Zürich

EKZ stoppen Bau von Solaranlagen wegen bürgerlicher Macht in Bern

Solaranlagen ohne Subventionen rentieren nicht; deshalb verzichten die Elektrizitätswerke auf den Bau neuer Anlagen. Grund sind tiefe Strompreise und Mehrheiten im Nationalrat.

Fotovoltaikanlagen bringen hierzulande ohne Subventionen keinen Gewinn; die EKZ verzichten daher auf Investitionen.

Fotovoltaikanlagen bringen hierzulande ohne Subventionen keinen Gewinn; die EKZ verzichten daher auf Investitionen. Bild: Donato Caspari

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Auf der Homepage des grossen Energielieferanten lacht die Sonne: «Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) setzen seit Jahren auf die Kraft der Sonne und treiben den Bau neuer Anlagen voran», heisst es da in einem Bericht, der erst im vergangenen Frühling aufgeschaltet wurde. Und man wird aufgefordert, selber aktiv zu werden: «Vermieten Sie ihr Dach, Finanzierung der Fotovoltaikanlage inklusive Projektierungskosten übernehmen die EKZ», wird versprochen.

Genau das planten die Betreiber einer Tennishalle in Wila. Die Gespräche zwischen der Besitzerin und den EKZ seien weit fortgeschritten gewesen, erzählt der Präsident der Tennis und Squash Felsenegg AG, als die EKZ den Termin und die Pläne platzen liessen. Warum, wollten die enttäuschten Hallenbesitzer wissen.

Subventionstopf ist begrenzt

«Seit den Nationalratswahlen muss man davon ausgehen, dass eine Vergrösserung des Subventionstopfes nicht mehrheitsfähig ist», begründet die EKZ-Medienverantwortliche Dorothea Ditze die neue Strategie des Energiekonzerns. Ohne diese Subventionen sei «kein Projekt der erneuerbaren Energien wirtschaftlich». Mit Subventionen ist die sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) gemeint, die derzeit mit rund 750 Millionen Franken jährlich erneuerbare Energien fördert. Die Anzahl der Gesuche um KEV-Beiträge steigt jedes Jahr an, derzeit sind über 34 000 Projekte auf der Warteliste; dass die je abgebaut werden könnte, glaubt niemand mehr.

Kritik und Verständnis

Dass die EKZ mit Verweis auf tiefe Strompreise und politische Verhältnisse auf den Bau weiterer Solaranlagen bis auf weiteres verzichten, überrascht Andreas Dreisiebner nicht wirklich, aber enttäuscht sei er dennoch, sagt er. Der Seuzacher ist im Vorstand des Vereins Solarspar, der vor fünf Jahren eine Solaranlage aufs Eulachhallendach baute, ohne KEV-Gelder, wie er betont: «Dieser Honigtopf KEV ist endlich, man muss lernen, ohne ihn zu leben.» Die EKZ hätten die Möglichkeit, den Solarstrom im Strommix zu fördern, doch fehlten die Überzeugung und eine klare Strategie.

Felix Nipkow von der Schweizerischen Energiestiftung zeigt «ein gewisses Verständnis für den Entscheid der EKZ» – bedauerlich sei er dennoch. Es sei derzeit tatsächlich schwierig, rentabel zu investieren. Er rechne aber damit, dass das neu zusammengesetzte Parlament nicht alle Förderinstrumente kappen oder kürzen werde. Es brauche die KEV weiterhin.

Erstellt: 22.12.2015, 21:18 Uhr

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