Winterthur

«Eine gewisse Angst gehört dazu»

Karl’s Kühne­ ­Gassenschau startet am Donnerstag mit den Testvorstellungen von «Sektor 1». Regisseur Paul Weilenmann über ­Ängste, Anerkennung und 200 Tonnen Bühnenbild.

Sind wir alle dem Untergang geweiht? Bild aus der Probe von «Sektor 1», dem neuen Stück von Karl's Kühne Gassenschau.

Sind wir alle dem Untergang geweiht? Bild aus der Probe von «Sektor 1», dem neuen Stück von Karl's Kühne Gassenschau. Bild: Ernesto Graf

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Herr Weilenmann, sind Sie bereit für die erste Aufführung von «Sektor 1»?
Paul Weilenmann: Wir sind bereit. Ein bisschen zu kämpfen haben wir mit dem Regen, der in den letzten Tagen wirklich happig war. Das hat den Aufbau verlangsamt. Wir haben jetzt unser Team aufgestockt, um die Umgebungsarbeiten abzuschliessen. Solche Dinge gehören aber zum normalen Prozess.

Sind also keine wetterbedingten Absagen zu befürchten?
Normalerweise nicht, nein. Die Zuschauerränge sind ja gedeckt. Bei wirklich starkem Regen unterbrechen wir die Vorstellung kurzzeitig. Dass wir sie ganz verschieben, das ist in den letzten zehn Jahren nur zwei, drei Mal vorgekommen.

Die Produktion von «Sektor 1» hat fünf Millionen Franken ­gekostet. Sie haben 150 bis 200 Tonnen Material verbaut. Was erwartet die Zuschauer?
Wir behandeln wie immer ein aktuelles Thema, das die Zuschauer betrifft und interessiert. Dieses Mal wagen wir einen Blick in unsere ökologische Zukunft. Das Stück spielt in der Zukunft, was uns Raum für Fantasien gibt. Daneben wie immer: Spektakuläre Bühnenbilder, kleine und grosse Erfindungen und selbst komponierte Musik von der Live-Band.

In «Silo 8» flogen Luftschiffe, in «Fabrikk» fuhr die Bühne als Schiffscontainer davon. Die Erwartungen des Publikums sind entsprechend riesig. Beängstigt Sie das nicht manchmal?
Eine gewisse Angst ist immer vorhanden, die hatte ich schon vor 20 Jahren. Das gehört dazu. Jeder Künstler wird Ihnen bestätigen, dass Angst ein wichtiges Treibmittel im kreativen Prozess ist. Wir wollen uns davon aber nicht allzu fest beeindrucken lassen und umsetzen, was uns wichtig ist, woran wir Freude haben.

Gilt das auch für den Schweizer Theaterpreis, den Sie 2015 erhalten haben: Er ist für Sie mehr eine ­Bestätigung Ihrer Arbeit, ­weniger eine Verpflichtung?
Bestimmt beides, aber vor allem eine Bestätigung. Wir kommen ja vom volksnahen Strassentheater. Dafür vom Bundesamt für Kultur diese Anerkennung zu erhalten, ist nicht selbstverständlich und hat uns sehr gefreut.

Auch das Publikum bestätigt Sie. «Fabrikk» hatte unglaubliche 580 000 Zuschauer. Lässt sich das überhaupt noch toppen?
Müssen wir das denn toppen? Die Zahlen beeindrucken mich, aber wir sind schon sehr zufrieden, wenn wir mit «Sektor 1» annähernd dieses Niveau erreichen. Es wäre verfehlt, immer höhere Zuschauerzahlen erzielen zu wollen. Wir wollen eine gute Show bieten, darum geht es uns.

Trotzdem: Die ersten 68 Shows sind bis auf eine bereits ausverkauft, jede mit 1400 ­Zuschauern.
Wir haben darum eigens eine Fussgängerbrücke gebaut, um das Areal mit den Parkplätzen am Bahnhof Hegi zu verbinden. Das war nötig, weil die früheren Parkplätze überbaut worden sind.

Nach Stationen in Olten und in der Romandie sind Sie zurück in Winterthur. Freut Sie das oder ist der Spielort gar nicht so wichtig?
Doch, unsere Gründungsstätte Winterthur ist uns sehr wichtig. Wir haben hier gute Arbeitsbedingungen, und das Publikum kennt und schätzt uns.

Sie spielen auch dieses Mal ­wieder selber mit.
Als Regisseur habe ich nur eine kleine Rolle. Ich spiele Tschüge, einen der Öko-Häftlinge.

Und wie ist Ihr Fazit, nach Ihrem Blick in die ökologische Zukunft?
Eigentlich optimistisch. Ich glaube nicht, dass sich unsere ökologischen Probleme von selbst lösen werden. Aber ich sehe Möglichkeiten, wenn wir anfangen, Verantwortung zu übernehmen.

Erstellt: 08.06.2016, 16:38 Uhr

Paul Weilenmann, Regisseur und Mitbegründer von Karl's Kühne Gassenschau (Bild: Peter Koehl)

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