Wiesendangen

Er fuhr mit einem Affenzahn über die Autobahn

Ein 34-jähriger Deutscher bretterte im Februar dieses Jahres auf der A7 bei Wiesendangen mit fast 250 km/h in Richtung Konstanz. Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte ihn zu einer bedingten Haftstrafe.

Mit 249 km/h raste ein Deutscher über die A7 bei Wiesendangen.

Mit 249 km/h raste ein Deutscher über die A7 bei Wiesendangen. Bild: Urs Jaudas

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Er wirkte klein, schmächtig und schüchtern. Und wenn ihn die Richterin am Bezirksgericht Winterthur gestern etwas fragte, so antwortete er kaum hörbar. Was trieb diesen eher gehemmten 34-jährigen Deutschen dazu, plötzlich so ungehemmt zu fahren? Aus welchem Grund raste er im Februar dieses Jahres kurz nach Mitternacht mit seinem getunten Seat Leon ST Cupra mit 249 km/h – statt den erlaubten 120 km/h – über die A7 bei Wiesendangen in Richtung Konstanz?

«Ich war damals in Gedanken versunken, weil ich Probleme hatte»Der Beschuldigte

War es, weil er seiner Schweizer Freundin imponieren wollte, die neben ihm sass? Oder war es einfach nur, weil er schnelle Autos liebte – und den Temporausch? Der Angeklagte zuckte die Schultern. Er wisse es nicht, sagte er der Richterin, die ihn nach den Motiven für seine krasse Geschwindigkeitsübertretung befragte. «Ich war damals in Gedanken versunken, weil ich Probleme hatte», fügte er lediglich an. Klar ist, dass er in dieser Februarnacht ziemlich rasch aus seiner Gedankenwelt wieder auf den Boden der Realität gerissen wurde. Denn nur wenige Minuten später war die Raserfahrt endgültig beendet. Die Thurgauer Kantonspolizei hatte den Mann in Frauenfeld-West aus dem Verkehr gezogen, in Haft gesetzt, den Führerausweis entzogen – und das Auto beschlagnahmt.

Raser ist mit Velo unterwegs

Gestern gab sich der Raser reuig. «Es war ein sehr, sehr grosser Fehler», sagte der Angeklagte zur Richterin. Zudem habe ihn damals seine Freundin ja sogar noch darauf hingewiesen, dass er zu schnell unterwegs sei.

Der im Raum Basel wohnhafte Deutsche fährt derzeit mit dem ÖV und dem Velo zur Arbeit. Doch irgendwann möchte er schon wieder Auto fahren, liess er durchblicken. Die Richterin machte ihm jedoch klar, dass das dauern könne und dass eine verkehrspsychologische Untersuchung Voraussetzung sei, um wieder in den Besitz des Führerausweises zu kommen.

 «Es ist einfach schön, eins von diesen Sondermodellen einer limitierten Auflage fahren zu dürfen»Der Beschuldigte

Unabhängig davon versuchte der Angeklagte, sich dem Gericht als routinierten Autofahrer zu verkaufen. Er sei in seinem Leben bisher eine Million Kilometer gefahren, hielt er fest. Vor allem während seiner Zeit als Berufsmilitär habe er im Auto oft lange Strecken zurückgelegt. «Damals ist ihnen allerdings auch ein Unfall passiert», erinnerte ihn die Richterin. «Sie sind vor zehn Jahren zu schnell in eine Linkskurve gefahren.»

Freude an getunten Autos

Der Angeklagte nickte. «Ja, das stimmt. Und alkoholisiert war ich auch.» Er sei damals aber allein gefahren und habe sich zum Glück nur leichte Verletzungen zugezogen. Der Mann machte im Verlauf des Prozesses dann aber auch keinen Hehl aus seiner Leidenschaft für schnelle Autos. «Es ist einfach schön, eins von diesen Sondermodellen einer limitierten Auflage fahren zu dürfen», sagte er über seinen getunten Seat, den er mittlerweile von der Staatsanwaltschaft wieder zurückerhalten hat.

«Stellen Sie sich mal vor, wenn bei dieser Geschwindigkeit ein Pneu geplatzt wäre.»Die Richterin

Nach kurzer Beratung folgte das Gericht dem Urteilsvorschlag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung und verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Der deutsche Staatsangehörige habe sich der vorsätzlichen qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gemacht, sagte die Richterin. «Stellen Sie sich mal vor, wenn bei dieser Geschwindigkeit ein Pneu geplatzt wäre.» Mit seiner Raserfahrt habe er sich und andere in Gefahr gebracht.

Erstellt: 11.07.2019, 20:52 Uhr

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