Zoo Zürich

Ein produktiver, friedlicher Riese

Elefant Maxi ist 50 Jahre alt geworden. Zwölfmal hat er für Nachwuchs gesorgt und damit seine genetische Spur in der europäischen Elefantenpopulation hinterlassen.


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Fünfzig Jahre seien ein gutes Alter für einen Elefantenbullen, sagte Robert Zingg, Kurator des Zoos Zürich, gestern vor den Medien. Es gebe auch Tiere mit 60 und mehr Jahren, aber das sei die Ausnahme. Bei Maxi macht sich das Alter unter anderem dadurch bemerkbar, dass er in letzter Zeit wieder ein wenig leichter geworden ist. 2017 war er von einst 5,7 Tonnen Gewicht auf unter 5 Tonnen gefallen. Dank spezieller Diät nahm er wieder auf über 5 Tonnen zu. Als betagtes Tier werde er regelmässig beurteilt bezüglich Gesundheit und verbleibende Lebensqualität, sagte Zingg.

Wildnis, Zirkus, Zoo

Mag Maxi auch ein älterer Herr sein – er beeindruckt nach wie vor, wenn er wie gestern im 2014 eröffneten neuen Elefantenhaus an der Futterstelle steht. Als freundlichen Riesen bezeichnete ihn Zingg. Sein angenehmes Wesen drücke sich auch in seiner fehlenden Neigung zu zerstörerischen Aktivitäten aus. «Vielleicht mal einen Ast abbrechen, ja, aber sonst pflegt er einen sorgsamen Umgang mit seiner Anlage.» Er wisse von Elefantenbullen in anderen Zoos, die ständigen Reparaturbedarf verursachten.

Maxi ist in Thailand in freier Wildbahn zur Welt gekommen – was auch der Grund ist, warum sich sein Fünfzigster nicht so genau bestimmen lässt; in den Papieren ist 1969/70 als Geburtsdatum angegeben. Er wurde eingefangen und kam 1971 in den Zoo der englischen Stadt Dudley. Ein Jahr später wurde er an das Zirkusunternehmen Chipperfield weitergegeben, mit dem er auch auf Tournee ging. Es folgte ein kurzer Aufenthalt im Safaripark Longleat. Am 15. September 1981 traf er in Zürich ein.

Der erste Bewohner

Der Zoo Zürich hatte Elefanten seit seiner Eröffnung 1929, aber stets nur Kühe. Zuerst waren sie eher provisorisch im Haupthaus untergebracht, 1971 konnte dann ein erstes Elefantenhaus eröffnet werden. Es war für seine Zeit fortschrittlich – und wäre es noch gegenüber mancher heutiger Anlage, wie Zingg ausführte. Was in Zürich fehlte, war ein Bullenstall mit Aussenanlage. Dank Donatoren stand ab 1981 ein solcher bereit. Der Asiatische Elefantenbulle Maxi wurde sein erster Bewohner.

War eine Zürcher Elefantenkuh zuvor zweimal per Bahn nach Kopenhagen geschickt worden, ohne dass sich die erhoffte Trächtigkeit einstellte, musste nun nicht allzu lange gewartet werden. Am 27. Juli 1984 kam Komali zur Welt, geboren von Ceyla-Himali. Elf weitere Male wurde Maxi bis 2014 Vater, fünf weitere Male war Ceyla-Himali die Mutter. Weitere Elefäntchen gebaren Chhukha (eines), Indi (drei), Claudie (zwei). Von dieser Maxi-Generation stammten 21 Enkel ab und mittlerweile auch zwei Urenkel. Viele wurden an andere europäische Zoos abgegeben – und die meisten sind früh gestorben. Grund waren Herpesviren, die vor allem für junge Elefanten tödlich sind und seit Mitte der 1990er-Jahre gehäuft Tiere in Gefangenschaft befielen.

Dennoch: «Maxi hat seine genetische Spur in der europäischen Elefantenpopulation hinterlegt», sagte Zingg. Mit der am 25. Februar 2017 geborenen Ruwani lebt eine Enkelin im Zoo Zürich, die er zu sehen bekommt, wenn alle Tiere zusammen sind. Ruwanis Vater ist Thai. Er und Maxi waren gestern allein im Innern der Elefantenanlage untergebracht.

Eine Bullen-Beziehung

Thai kam im Sommer 2014 nach Zürich. Er hatte zuvor in einer Junggesellengruppe des Zoos Heidelberg gelebt und bereits den Umgang mit einem ranghöheren Bullen gelernt, wie Zingg ausführte. Für Maxi war Thais Zuzug eine neue Erfahrung. Der Ankömmling verstand es, sich gebührend unterwürfig zu verhalten, sodass Kalamitäten ausblieben. Zingg: «Es ist wohl nicht eine ausgeprägte Freundschaft zwischen diesen beiden, aber ein respektvolles, bereicherndes Zusammensein.» Das zeige sich auch daran, dass Thai gerne Maxis Nähe suche in Situationen, die schwierig einzuschätzen seien.

Bereits beim Umzug in den neu erstellten Kaeng-Krachan-Elefantenpark einige Monate zuvor hatte Maxi sich erstaunlich anpassungsfähig gezeigt, erzählte Zingg. Das Training, um die Ketten für den Transport im Container anzulegen, habe er willig mitgemacht. Die neue Anlage habe er dann zügig abgeschritten, um sie zu erkunden. Im Aussengehege habe er zunächst einmal die Totholzbäume auf ihre Standfestigkeit getestet «und den einen oder anderen Seitenast hingebungsvoll abgebrochen».

Auch von seinem Markenzeichen, den eindrucksvollen Stosszähnen, brach hin und wieder etwas ab – einmal ein Stück von 70 Zentimetern Länge. Davon ist nichts mehr zu sehen. Elfenbein wächst, solange ein Elefant lebt. Wurden die Zähne zu lang, sägten die Wärter kleine Stücke von ihnen ab. Zingg: «Zählt man all diese Abschnitte zusammen, so wären Maxis Stosszähne gut drei Meter lang.»

Der Asiatische Elefantenbulle Maxi feiert im Zoo Zürich seinen 50. Geburtstag. Kurator Robert Zingg über den Charakter von Maxi und die wichtigsten Stationen seines Elefantenlebens. Video: Thomas Marth / Key

Erstellt: 18.09.2019, 18:58 Uhr

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