sich die guten Technologien entwickeln.» Bild: Claudio Thoma

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Als Treffpunkt schlägt Martin Neukom ein Café im Winterthurer Sulzer-Areal vor. Gleich in der Nähe ist die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), wo der Regierungsratskandidat der Grünen an seiner Dissertation arbeitet.

Auch zur Start-up-Firma, für die er Solartechnologie mitentwickelt, ist es nicht weit. Neukom bringt ein Ladegerät für Handys mit, das mit zusammenrollbaren Solarzellen auf einer Folie Strom erzeugt. «Da steckt viel Wissen drin. Das kann nicht eine Firma allein herstellen», sagt der Regierungsratskandidat.

Das Zusammenwirken von Forschung und Start-up-Firmen für grüne Technologien sieht er als symbolträchtig für die Zukunft des Kantons Zürich. Damit Zürich die Chancen, die die Energiewende biete, besser nutze, will der 32-Jährige nun Regierungsrat werden.

Erneuerbare Energie ist sein grosses Thema, nicht nur beruflich und als Forscher. Auch im Kantonsrat, dem er seit 2014 angehört, erreichte er seinen bisher grössten politischen Erfolg auf diesem Gebiet: Der Rat überwies gegen die Stimmen von FDP und SVP ein Postulat Neukoms, aufgrund dessen der Kanton bei all seinen Gebäuden prüft, ob sich Solaranlagen lohnen – und entsprechend nachrüstet, falls dem so ist. Die 120 bestgeeigneten Dächer werden nun mit Solaranlagen versehen.

Für Neukom zeigt dieses Beispiel zweierlei. Erstens: «Man kann auch als Grüner im Kanton Zürich etwas erreichen.» Zweitens: «FDP und SVP sind nicht mal dann für die Energiewende, wenn es sich lohnt.» Zwei Erkenntnisse, aus denen er Motivation für den Wahlkampf schöpft. Neukom ist überzeugt, auch im Regierungsrat Mehrheiten für innovative Lösungen schmieden zu können. Zum Teil fehle es in dem Siebnergremium bislang bei Ökologiethemen schlicht an Wissen. «Vieles fällt deswegen unter den Tisch», sagt Neukom. Dies wolle er ändern.

«Leute bereit für Neues»

Die Chance für einen Wandel sei da. Zwar wurde der letzte Regierungsrat der Zürcher Grünen, Martin Graf, vor vier Jahren als Justizminister abgewählt. Hintergrund war die Affäre um einen jugendlichen Straftäter mit dem Pseudonym Carlos.

Doch seither legten die Grünen bei den Kommunalwahlen 2018 im Kanton Zürich wieder zu. Und dass jüngst in der Schweiz Zigtausende junge Leute für Massnahmen gegen die Klimaerwärmung demonstrierten, lässt ihn ebenfalls hoffen: «Die Ausgangslage ist gut. Die Leute sind bereit für etwas Neues», sagt Neukom. Bei der ersten NZZ-Wahlumfrage lag er Ende Januar auf Platz 8, gleich hinter dem ebenfalls neu antretenden FDP-Kandidaten Thomas Vogel.

Mit 32 Jahren wäre Neukom einer der jüngsten Regierungsräte, die es je gab. Angst, dass er deswegen nicht ernst genommen werden könnte, habe er nicht. Aber Respekt vor dem Amt und dem Leiten einer Direktion mit Tausenden Angestellten – das schon.

«FDP und SVP sind nicht mal dann für die Energiewende, wenn es sich lohnt.»

Martin Neukom?
Regierungsratskandidat Grüne

Wobei er anfügt, dass auch andere schon in ähnlich jungen Jahren Regierungsverantwortung übernahmen. Markus Notter von der SP etwa, der 1996 mit 36 Jahren Zürcher Regierungsrat wurde. Oder der aktuelle österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz: «Der ist noch einen Monat jünger als ich.»

Erste politische Führungserfahrung sammelte Neukom vor über zehn Jahren: Von 2008 bis 2012 war er Präsident der Jungen Grünen Schweiz. «Der Klimawandel hat mich politisiert», sagt der Winterthurer, der in der Altstadt als Einpersonenhaushalt eine 2,5-Zimmer-Wohnung bewohnt – mit Fernwärme. Es sei aber nie sein Ziel gewesen, Karriere als Politiker zu machen. Wenn sich spannende Gelegenheiten ergaben, habe er einfach zugegriffen, angetrieben von Neugier und dem Willen, etwas zu bewegen.

Drei Ressorts im Visier

2018 wählten ihn die Grünen als Regierungsratskandidaten, nachdem andere Parteigrössen abgesagt hatten. Die Kandidatur erschien Neukom nicht zuletzt auch deshalb spannend, weil am 24. März mit Baudirektor Markus Kägi (SVP) und Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) zwei Bisherige nicht mehr antreten. Speziell die Baudirektion würde ihn reizen. «40 Prozent der CO2-Immissionen im Inland stammen aus Gebäuden», erklärt er.

Und da Gebäude in der Hoheit des Kantons lägen, liesse sich auf diesem Gebiet viel erreichen. Der Umstieg von Öl und Gas auf erneuerbare Energien sei nicht nur notwendig, sondern auch eine wirtschaftliche Chance: «Wir müssen den Rahmen so setzen, dass sich die guten Technologien entwickeln und dann exportiert werden können», lautet sein Credo.

Auch für die Gesundheitspolitik hat er Ideen: Neukom will das Hausarztmodell stärken. Das sei günstiger, als wenn jeder gleich zum Notfalldienst des nächsten Spitals gehe. Auch die Konkurrenz unter den Spitälern gelte es zu entschärfen. Sie führe dazu, dass eher die rentablen Behandlungen und nicht die guten gemacht würden.

Nach seinen Hauptzielen als Regierungsrat gefragt, nimmt er an dritter Stelle die Bildungspolitik ins Visier: Er würde darauf achten, dass in der Bildung die Kreativität gefördert werde. Denn diese sei auch in einer zunehmend digitalisierten Welt unersetzlich.

Erstellt: 21.02.2019, 08:31 Uhr

Spider von Martin Neukom. Umweltschutz zuerst. Ein strenges Rechtssystem spielt dagegen keine Rolle.

Lob

«Man kann gut mit Martin Neukom zusammenarbeiten. Er ist sehr offen, wenn es gilt, über die Parteigrenzen hinaus Lösungen zu finden. Natürlich vertritt er konsequent seine Anliegen als Grüner. Aber in der Kommunikation ist er sehr kompromissorientiert.»

Sonja Rueff-Frenkel
FDP-Kantonsrätin

Tadel

«Martin Neukom ist ein Theoretiker. Er meint, mit Liebe und Ökologie schaffen wir alles und könnten die Welt oder zumindest die Schweiz innert einem Jahr CO2-neutral machen, ohne dass es eine Versorgungslücke gäbe. Manchmal denke ich: Wach auf, Junge!»

René Isler
SVP-Kantonsrat

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